In den Favelas Alemão und Penha in Rio de Janeiro sind bei einem brutalen Polizeieinsatz mehr als 130 Menschen getötet worden. Die Regierung des Bundesstaates Rio rechtfertigte das Vorgehen mit dem Kampf gegen den sogenannten „Drogen-Terrorismus“. Die Bundesregierung Brasiliens hingegen verurteilt das Vorgehen. Partnerorganisationen von Misereor sprechen von einem der größten Massaker in der Geschichte Brasiliens. Misereor fordert eine unabhängige Untersuchung der Geschehnisse und besseren Schutz für die Zivilgesellschaft vor Ort.
Die langjährige Misereor-Partnerin Raquel Ludermir von Habitat para a Humanidade Brasil kritisiert das gewaltsame Vorgehen der brasilianischen Polizei scharf: „‘Operationen‘ wie diese zeigen, dass für einige politische Akteure das Leben in den Favelas nichts wert ist. In den Favelas und städtischen Randgebieten sind Blutvergießen und Gewalt zur Routine geworden. Wenn so etwas geschieht, sind nicht nur die Angehörigen der Toten betroffen. Viele Kinder entwickeln Angststörungen und Panikattacken, haben ständig Albträume und Angst vor Schüssen und dem Lärm von Hubschraubern. Einige können sogar nicht mehr zur Schule gehen.“
Misereor fordert unabhängige Untersuchung
Clara-Luisa Weichelt, Expertin für städtische Entwicklung bei Misereor, betont: „Auch wenn organisierte Kriminalität zugenommen hat und überwunden werden muss, verurteilt Misereor diese unverhältnismäßige Gewalt der Polizei des Bundesstaates. Diese ist durch nichts zu rechtfertigen. Es muss eine unabhängige Aufarbeitung der Ereignisse geben. Immer wieder berichten unsere Partner von blutigen Gefechten in den Armenvierteln – was sich in Rio ereignet hat, sind kriegsähnliche Zustände. Wir sind schockiert. Das gewaltsame Vorgehen trifft erneut die strukturell benachteiligte Bevölkerung, die in den Favelas lebt – das sind insbesondere (alleinerziehende) Frauen, Schwarze und Indigene. Dutzende von ihnen befinden sich unter den 132 Toten. Unsere Partnerorganisationen, wie Habitat para a Humanidade Brasil, setzen sich gemeinsam mit den Bewohner*innen für ein würdiges Leben in der Stadt ein. Wir stehen an ihrer Seite und verurteilen dieses brutale Vorgehen aufs Schärfste.“