Der Schuldenreport, der jährlich vom deutschen Entschuldungsbündnis erlassjahr.de und Misereor herausgegeben wird, analysiert die aktuelle Auslandsverschuldung weltweit. Besonderes Augenmerk richtet die Analyse auf die Schuldenlast von Entwicklungs- und Schwellenländern. Der weltweite Vergleich zeigt: Die Schuldenkrise ist insbesondere für viele Länder mit niedrigen Einkommen ein verheerendes Problem.
Der aktuelle Schuldenreport stuft die Belastung der öffentlichen Haushalte durch den Schuldendienst in 45 Staaten als so hoch ein, dass von einer akuten Schuldenkrise auszugehen ist. Diese Länder müssen mehr als 15 Prozent ihrer Staatseinnahmen für den Schuldendienst an ausländische Gläubiger aufwenden. Deswegen fehlt es an staatlichen Mitteln zur Finanzierung sozialer Grunddienste wie Gesundheitsversorgung, Bildung oder Wasserversorgung.
Die Kreditvergabe privater Gläubiger belastet die öffentlichen Haushalte besonders stark, da diese im Vergleich zu öffentlichen bilateralen und multilateralen Gläubigern weit höhere Zinsen verlangen. Beispielsweise in hoch verschuldeten Ländern – wie Angola, der Dominikanischen Republik oder dem Libanon – halten private Gläubiger mehr als die Hälfte der ausstehenden Forderungen.
Die Leidtragenden sind vor allem arme Menschen im Globalen Süden: In den von der Auslandsverschuldung sehr hoch belasteten Ländern sind etwa 234 Millionen Menschen von extremer Armut betroffen. Das sind rund 18 Prozent der Bevölkerung und damit gut doppelt so viele wie im weltweiten Durchschnitt. Das ist ein echtes Armutszeugnis im 21. Jahrhundert.
Externe Schocks wie der Krieg am Golf verschärfen die Situation massiv. Hohe Energie- und Lebensmittelpreise belasten zusätzlich die Staatshaushalte und führen zu einem Abzug von Kapital und noch höheren Kreditkosten in vielen verschuldeten Ländern. Der Schuldendienst zwingt hochverschuldete Länder auch mitten in der Krise zu weiteren Kürzungen der Gesundheits- und Sozialbudgets – ein Teufelskreis.