Fällt die Ernte gut genug aus, haben Bäuerinnen und Bauern seit jeher etwas von den Kartoffeln, dem Reis oder Mais für die nächste Aussaat zurückbehalten. Ist das Saatgut patentiert, müssen sie jedes Jahr dafür Lizenzgebühren zahlen. Dies kann für die Kleinbauern des Südens eine existenzielle Bedrohung darstellen. Die bäuerliche Landwirtschaft hier bei uns ist ebenfalls betroffen: Sorten- und Patentschutz führen dazu, dass die Landwirte auch für nachgebautes Saatgut Lizenzgebühren in Höhe von bis zu 80% des Kaufpreises von neuem Saatgut bezahlen müssen und sich zunehmender Kontrolle durch die Saatguthersteller ausgesetzt sehen.
Patente sollen einen fairen Ausgleich schaffen zwischen den Interessen des Erfinders und der Gesellschaft. Der Erfinder darf seine Neuheit 20 Jahre lang exklusiv vermarkten - wenn er sie im Gegenzug allgemein zugänglich macht. Wird die Erfindung kommerziell genutzt, müssen Lizenzgebühren an den Patentinhaber gezahlt werden. Die Logik hinter dem Patentschutz: Transparenz bringt die Forschung voran. Durch Patentschutz rentieren sich Investitionen in die Entwicklung Erfolg versprechender Produkte oder Verfahren.
Hinter dem heutigen Patentrecht im Bereich der Bio- und Gentechnologie stehen konkrete wirtschaftliche Interessen. Lebewesen wie Pflanzen und Mikroorganismen können weiter vermehrt werden, nachdem sie verkauft worden sind. Dies schränkt den möglichen Gewinn durch "biologische Erfindungen" ein.
Wenn aber ein Verfahren zur Zucht einer genmanipulierten Pflanze patentiert wird, hat der Patentinhaber das ausschließliche Recht über alle Pflanzen, die mit Hilfe dieses Verfahrens erzeugt wurden. Ähnliches gilt bei Produktpatenten. Besteht Patentschutz auf ein Maisgen mit einer bestimmten Eigenschaft, so kann dieser auch alle Erzeugnisse wie Saatgut oder Lebensmittel umfassen, die dieses Gen enthalten. Für die Bauern bedeutet dies, für jede Aussaat neues Saatgut kaufen zu müssen - Lizenzgebühren inbegriffen.
- 97 Prozent aller Saatgut-Patente besitzen Unternehmen aus Industrieländern, obwohl 90 Prozent der biologischen Ressourcen aus dem Süden stammen.
- Das Patentsystem ignoriert züchterische Vorleistungen sowie das Wissen von lokalen Gemeinschaften und Bauern. Es verletzt die Rechte der Herkunftsländer traditioneller Sorten und beteiligt sie nicht am Nutzen.
Keine Patente auf Leben
MISEREOR fordert das Verbot jeglicher Patentierung von Lebensformen. Wir gehen von dem Grundsatz aus, dass Leben als solches nicht patentiert werden kann. Pflanzen, Tiere und ihre Gene sind und bleiben Teile der Schöpfung, für die keine geistigen Eigentumsrechte beansprucht werden können. mehr
Grünes Gold
Nicht selten sind tropische Pflanzen der Ausgangspunkt für pharmazeutische Neuerungen...
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