Im Nachgang des ersten Wahlgangs der Präsidentschaftswahlen in Ecuador erklärt Helena Raspe, Referentin für Lateinamerika bei Misereor:
„Die Wahl in Ecuador lenkt das Augenmerk der Weltöffentlichkeit auf ein Land, das sich in den Fängen von Korruption, Drogenhandel und Organisierter Kriminalität befindet. Unsere Projektpartner vor Ort berichten, wie transnational vernetzte kriminelle Organisationen um die Kontrolle der Drogenrouten kämpfen, insbesondere an der ecuadorianischen Küste, wo Städte wie Guayaquil eine der höchsten Mordraten der Welt verzeichnen. Indigene Gemeinschaften, Bauern und Menschenrechtsverteidiger*innen werden bedroht, verfolgt und ermordet. Nach der Wahl wird deshalb entscheidend sein, ob die nächste Regierung eine Sicherheitsstrategie verfolgt, die Menschenrechte ins Zentrum stellt. Unsere Projektpartner bitten die internationale Gemeinschaft, die Entwicklungszusammenarbeit weiter zu verstärken, da die lokalen zivilgesellschaftlichen Akteure ohne die Unterstützung aus Europa nicht in der Lage seien, ihre Arbeit fortzusetzen und gefährdete Gemeinschaften zu schützen. Vor diesem Hintergrund appellieren wir an die Bundesregierung, der ecuadorianischen Zivilgesellschaft jetzt auch aus sicherheitspolitischen Gründen stärker beiseitezustehen.“
Hintergrund:
Ecuador hat sich innerhalb von vier Jahren zum gewalttätigsten Land Lateinamerikas entwickelt: Die Mordrate ist von sieben auf 47 Morde pro 100.000 Einwohner angestiegen. Im weltweiten Kokainhandel ist Ecuador Knotenpunkt für Lagerung und Transit der in der Andenregion hergestellten Droge. Deutschland erlebt derzeit eine Kokainschwemme: Auch der starke Konsum der Droge hierzulande ist somit ein Grund für gravierende Menschenrechtsverletzungen in Ecuador. Bisher war die ecuadorianische Regierung nicht in der Lage, der Krise angemessen zu begegnen, weil sie im Kampf gegen die Drogenkriminalität vor allem auf das Militär setzt. Dabei sind Behörden und Unternehmen selbst eng mit der Organisierten Kriminalität verflochten. Die Aktivitäten der kriminellen Netzwerke haben sich auf andere illegale Märkte ausgeweitet, wie den illegalen Bergbau und die Enteignung von Land, was zu Morden, Erpressungen, Entführungen, Zwangsrekrutierungen und Vertreibungen führt.
Für Interviewanfragen stehen zur Verfügung:
Helena Raspe, Misereor-Referentin für Lateinamerika in Berlin zu den Themen Menschenrechte, Organisierte Kriminalität und Sicherheit
Irmgard Soentgen, Misereor-Referentin für Ecuador und Bolivien zur Lage in Ecuador