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      Aachen, 19. Mai 2016

      Humanitärer Weltgipfel

      Betroffene von Katastrophen sind Hauptakteure von Nothilfe und Wiederaufbau

      (Aachen, 19. Mai 2016) Das Werk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR erwartet von dem am Montag in Istanbul beginnenden Humanitären Weltgipfel, die von Krisen und Katastrophen betroffenen Menschen stärker in den Mittelpunkt von Nothilfe und Wiederaufbau zu stellen. "Dazu müssen die Betroffenen als Hauptakteure betrachtet werden. Sie sind keine hilflosen Opfer. In den allermeisten Katastrophen helfen sie als erste den anderen Betroffenen in ihren Gemeinschaften", sagte MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel am Donnerstag in Aachen.

      MISEREOR arbeitet vor Ort mit langjährigen Partnern, die zusammen mit der betroffenen Bevölkerung die Bedarfe und Handlungsoptionen am besten beurteilen können. "Diese Strategie gilt auch im Katastrophenfall. Nothilfe darf Selbsthilfeansätze nicht untergraben und neue Abhängigkeiten schaffen. Dank unseres Netzwerkes an Partnerorganisationen konnten wir zum Beispiel nach dem Erdbeben in Nepal schnell, umfassend und bedarfsgerecht Hilfe leisten", so Spiegel weiter. MISEREOR begrüße es daher, dass der Gipfel die Rolle und die Potentiale der Betroffenen in den Mittelpunkt stellt.

      Stärkere Verzahnung von Nothilfe, Wiederaufbau und langfristiger Entwicklung gefordert

      Um Krisen künftig besser vorzubeugen, fordert das Werk für Entwicklungszusammenarbeit zudem eine stärkere Verzahnung von kurzfristiger Nothilfe, mittelfristigem Wiederaufbau und langfristiger Entwicklungszusammenarbeit. "Nach einer Katastrophe sollten wir es nicht dabei belassen, zerstörte Gebäude, Infrastruktur und anderes mehr wieder aufzubauen. Unser Ziel muss es sein, die Lebensbedingungen vor Ort möglichst zu verbessern", sagte Spiegel. Dadurch werde die Widerstandskraft der Bevölkerung in Hinblick auf zukünftige Krisen gestärkt.

      Das Konzept Linking Relief, Rehabilitation and Development (LRRD, Verzahnung von Nothilfe, Wiederaufbau und Entwicklung) werde seit den 1980er Jahren entwickelt und verbessert, in der Praxis jedoch bis heute nicht ausreichend umgesetzt. "Der humanitäre Weltgipfel bietet eine echte Chance, dass LRRD einen neuen Schub bekommt. Dazu gehört eine bessere Koordinierung, aber vor allem umfangreichere Finanzierung, langfristige Planung und nachhaltiges Engagement aller beteiligten Akteure. Es ist wichtig, Krisen nicht länger nur kurzfristig zu mildern, sondern ihnen proaktiv und präventiv vorzubeugen", so Spiegel.

      Fluchtursachen wirksam bekämpfen

      LRRD müsse auch in seiner Bedeutung für die Bekämpfung von Fluchtursachen anerkannt werden, die auf dem Gipfel eines der zentralen Themen sein wird. Mehr als 60 Millionen Menschen befinden sich derzeit weltweit auf der Flucht. Chronische Krisen und Konflikte sowie der Klimawandel bedrohen weitere Millionen Menschen. Insbesondere Frauen und Mädchen benötigen mehr Schutz vor Gewalt und Diskriminierung. "In Istanbul müssen Regierungen, die Vereinten Nationen, internationale Hilfsorganisationen sowie die Privatwirtschaft gemeinsame, solidarische Antworten auf diese Entwicklungen finden. Jeder ist in der Pflicht", appellierte Spiegel. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hatte von den teilnehmenden Staaten im Vorfeld umfangreiche Finanzierungszusagen sowie ambitionierte Ziele gefordert, um Flucht und Vertreibung bis 2030 deutlich zu reduzieren.

      Im Gegensatz zu anderen Treffen dieser Größenordnung soll auf dem Humanitären Weltgipfel jedoch kein Abschlussdokument verabschiedet werden. Die Beteiligten sollen vor und während der Veranstaltung Selbstverpflichtungen abgeben. "Bedauerlicherweise wurde bislang kein Mechanismus für eine Überprüfung der Gipfelergebnisse festgelegt. Es stellt sich die Frage, wer diese Selbstverpflichtungen nachverfolgen und gegebenenfalls einfordern wird", sagte Spiegel.

      Der vom UN-Generalsekretär einberufene Humanitäre Weltgipfel findet zum ersten Mal statt und wird seit Anfang 2012 vorbereitet. Unter den etwa 5.000 Teilnehmern sind neben Regierungen auch Nichtregierungsorganisationen und Privatunternehmen vertreten.

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