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Hungertuch

MISEREOR-Hungertuch

„Was ihr dem Geringsten tut“

Die großen Städte Lateinamerikas, Asiens und Afrikas werden immer größer. Aus dem armen Umland kommend, landen die Zuwanderer in den Elendsvierteln der Vorstädte – ohne Arbeit und in einer von Gewalt und Kriminalität geprägten Atmosphäre. Wer seiner Wurzeln beraubt ist, findet nur schwer neue Kontakte. Der Weg in die Stadt ist oft genug ein Weg in die Armut. Weltweit lebt bereits jeder dritte Stadtbewohner in Slums, in den Entwicklungs- und Schwellenländern sind es sogar über 40%. Diese Wohn- und Lebensraumsituation trifft heute schon in absoluten Zahlen über 1 Milliarde Menschen – also jeden 6. Menschen weltweit. Prognose: Verdoppelung in den nächsten 25 Jahren (UN). Die stark anwachsende Armut in den Städten ist eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahre.  

Ein Bild ist wie ein Leben – es hört nie auf (Sokey Edorh)

Das  collageartige Bild aus afrikanischer Erde, Wellpappe, Kohle und Acryl  thematisiert die unmenschlichen Lebensbedingungen in den Slums der Südkontinente, aber auch den Lebensmut der dort lebenden Frauen, Kinder und Männer.
Anknüpfend an die Verse von Mt 25,35ff nimmt Sokey Edorh diese Randgruppen der Gesellschaft in den Blick und zeigt sie als Akteure ihres eigenen Lebens. Ihre Kraft, ihr Einfallsreichtum und ihre Spiritualität können uns ein Vorbild sein. Wer sich jedoch der Menschen in Not entzieht, entzieht sich Gott.
Das Bild ist gestaltet in Anlehnung an die Verse vom Weltgericht Mt 25,31-46. Das Dreieck umschließt einige der Aktionen, die in positiver Weise in den Versen 35-36 genannt werden.

Ein erster Blick – Slum ist Chaos

Misereor-Hungertuch

Auf den ersten Blick mutet das Bild unruhig und sogar chaotisch an, keine klare Struktur weist Wege durch den Dschungel des Armenviertels. Hütten und Verschläge stapeln sich an den Rändern des Bildes übereinander, nebeneinander, die Dächer schief gegeneinander gesetzt, es ist eng, es ist staubig, Menschengewimmel, umherirrende Tiere - Straßenszenen eines Elendsviertels in Afrika, Asien oder Lateinamerika.
Der Blick bleibt schnell hängen an der kraftvollen Frau, die ihren viel zu schweren Karren hinter sich her zerrt, unterstützt von zwei sich abmühenden Kindern, die ihre Beine in den Boden stemmen.
Vom blauen Himmel, vom Geist Gottes her, öffnet sich ein Dreieck, ein afrikanischer
Ashanti-Stuhl darunter, noch leer, wie blank geputzt in seiner Klarheit. Der Weltenrichter (Mt 25, 31) hat seinen Platz noch nicht eingenommen.

Schaut man länger auf das Treiben, nimmt der Blick einzelne Szenen in dem Gewimmel wahr: die durch Wellpappe akzentuierten Dächer der Hütten, Blechfässer als Hauswände aufgeschichtet, Bagger, die beginnen, die Behausungen zu zerstören. Man sieht die warmen Farben, das Azurblau des Himmels, die rote afrikanische  Erde, die Kinder im Staub, versunken in ihr Spiel.
Am Horizont ragen Öltürme auf, Geschäftshäuser rechts daneben, die immer weiter in die Armenviertel hineindrängen, ein lächerlich kleines Kirchlein mitten hineingezwängt, fast zerdrückt von den mächtigen Türmen. Nur wenige Straßenzüge trennen die gegensätzlichen Welten von Reich und Arm.

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Der Künstler

Misereor-Hungertuch

Der togolesische Künstler Sokey A. Edorh gestaltet das Hungertuch 2011.Sokey Edorh ist 1955 in Tsevié geboren und lebt heute in Lomé/Togo. Sokey Edorh zählt heute zu den herausragenden zeitgenössischen Künstlern Afrikas.

Mit Hingabe und Geduld hat der Künstler Zeichen, Symbole und Schriften verschiedener Stämme gesammelt und daraus ein kompliziertes wie kunstvolles symbolisches alphabetisches System entwickelt. Seine Bilder zeichnen sich durch visuelle Komplexität und materielle Reichhaltigkeit aus. Er verarbeitet in seiner Malerei den roten Lehm des afrikanischen Kontinents und experimentiert stetig mit neuen Materialien. Die Malereien Sokey Edorhs sind treffende Kommentare auf Afrikas Komplexität, darin bestrebt, den Kontinent von gängigen Vorurteilen und Klischees zu befreien. Sokey Edorh hat in zahlreichen afrikanischen Slums in Benin, Kongo, Mali, Burkina Faso und Togo gelebt und gearbeitet.

Auszeichnungen (Auswahl)
Pollock Krasner Award, New York, USA (1996)
Preis der Heinrich Böll Stiftung Köln (1994)
1st Young painters award TVT Lomé, Togo (1977)

Weitere Infos
www.sokeyedorh.com

Sokey Edorh hat das Hungertuch in Aachen im Künstleratelier Otto36 gemalt. Wir danken Rainer Viebahn und Angelika Kinder für die freundliche Aufnahme und Unterstützung! 

Kontoinformationen
Konto 10 10 10 MISEREOR
BLZ 370 601 93 PAX-Bank

Kontakt

Dr. Claudia Kolletzki
Bildung und Pastoralarbeit
Tel.: 0241 442 178