Laut dem heute vorgestellten UN-Welternährungsbericht (SOFI) litten im vergangenen Jahr 645 Millionen Menschen Hunger. Damit ist die Zahl der Betroffenen im Vergleich zu 2024 um 14 Millionen gesunken. Zum ersten Mal seit 2015 ist auch in Afrika der Anteil der Menschen, die unter Hunger leiden, zurückgegangen.

Zu den Ergebnissen des Welternährungsberichts 2026 äußert sich Lutz Depenbusch, Misereor-Experte für Ernährung: „Dass die Zahl der Hungernden das dritte Jahr in Folge leicht zurückgegangen ist, ist eine gute Nachricht. Angesichts der multiplen Krisen ist besonders die Entwicklung in Afrika positiv. Die Zahlen zeigen, dass trotz globaler Herausforderungen Fortschritt möglich ist. Und doch sind die nur schleppenden Verbesserungen Ausdruck verspielter Chancen. Noch ist das Ausmaß des Hungers größer als vor der COVID-Pandemie, und bei der jetzigen Geschwindigkeit werden auch im Jahr 2030 noch mehr als 500 Millionen Menschen Hunger leiden. Auch die Mangelernährung bei Kindern geht nur extrem langsam zurück. Wenn politischer Wille und gemeinsame Anstrengungen Hand in Hand gehen, sind deutlich schnellere Fortschritte möglich – das hat die Vergangenheit gezeigt. Doch stattdessen erleben wir eine zunehmend egoistische Weltpolitik, etwa durch den von den USA ausgehenden Handelsstreit und Kürzungen bei der Entwicklungshilfe. Diese politischen Dynamiken bremsen Fortschritte im Kampf gegen den Hunger aus. Nun drohen die Auswirkungen des andauernden Krieges am Persischen Golf mit einer ungewöhnlich starken Ausprägung des Wetterphänomens El Niño zusammenzufallen und die weltweite Ernährungslage zu verschlechtern. Dies ließe sich verhindern, wenn die Weltgemeinschaft und damit auch die deutsche Bundesregierung Hunger und Armut nicht mehr länger als Nischenthemen für politisch bessere Zeiten behandeln und das vermeidbare Sterben hinnehmen würden.“

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