
Aus trockenem und verödetem Land wieder ein Stück Paradies machen. Wie soll das gehen in Haiti, wo nach jahrhundertelangem Raubbau an der Natur von dem einst dichten Waldbestand kaum noch ein Baum übrig geblieben ist? „Anfangs waren wir skeptisch, als die Berater uns erklärten, wie wir auf einfache Weise wieder genug ernten können, um unsere Familien satt zu machen,“ erzählt Georges Debleds, einer der verarmten Kleinbauern im bergigen Hinterland der Karibikinsel. „Aber jetzt sehen wir das Ergebnis: Genug Wasser, ein Boden, der uns zwei bis drei Ernten im Jahr schenkt. Und wir können sogar noch etwas auf den Märkten verkaufen.“

Das Geheimnis dieses Wandels sind die Waldgärten, ein besonders geeignetes Mittel gegen den fortschreitenden Verkarstungsprozess der Insel. In den Waldgärten bilden Bäume, Wild- und Kulturpflanzen, Mikroorganismen sowie Wild- und Haustiere eine Lebensgemeinschaft, die die Bauernfamilien bewirtschaften und nutzen können. Waldgärten nutzen die Vielfalt einer naturnahen Vegetation, um die Erde zu schützen und ihre Fruchtbarkeit zu verbessern. Und sie entsprechen der Tradition kreolischer Gärten mit Mischkulturen und Bäumen, die den haitianischen Bauern in vergangenen Jahrhunderten reiche Ernten einbrachten.

Bevor Haiti von den Spaniern kolonisiert wurde, war die Insel ein tropischer Garten Eden, zu 90 Prozent mit Wald bedeckt. Nach Ausrottung der Urbevölkerung, nach Sklaverei und mehr als 500 Jahren hemmungsloser Ausbeutung von Mensch und Naturressourcen gehört Haiti heute zu den ärmsten Ländern der Welt.Von seinem reichen Baumbestand sind weniger als zwei Prozent geblieben. Und jährlich werden schätzungsweise weitere 50 Millionen Bäume gefällt, weil Holz der wichtigste Energieträger für Haushalt und Industrie ist. Zu Holzkohle verarbeitet ist es auch die einzige Geldquelle für die verarmte Bevölkerung. Ein Teufelskreis: Armut und Hunger zwingen die Bauern zur Abholzung, die Rodung der letzten Waldreserven aber verschlimmert Naturkatastrophen wie Trockenheit, Wirbelstürme und Überschwemmungen. Die treiben ihrerseits die Bewohner vom Land in die ausufernden Elendsviertel der wenigen Städte.

Doch es könnte sich eine Wende anbahnen. Die Bauern werden sich zunehmend der ökologischen Katastrophe bewusst, die ihren Lebensraum bedroht. Eine stille Revolution vollzieht sich in den ländlichen Regionen der Insel: Tausende von Bauernfamilien haben begonnen, den Boden zu schützen, Bäume zu pflanzen und Futter für ihre Tiere anzubauen. Genau an diesem Punkt setzt das von MISEREOR unterstützte Agroforstprojekt mit seinen Waldgärten an. Es greift die Tradition der kreolischen Gärten auf und ergänzt sie mit Methoden der Agroforstwirtschaft.

Drei haitianische Berater und eine deutsche Fachkraft arbeiten mit kleinbäuerlichen Selbsthilfe-Organisationen in allen Landesteilen von Haiti zusammen. Sie zeigen den Bauern, wie sie die natürlichen Ressourcen am produktivsten nutzen können. Gemeinsam werden Sträucher und Hecken gepflanzt, um das Wegschwemmen des Bodens zu verhindern. Mit Kompost werden die Fruchtbarkeit und Wasseraufn-ahmefähigkeit der ausgedörrten Erde erhöht. Neu gepflanzte Bäume festigen den Boden. Und die sorgfältig ausgewählten Mais-, Bohnen-, Maniok- und Yams- Kulturen werden so gesetzt, dass jede Pflanze genug Licht erhält, ohne in der Sonne zu verdorren. In über 30 Pfarrgemeinden und Dörfern sind durch diese Arbeit grüne Inseln gewachsen, die das Land wieder in eine Quelle des Lebens verwandeln.
0,50 Euro kostet ein Obstbaumsetzling.
24 Euro kostet ein Kurs zur Anlage eines Waldgartens je Teilnehmer.
Für 32 Euro kann eine Beratung vor Ort angeboten werden.
MISEREOR-Zusage: 425.000 Euro
MISEREOR arbeitet in Haiti mit neun einheimischen Selbsthilfe-Organisationen zusammen, die sich in der Trägerschaft verschiedener Diözesen befinden. Beraten werden diese Organisationen von dem AGEH-Mitarbeiter Dr. Kurt Habermeier.
MISEREOR ist wegen Förderung der Entwicklungszusammenarbeit von der Körperschaftssteuer befreit. Bestätigung zur Vorlage beim Finanzamt (pdf)