Nach Erfolgen in der Hungerbekämpfung nimmt der Hunger seit 2015 weltweit wieder zu. Laut der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) mussten 2024 673 Millionen Menschen hungern. Und das, obwohl genügend Lebensmittel produziert werden.
Technischer und sozialer Fortschritt sowie weltweites Wirtschaftswachstum ermöglichen heute die Produktion von Nahrungsmitteln, die nicht nur alle (8 Milliarden) Menschen satt machen, sondern sie auch mit allen notwendigen Nährstoffen versorgen könnten. Noch nie zuvor wurden so viele Lebensmittel erzeugt wie heute, kalorisch würden sie für bis zu 10 Milliarden Menschen reichen! Das Problem liegt nicht im Mangel an Nahrungsmitteln, sondern in der ungerechten Verteilung: Gerade jene, die sie am dringendsten brauchen, erhalten sie nicht!
Misereor setzt sich weltweit dafür ein, dass Menschen nicht nur ernährt werden, sondern selbstständig für ihre Ernährung sorgen können. Es geht nicht um Almosen, sondern um Hilfe zur Selbsthilfe – für größtmögliche Selbstbestimmung. Das gelingt unter anderem durch die Stärkung kleinbäuerlicher Landwirtschaft und lokaler Ernährungssysteme. Aus der Überzeugung, dass die Menschen vor Ort am besten wissen, was nötig und sinnvoll ist, unterstützt Misereor die Initiative lokaler Organisationen, statt selbst vor Ort aktiv zu werden. In akuten Fällen leistet Misereor Nothilfe, um die grundlegende Nahrungsmittelversorgung sicherzustellen.
Hunger bedeutet, dass Menschen nicht genug zu essen haben – entweder dauerhaft oder vorübergehend – und dadurch ihre Gesundheit und Lebensqualität gefährdet ist. Man unterscheidet zwischen akutem Hunger und chronischem Hunger. Akuter Hunger tritt meist in Krisensituationen wie Kriegen oder Naturkatastrophen auf. Chronischer Hunger hingegen besteht über längere Zeit und wird oft durch Armut und fehlenden Zugang zu gesunder Nahrung und sauberem Wasser verursacht. Bei beiden Formen steht die unzureichende Versorgung mit energiereicher Nahrung im Mittelpunkt. Doch auch Menschen, die genug Kalorien zu sich nehmen, können unter einem Mangel an wichtigen Nährstoffen leiden. Dieser weniger sichtbare Mangel wird als verborgener Hunger bezeichnet. Alle Formen von Hunger können ernsthafte gesundheitliche und soziale Folgen haben.