
Wäre die indianische Bevölkerung in den Hochlandregionen Guatemalas auf staatliche oder private Gesundheitseinrichtungen angewiesen, stände sie weitgehend ohne Versorgung da. Krankenhäuser gibt es nur in den größeren Städten und sind deshalb nur nach langen Fußmärschen zu erreichen. Und privat praktizierende Ärzte sind für die Armen ebenso unerschwinglich wie herkömmliche Medikamente, zumal es keine Krankenversicherung gibt.

„Ich sah so viele Kinder sterben, und fast immer waren die Krankheiten an sich harmlos – Durchfall, Würmer und Ähnliches. Man darf sich nicht an Leiden und Tod gewöhnen. Deshalb habe ich mich bei der Gesundheitspastoral des Bistums Los Altos gemeldet und mich zur Gesundheitsberaterin ausbilden lassen. Jetzt kann ich meinem Volk mit meinem Wissen helfen“, erklärt Manuela Tzul Alvarado, während sie dem kleinen Pedro einen Extrakt aus Kräutern und Früchten gegen seine Bauchschmerzen verabreicht.
Einsatz für traditionelle Naturheilkunde
Das Gesundheitsprojekt der Erzdiözese Los Altos bietet bereits 90.000 armen Indios – meistens aus Kleinbauernfamilien – in den Provinzen Quetzaltenango und Totonicapán im Nordwesten Guatemalas Zugang zu medizinischer Versorgung. Sie bildet einheimische Gesundheitsberaterinnen und -berater aus und sorgt für eine Wiederbelebung der traditionellen indianischen Naturheilkunde, die eine gute und kostengünstige Alternative zur Schulmedizin ist. In mittlerweile 32 Gesundheitsstationen werden die Armen ärztlich versorgt.
Einen besonderen Schwerpunkt bildet in der Arbeit der Gesundheitspastoral die Vorbeugung von Krankheiten. So klärt Manuela die Dorfbewohner über die nötigen Hygienemaßnahmen und die richtige Ernährung auf: „Ich rate den Leuten zum Beispiel, in ihrem Garten Gemüse anzubauen und es regelmäßig zu essen. Soja etwa ist eine hervorragende Eiweißquelle und wächst auf unseren Böden sehr gut.“

Eine der Hauptkrankheitsquellen ist verunreinigtes Trinkwasser. Besonders Kinder bekommen dadurch oft Durchfall, der schon nach wenigen Tagen lebensbedrohlich werden kann. Auch hier können die Gesundheitsberater der Erzdiözese helfen, beispielsweise beim fachgerechten Bau von Trinkwasserbrunnen, damit sie dauerhaft funktionieren und sauberes Wasser liefern. „Die Arbeit für die Menschen meines Volkes ist ein großes Geschenk für mich. Es macht mich glücklich, dass die Armut nicht mehr so oft unser Leben raubt und wir erleben dürfen, wie unsere Kinder gesund heranwachsen“, sagt Manuela – und ist schon unterwegs ins nächste Dorf.
San Salvador: Gesundheitspastoral für Stadt und Land
Die armen Bevölkerungsgruppen in El Salvador haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie die Indios in Guatemala: Eine völlig unzureichende staatliche Gesundheitsinfrastruktur führt nicht selten dazu, dass an sich nicht gefährliche Infektionen oder Verletzungen tödlich enden und sich schwere Infektionskrankheiten wie Typhus oder Malaria leicht ausbreiten können. Die Erzdiözese San Salvador hat deshalb eine Gesundheitspastoral eingerichtet, die sich an die Armen auf dem Land und in der Stadt richtet. Interessierte Frauen und Männer werden zu Gesundheitshelfern ausgebildet, die die häufigsten Krankheiten identifizieren und behandeln sowie schwerwiegendere Fälle an einen Arzt weitervermitteln können. Zudem leisten sie Aufklärungsarbeit zur Vorbeugung von Krankheiten, vor allem im Hinblick auf Aids.
0,50 Euro kostet eine Einwegspritze für eine Impfung.
350 Euro verdient eine Gesundheitsberaterin pro Monat.
Auf 430 Euro belaufen sich die monatlichen Kosten für den Medikamentenfonds einer Gesundheitsstation.
MISEREOR-Zusage: 425.000 Euro
Die Erzdiözesen Los Altos und San Salvador vertreten mit ihrer Gesundheitspastoral einen ganzheitlichen Ansatz: Sie nehmen bei ihrer Gesundheitsarbeit alle Lebensbereiche des Menschen – Körper, Geist und Seele – in den Blick und stellen vor allem den Zugang armer Bevölkerungsgruppen zu medizinischer Versorgung sicher.
MISEREOR ist wegen Förderung der Entwicklungszusammenarbeit von der Körperschaftssteuer befreit. Bestätigung zur Vorlage beim Finanzamt (pdf)