Der bewaffnete Konflikt in Kolumbien dauert bereits über 40 Jahre. Schon Mitte der 1960er-Jahre haben Guerillaorganisationen dem Staat und den wechselnden Regierungen den Kampf angesagt. Alle Bemühungen, den Konflikt auf dem Verhandlungsweg oder militärisch zu lösen, sind bisher gescheitert. Dies lag zum einen an dem mangelnden Willen auf allen Seiten, ernsthafte Verhandlungen zu führen. Vor allem aber sind die eigentlichen Konfliktursachen nie ernsthaft angegangen worden. So wird der bewaffnete Konflikt von der tiefen sozialen Ungleichheit in Kolumbien genährt, die in den vergangenen Jahren eher noch angestiegen ist. Kolumbien gehört zu den Ländern mit der weltweit am stärksten ausgeprägten Ungleichheit im Einkommen. Besonders die Landfrage ist bis heute ungeklärt.
Auch der Staat hat Anteil daran, dass der kolumbianische Konflikt nicht beendet werden konnte. Statt sich auf rechtsstaatliche Mittel zu verlassen, setzten die Machthaber immer wieder auf die Unterstützung von paramilitärischen Einheiten, um die Guerilla zu besiegen. Diese sind aber für die Mehrzahl der Menschen- rechtsverletzungen verantwortlich. Auch wenn im Rahmen eines unter der Vorgängerregierung Uribe eingeleiteten Demobilisierungsprozesses über 34 000 Kämpfer dieser sogenannten Paramilitärs (oder Vereinigten Selbstverteidigung Kolumbiens, AUC) seit Ende 2003 entwaffnet wurden, bestätigen alle Berichte internationaler und nationaler Instanzen (wie der Vereinten Nationen und der Organisation Amerikanischer Staaten), dass die von der Regierung nun als kriminelle Banden (BACRIM) bezeichneten Gruppierungen in vielen Regionen weiter aktiv sind.
Die Menschenrechtslage in Kolumbien hat sich in den letzten Jahren in einigen Bereichen verbessert. Trotzdem bleibt das südamerikanische Land eines der Länder mit den schlechtesten Menschenrechtsbilanzen weltweit. Nach Angaben des zivilgesellschaftlichen Menschenrechtsnetzwerks CCEEU sind seit 2002 mehr als 1 900 Personen Opfer von außergerichtlichen Hinrichtungen durch die staatlichen Sicherheitskräfte geworden. Nach Angaben des Sonderbericht- erstatters der Vereinten Nationen gibt es Anzeichen einer Systematik dieses Vorgehens.
Unverändert hoch sind auch die Zahlen der von gewaltsamer Vertriebenen: Seit Ende der 1980er Jahre sind etwa vier Millionen Menschen vertrieben worden, wie die Nichtregierungsorganisation CODHES und das Nationale Sekretariat für Sozialpastoral berichten. Diese bedrückende Bilanz wird noch verstärkt, wenn man sieht, dass 97 Prozent der Menschenrechtsverletzungen und Gewaltverbrechen unaufgeklärt bleiben. Zum Problem der Straflosigkeit tragen nicht nur die häufig schlecht funktionierenden lokalen und nationalen Institutionen der Justiz bei, sondern es wird bei näherer Betrachtung ein mangelnder politischer Wille zur Überwindung dieser Situation deutlich.
Durch ihre Spenden unterstützen die Mitglieder des Deutschen Richterbundes in Zusammen- arbeit mit MISEREOR die Arbeit der kolumbia- nischen Menschenrechtsorganisation FASOL. mehr
Bericht zur Lage des Humanitären Völkerrechts, der Menschenrechte und der lokalen Entwick- lung in der Region La Macarena
Zum Bericht (pdf, 17 MB)
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