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      Angriffe in syrischem Rebellengebiet bei Damaskus
      © Samer Bouidani | dpa
      Aachen, 02. März 2020

      Zynische Politik auf dem Rücken der Menschen

      (Aachen, 2. März 2020) MISEREOR fordert angesichts der humanitären Katastrophe in der syrischen Provinz Idlib, dass Deutschland und Europa nicht länger zusehen, wie Menschen, die vor Krieg und Bomben flüchten als Verhandlungsmasse instrumentalisiert werden. „Eine Million Menschen, mehrheitlich Frauen und Kinder, sind in Dreck und Kälte an der syrisch-türkischen Grenze gestrandet. Und das Elend geht an der nächsten Grenze zu Griechenland weiter, wo sie von Europa mit Tränengas und Stacheldraht empfangen werden. Eine Friedensinitiative für Syrien und pragmatische humanitäre Lösungen in europäischer Solidarität sind daher dringlicher denn je“, so MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon.

      „Not wird ganz offensichtlich als politisches Druckmittel eingesetzt und Menschen auf der Flucht für Machtpolitik instrumentalisiert. Das ist eine Verletzung der Würde dieser Menschen und nutzt ihre Notlage schamlos aus. Dass Europa die letzten Jahre weder einen friedensfördernden Einfluss in Syrien geltend machen konnte, noch ein eigenes funktionierendes faires System zur Aufnahme von Asylsuchenden geschaffen hat, ist ein Versagen mit verheerenden Auswirkungen“, so Bröckelmann-Simon.

      Der Kampf um Idlib und seine Folgen zeigen, wie richtig der Aufschrei „Gib Frieden!“ der laufenden MISEREOR-Fastenaktion mit Bezug auf den nunmehr seit neun Jahren andauernden Krieg in Syrien und seine Folgen für den Libanon ist. Die lokale MISEREOR-Partnerorganisation Flüchtlingsdienst der Jesuiten (JRS), die seit Kriegsbeginn humanitäre Hilfe in Syrien und dem Libanon leistet und die Menschen vor Ort mit Bildungsangeboten und psychosozialen Diensten begleitet, ist in tiefer Sorge über die Zuspitzung der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Provinz Idlib und die katastrophalen Folgen für die Menschen vor Ort. Der Flüchtlingsdienst der Jesuiten fordert daher ein sofortiges Ende des Bombardement und der Kämpfe in Idlib und den Schutz der dort lebenden Zivilisten. Darüber hinaus müssten Hilfsorganisationen dringend über einen humanitären Korridor sicheren Zugang in die umkämpften Gebiete bekommen, damit die Menschen mit Lebensmitteln und medizinischer Hilfe versorgt werden können.

      „Gemeinsam mit unseren syrischen Gästen zur diesjährigen Fastenaktion werben wir um eine aktivere Haltung der Bundesregierung im EU-Verbund für Frieden in Syrien und den Nachbarstaaten. Dies muss auch eine Verständigung mit der Türkei und massiven Druck auf Russland zum sofortigen Stopp der Luftangriffe und zum Schutz der Zivilbevölkerung beinhalten. Wir sehen erneut, dass wir den Krieg in Syrien, die angespannte Lage im gesamten Nahen Osten und die Tragödie in Idlib nicht ausblenden können. Die europäische Antwort, Menschen im Schlamm vegetieren zu lassen oder in Gefangenenlagern wie an den europäischen Außengrenzen egal ob in Marokko oder Libyen, auf den griechischen Inseln oder der türkischen Seite ist skandalös und verstößt gegen all unsere Werte. Es braucht auch endlich eine europäische Haltung zum Recht auf Asyl, die die Würde und den Schutz des Menschen in den Mittelpunkt stellt“, fordert Bröckelmann-Simon. „Leider verliert auch die heutige Erklärung von elf Außenministern der Europäischen Union kein Wort zu der jetzt unmittelbar zu lösenden Frage der Aufnahme besonders Schutzwürdiger und verletzlicher Geflüchteter.“

      Zurzeit fördert MISEREOR in Syrien und den von den Auswirkungen des Kriegs betroffenen Nachbarländern 25 Projekte mit über 9 Millionen Euro. Seit Beginn des Syrienkriegs vor 9 Jahren hat MISEREOR in diesen Ländern rund 100 Hilfsprojekte in Höhe von 24 Millionen Euro unterstützt.

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