Projekt-Nr.: P14701

Madagaskar hat eine der höchsten Analphabetenraten in der Welt. Auf der Insel im südlichen Afrika werden nur zwei von drei Kindern eingeschult. Gerade in den ländlichen Regionen fehlt vielen Menschen der Zugang zu Bildung. Verstreut in kleinen Siedlungen leben sie weit entfernt von der nächsten Schule. Aber die Kleinbauern wissen, dass Bildung der Schlüssel für die Zukunft ihrer Kinder ist.
Deshalb sorgen sie selbst dafür, dass ihre Kinder in die Schule gehen können. Die madagassische Alphabetisierungsbewegung VOZAMA hilft ihnen dabei.

„Die nächste staatliche Schule ist viel zu weit weg. Drei Stunden wären die Kleinen unterwegs. Würden Sie das Ihrem Sechsjährigen zumuten? Aber wenn die Kinder groß genug sind, um den langen Schulweg zu schaffen, haben sie längst den Anschluss verpasst“.
Lucienne ist Mutter von drei Kindern. Die 25-jährige Kleinbäuerin lebt in einem abgelegenen Dorf im Hochland von Madagaskar. Sie unterrichtet in der Schule, die sie zusammen mit anderen Dorfbewohnern eingerichtet hat. VOZAMA hat sie bei der Gründung und der Grundausstattung der Dorfschule sowie bei ihrer Ausbildung als Lehrerin unterstützt. Ab dem sechsten Lebensjahr unterrichtet Lucienne die Kinder zwei Jahre lang. Dann sind sie alt genug für den weiten Weg bis zur nächsten staatlichen Schule. Und dank ihrer Vorbildung können sie sich nun ohne große Probleme in das dritte Schuljahr eingliedern.
Edouard, ein pensionierter Lehrer, besucht regelmäßig die kleinen Dorfschulen. Er ist VOZAMA-Inspektor und steht den Lehrenden mit Rat und Tat zur Seite. „Er erklärt uns, wie wir den Unterricht interessant und anschaulich gestalten können“, berichtet Lucienne dankbar.

Die hohe Analphabetenquote von etwa 30 Prozent schließt fast ein Drittel der madagassischen Bevölkerung vom sozialen, politischen und wirtschaftlichen Leben aus. Zwar ist der fünfjährige Besuch der Grundschule für alle Kinder verpflichtend und gebührenfrei. Doch die zu geringe Zahl staatlicher Schulen macht vielen Kindern im Alter der ersten und zweiten Klasse den Schulbesuch unmöglich. So erlangt ein Drittel der Kinder nicht einmal den Grunschulabschluss. Zudem sind viele Familien zu arm, um das Geld für Schuluniform, Stifte, Hefte oder Bücher aufzubringen. So erlangt kaum mehr als ein Drittel der Kinder wenigstens einen Grundschulabschluss. Gerade Eltern, die tagtäglich den Zusammenhang von Analphabetismus und Armut am eigenen Leib erfahren, möchten ihren Kindern dieses Schicksal ersparen. Deshalb kämpfen sie für deren Chance auf Bildung.

Innerhalb von zwölf Jahren haben Eltern mit Hilfe von VOZAMA 740 Dorfschulen eingerichtet und mehr als 25 000 Kinder aus armen Familien eine Grundbildung vermittelt. Fast alle Kinder besuchen im Anschluss daran eine reguläre Grundschule.
Ein großer Erfolg, denn Alphabetisierung und eine gute Allgemeinbildung sind das Fundament für eine hoffnungsvolle Entwicklung Madagaskars.
Lucienne freut sich: „Seit dem Aufbau unserer Dorfschule haben unsere Kinder eine Zukunft. Da müssen wir einfach mitmachen!“ Die Erfolge der Dorfschulen motivieren die Menschen, sich auch auf anderen Gebieten zu engagieren, z.B. für die Sanierung ihrer durch unkontrollierte Abholzung schwer geschädigten Umwelt und eine höhere Produktivität der Landwirtschaft. Dies zeigt einmal mehr: Nur Bildung eröffnet Wege, das eigene Leben selbst zu bestimmen und aktiv zu gestalten.
8 Euro beträgt die monatl. Aufwandsentschädigung für einen Lehrer / eine Lehrerin.
14 Euro monatl. Aufwandsentschädigung für einen beratenden Kollegen.
27 Euro kostet der Schulbesuch eines Kindes pro Jahr.
300 Euro kostet der Unterhalt einer Dorfschule.
MISEREOR-Zusage: 230.500 Euro
VOZAMA bedeutet: „Retten wir die kleinen Kinder Madagaskars“. Die Alphabetisierungsbewegung VOZAMA wurde 1995 von dem damals 82-jährigen elsässischen Pater André Boltz gegründet, um den Teufelskreis von Analphabetismus und Armut zu durchbrechen.
Neben der Elementarbildung geht es inzwischen auch um Elternarbeit, Gesundheitsvorsorge, Umweltschutz, Kinder- und Frauenrechte.
MISEREOR ist wegen Förderung der Entwicklungszusammenarbeit von der Körperschaftssteuer befreit. Bestätigung zur Vorlage beim Finanzamt (pdf)