Weltwirtschaft nachhaltig gestalten
Armut und Hunger sind nicht zuletzt eine Folge einer ungerechten Weltwirtschaft, die historisch im Kolonialismus wurzelt und bis heute fortdauert. Wir treten gemeinsam mit Partnerorganisationen für eine sozial-ökologische Transformation und Dekolonialisierung der Weltwirtschaft ein.
Strukturell ungerechte Weltwirtschaft überwinden
Um die strukturell ungerechte Weltwirtschaft zu überwinden, braucht es zunächst eine Überwindung der kolonialen Arbeitsteilung. Immer noch exportieren viele Länder des Globalen Südens vorwiegend Rohstoffe. Die industrielle Weiterverarbeitung findet hauptsächlich in Ländern des Globalen Nordens und Schwellenländern statt. Diese wiederum produzieren und exportieren hauptsächlich Fertigprodukte und bieten Dienstleistungen an. Das sichert ihnen den Großteil der globalen Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Handelsabkommen und sogenannte Rohstoff-Partnerschaften vertiefen diese Arbeitsteilung.
Besonders vom Bergbau profitieren in vielen Ländern des Globalen Südens nur wenige Unternehmen und Menschen. Andererseits tragen sie die Kosten: Entwaldung, Zerstörung biologischer Vielfalt, Verseuchung von Gewässern sowie Vertreibung indigener und bäuerlicher Gemeinschaften. Ähnliches gilt für den agrarindustriellen Anbau von Soja, Zucker, Kaffee, Bananen oder Kakao, die größtenteils für den Export bestimmt sind. Darüber hinaus verschärft dieses Wirtschaftsmuster die Klimakrise.
Vorrang für Menschenrechte, Umwelt und Klimaschutz
Um solche Missstände zu überwinden, sind wir erfolgreich für das deutsche und das EU-Lieferkettengesetz eingetreten. Diese Gesetze verpflichtet hiesige Unternehmen zur Achtung von Menschenrechten, Umwelt und Klima. Allerdings wurde das EU-Lieferkettengesetz Ende 2025 deutlich abgeschwächt. Umso mehr fordern wir auch auf Ebene der Vereinten Nationen ein ambitioniertes völkerrechtliches Abkommen für Wirtschaft und Menschenrechte.
Zugleich treten wir für eine Handelspolitik ein, die Armut reduziert und Nachhaltigkeit fördert. Misereor ist zudem Mitbegründerin des Fairen Handels. Dieser sichert Menschen ein verlässliches Einkommen, die Umwelt schont und zeigt, wie gerechte Handelsstrukturen funktionieren. Darüber hinaus engagieren wir uns für einen Schuldenerlass für Länder des Globalen Südens, um die öffentliche Finanzierung von Bildung, Gesundheit, Sozialsystemen und der lokalen Wirtschaft zu ermöglichen. Ohne eine Überwindung der Schuldenkrise wird es nicht möglich sein, die nachhaltigen Entwicklungsziele zu erreichen.