Gute Gründe menschlich zu handeln

Wir wählen Gemeinsamkeit, statt Spaltung, damit nicht auch bei uns etwas zu Bruch geht. Wir handeln menschlich. Dafür gibt es viele gute Gründe. Die wichtigsten aus unserer Sicht:

Was wir schätzen! 
Wir können unsere Abgeordneten regelmäßig, frei und fair wählen. Wir können unsere Regierung kritisieren und unsere Unzufriedenheit äußern: auf dem Wahlzettel, im Netz, auf der Straße.  Bei uns gibt es unabhängige Gerichte. Gesetze gelten für alle und wir können sie geltend machen. Medienschaffende haben das Recht zu recherchieren und von der Regierung unabhängig zu berichten.  

Was wir sehen: 
Zwei Drittel aller Menschen weltweit leben in autoritären Staaten oder Diktaturen. Tendenz steigend. Demokratien stehen unter enormem Druck. Regierende nehmen Einfluss auf Gerichte und stellen sich über das Gesetz. Menschen, die die Mächtigen kritisieren oder nur kritisch über sie berichten, landen im Gefängnis. Ihnen kann Folter oder sogar der Tod drohen.  

Warum menschlich wählen? 
Demokratische Staatsformen sind jung. Die Rückentwicklung zur Diktatur ist kein Umschwung „von heute auf morgen“ – sondern ein schleichender Prozess. Diesem wirken wir am besten entgegen, indem wir alle unseren Teil zu einer lebendigen Demokratie beitragen. Der erste Schritt: die Wahl! 

Was wir schätzen!
Unsere Gesellschaft löst politische Konflikte friedlich. Unterschiedliche Meinungen werden gehört. Strittige Punkte werden ausdiskutiert. Politisch motivierte Angriffe und Gewalttaten werden verurteilt und rechtlich verfolgt.  

Was wir sehen:
Milizen oder kriminelle Banden terrorisieren in zahlreichen Ländern weltweit Kritiker*innen, Lokalpolitiker*innen und wiegeln Menschen zur Gewalt auf. Selbst in demokratischen Ländern wie Brasilien oder Indien gehen Personen, die Menschenrechte verteidigen oder für Umweltschutz eintreten, ein hohes persönliches Risiko ein. 

Warum menschlich wählen?
Im Zuge strittiger Themen und kritischer Diskussionen wird der Ton auch hierzulande rauer. Grade Lokalpolitiker*innen  – und zum Teil auch ihre Angehörigen – werden bedroht, wenn sie sich beispielsweise für Migrations-Themen, Entwicklungszusammenarbeit oder Klimafolgenpolitik stark machen. In Sozialen Medien aber auch in persönlichen Nachrichten wird beleidigt, bedroht und gehetzt. Insbesondere rechtsextreme Thesen werden auch unter Androhung körperlicher Gewalt vertreten. Hier wünschen wir uns die Rückkehr zu einem respektvollen miteinander. 

Was wir schätzen!
Wir verdanken unsere starke Volkswirtschaft unter anderem den guten Beziehungen zu anderen Ländern. Auch deshalb engagiert sich Deutschland weltweit für Frieden, Menschenrechte sowie den Erhalt der Schöpfung und wendet etwas weniger als 0,8 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für die Entwicklungszusammenarbeit auf.

Was wir sehen:
Das Streben nach guten Beziehungen mit Diktatoren und autoritären Regimen birgt große Gefahren und einseitige Abhängigkeiten – wie zuletzt bei der Energieversorgung durch Russland. Dort, wo sie an der Macht sind, isolieren sich rechtsextreme Kandidat*innen international. Sie verlieren so an Glaubwürdigkeit bei wichtigen Partnern. Ein Austritt aus der EU und nationale Abschottung würde Deutschland zum Einzelkämpfer machen.

Warum menschlich wählen?
Eine solche Politik würde gerade Deutschland massiv schaden. Wir leben in einer global vernetzten Welt, die stetig unsicherer zu werden scheint. Grenzen europäischer Länder werden mit Gewalt verschoben. Gerade in dieser Situation wird für ein Land wie Deutschland die internationale Vernetzung und gemeinsame Arbeit an globalen Herausforderungen immer wichtiger.

Was wir schätzen!
Kinder in Deutschland können kostenlos zur Schule gehen, eine Ausbildung machen oder studieren. Medizinische Grundversorgung steht allen zur Verfügung.

Was wir sehen:
Rund um den Globus streichen rechtsextreme Regierungen Sozialprogramme und bauen das öffentliche Bildungs- und Gesundheitssystem ab. Unter Regimen nimmt Korruption massiv zu, und große Teile der Bevölkerung verlieren den Zugang zu wichtigen staatlichen Leistungen.

Warum menschlich wählen?
Rechtextremen Parolen haben bisweilen einen sozialen Anstrich. Dort, wo Rechtsextreme regieren, machen sie Politik für die Reichen und arme Menschen werden noch ärmer, wie sich aktuell unter anderem in Argentinien zeigt. 

Was wir schätzen!
Eine vielfältige Gesellschaft ist der Kern einer lebendigen Demokratie. Zu unserer Demokratie gehört neben dem Schutz von Minderheiten auch der Schutz vor Verfolgung.

Was wir sehen:
Weltweit unterdrücken autoritäre Regime Minderheiten. Sie entziehen Menschen die Staatsbürgerschaft, sprechen ihnen Menschenrechte und bürgerliche Freiheiten ab. Das zeigt der Alltag in Ländern, wo autoritäre Regierungen den Staat nach ihren Vorstellungen umgebaut haben. So entstandene Kriege und Konflikte haben oft zur Folge, dass Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden, so wie in Myanmar.

Warum menschlich wählen?
Wir haben eine historische Verantwortung, Menschen, die vor Gewalt und Verfolgung fliehen, Schutz zu gewähren. Demokratische Kräfte geraten weltweit zum Teil unter massiven Druck. Grade jetzt braucht es in Europa politische Vertreter, die sich für den Schutz der Menschen- und Freiheitsrechte einsetzt – überall dort, wo sie gefährdet sind.

Was wir schätzen! 

Die Gleichberechtigung der Geschlechter gehört zu den europäischen Grundwerten. Nicht nur das Wahlrecht wurde hart erkämpft. Erst seit 1977 müssen Frauen ihren Ehemann nicht mehr um Erlaubnis bitten, um eine Arbeitsstelle anzutreten. 

Was wir sehen: 

Frauen spielen – nicht nur in der Entwicklungszusammenarbeit – weltweit eine zentrale Rolle. Ihr Beitrag und Wert in den Gesellschaften wird aber oftmals nicht anerkannt. Frauen und Kinder sind diejenigen, die als erstes und am massivsten unter Gewalt und Unterdrückung in undemokratischen Verhältnissen leiden. 

Warum menschlich wählen? 

Mit unserer Wahlentscheidung haben wir die Möglichkeit uns klar von rückwärtsgewandten Tendenzen abzugrenzen. Alle Menschen – weltweit wie in Europa – sollten unabhängig von Aussehen, Geschlecht, Alter, Religionszugehörigkeit, Herkunft oder sexueller Orientierung die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben.

Was wir schätzen!
So mühsam die Ausverhandlung und Umsetzung internationaler Abkommen auch ist: Sie sind wichtig, um der Klimakrise entgegenzuwirken.

Was wir sehen:
Klimabedingte Schäden und Verluste betreffen schon jetzt ganze Weltregionen. Ihre Folgen spüren insbesondere Menschen im globalen Süden – von Peru über Kenia bis nach Pakistan. Doch auch bei uns sind sie zunehmend zu spüren – in der Wasserversorgung, in der Landwirtschaft oder bei Wetterkatastrophen.

Warum menschlich wählen?
Nur durch gemeinsames Handeln lassen sie sich bereits eintretende katastrophale Konsequenzen eindämmen. Viele Politiker*innen rund um den Globus leugnen nach wie vor den in der Wissenschaft und in der Politik durchweg anerkannten Klimawandel. Unter der Bolsonaro-Regierung in Brasilien nahm die Zerstörung des Regenwalds neue Ausmaße an. Donald Trump stieg während seiner Präsidentschaft in den USA aus dem Pariser Klimaabkommen aus. Handlungen wie diese verstärken die Problematik dramatisch.

Statement von Misereor

Weltweit

Misereor-Partner weltweit setzten sich für demokratische Werte und die Verteidigung von Menschenrechten in ihren jeweiligen Ländern ein. In unserem Blog lesen Sie mehr zur Situation in Partnerländern und dem dortigen Kampf für eine bessere Zukunft.

Publikationen zum Thema

Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar - Erklärung der deutschen Bischöfe
Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar - Erklärung der deutschen Bischöfe

Die Erklärung der deutschen Bischöfe Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar als

Die Erklärung der deutschen Bischöfe Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar als PDF-Datei zum Herunterladen verfügbar.

Die Erklärung der deutschen Bischöfe ist untenstehend auch in, englischer und italienischer Sprache als PDF-Datei verfügbar.

Für ein Europa der globalen Gerechtigkeit
Für ein Europa der globalen Gerechtigkeit

Positionspapier der kirchlichen Werke Brot für die Welt und Misereor zur Europawahl 2024

Im Juni

Positionspapier der kirchlichen Werke Brot für die Welt und Misereor zur Europawahl 2024

Im Juni 2024 wählen die Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union ihr neues EU-Parlament für die nächsten fünf Jahre. Dieses halbe Jahrzehnt wird darüber entscheiden, wie die Menschheit die großen Herausforderungen angeht, vor denen sie steht. Gemeinsam mit Misereor hat Brot für die Welt die für diese Wahl entscheidenden Themen und die daraus resultierenden Forderungen zusammengestellt.

  • Herausgeber: Brot für die Welt und Misereor
  • Erscheinungsjahr: April 2024
  • 10 Seiten
Deutsche Bischofskonferenz  „Leitgedanken für die Politik der Europäischen Union“
Deutsche Bischofskonferenz „Leitgedanken für die Politik der Europäischen Union“

Bischöfliche Arbeitsgruppe Europa nimmt Stellung zu europäischen Herausforderungen.
Die Stellungnahme

Bischöfliche Arbeitsgruppe Europa nimmt Stellung zu europäischen Herausforderungen.
Die Stellungnahme der Bischöflichen Arbeitsgruppe Europa ist auch auf Englisch verfügbar.

  • Herausgeber: Dr. Beate Gilles, Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz
  • Erscheinungsjahr: Juli 2024
  • Seiten: 11

Wir unterstützen diese Initiativen:

Teilen Sie diese Seite:

Zum Entwicklungspolitik-Newsletter anmelden

Mit dem Newsletter keine unserer Aktionen, Petitionen & Kampagnen verpassen.

Daten werden übermittelt...
Bitte prüfen Sie Ihr E-Mail Postfach um die Registrierung abzuschließen!
Weitere E-Mail-Adresse eintragen