Vor Beginn der Weltgesundheitsversammlung an diesem Montag in Genf äußert sich Ellen Schmitt, Fachreferentin für Gesundheit bei Misereor, zur medizinischen Versorgung benachteiligter Bevölkerungsgruppen im globalen Süden:
„Etwa 4,6 Milliarden Menschen weltweit haben keinen ausreichenden Zugang zu notwendigen Gesundheitsdiensten. Es fehlt an Personal, Medikamenten, angemessener Ausrüstung, Wasser- und Energieversorgung oder schlicht an Geld, um sie ausreichend medizinisch zu versorgen. Vor dem Hintergrund dieser Situation ist es ein Alarmsignal, dass bedeutende internationale Organisationen der Globalen Gesundheit einschließlich der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dramatisch unterfinanziert sind. Zuletzt musste das Budget der WHO um 14 Prozent auf rund 4,2 Milliarden US-Dollar gekürzt werden. Insbesondere der Austritt der USA aus der WHO hinterlässt eine Milliardenlücke. Die Handlungsfähigkeit der WHO ist damit erheblich beeinträchtigt. Das kostet Menschenleben.
Der Ausbruch des Hanta-Virus auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik macht erneut exemplarisch deutlich, welche immens wichtige Rolle die WHO als zentrales Steuerungsinstrument der globalen Gesundheitsarchitektur spielt, wenn es zum Beispiel um Einschätzung und Management beim Ausbruch schwerer Krankheiten geht. Mit Blick auf die Bedeutung der WHO ist die Zunahme privater Finanzierung im Vergleich zur öffentlichen Finanzierung problematisch. Es ist kein gutes Zeichen, wenn mit der Gates-Stiftung eine private Organisation zu den Hauptgeldgebern der WHO gehört.
Daher fordert Misereor, dass die WHO politisch und finanziell gestärkt wird. Diesbezüglich sollte die Bundesregierung in Genf ihren Einfluss geltend machen. Zudem sollte sie sich für verbindliche Regeln einsetzen, um die Macht privater Investoren im Gesundheitsbereich zu begrenzen. Statt marktbasierter Finanzierungsmodelle benötigt die WHO mehr verlässliche öffentliche Investitionen. Haben Privatunternehmen, ihre Interessengruppen oder philanthropische Stiftungen zu viel Einfluss in den Entscheidungen zur Globalen Gesundheit und richten dieses gewinnorientierter aus, wird dies zum Nachteil besonders verarmter oder marginalisierter Bevölkerungsgruppen.“