© MISEREOR
Aachen, 8. März 2017

Sechs Jahre Bürgerkrieg in Syrien

MISEREOR: Die internationale Politik hat versagt - Versöhnungsinitiativen der syrischen Zivilbevölkerung sind einzige Zeichen der Hoffnung

(Aachen, 8. März 2017) Anlässlich des sechsten Jahrestages des Syrienkonflikts am 15. März weist MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon auf die Notwendigkeit hin, die zaghaften aber wichtigen Bemühungen der syrischen Bevölkerung um Frieden im Land zu unterstützen. Angesichts des Versagens der internationalen Politik seien eigene Friedensinitiativen der Menschen in Syrien für viele die einzigen Hoffnungszeichen nach sechs Jahren Krieg.

"Was mit den friedlichen Demonstrationen und der Hoffnung vieler Syrer auf gesellschaftliche Veränderungen begann, ist Tod, Verwüstung und großer Hoffnungslosigkeit gewichen", so MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon, der selbst erst vor vier Wochen in Syrien, u.a. auch in Aleppo, Homs und Damaskus, war. Nach den unvorstellbaren Grausamkeiten, die von allen Kriegsparteien begangen wurden, herrschten großer Hass und Misstrauen in der syrischen Bevölkerung. "In dieser Situation kann die Logik der Gewalt nur durch Begegnung, gemeinsame Friedensinitiativen und ein menschliches Miteinander durchbrochen werden", erklärt Bröckelmann-Simon.

Kein Glaube an Lösungen durch internationale Politik

"Die syrische Zivilbevölkerung hat längst den Glauben an eine Lösung durch die internationale Politik verloren. Gerade deshalb bleibt ihnen nur noch die Hoffnung auf eigene Friedensinitiativen, so begrenzt sie auch sein mögen", sagt auch der syrische Jesuit und MISEREOR-Partner Sami Hallak aus Aleppo. In dem von ihm begonnenen Hilfsprogramm arbeiteten von Beginn an Christen und Muslime in Ost- und West-Aleppo Seite an Seite, um die Not der Bevölkerung zu lindern, um Essen und Wasser zu verteilen, um Nachbarschaftshilfe zu organisieren. "Mehr als 60.000 muslimische Familien haben in den letzten Jahren unsere Hilfe angenommen und selbst mitgeholfen, andere Menschen zu versorgen. Das geht weit über eine warme Mahlzeit und die Krankenpflege hinaus, weil unsere Zentren Begegnungsräume für ein menschliches Miteinander jenseits konfessioneller Grenzen schaffen. Dabei haben sie Bekanntschaft mit Christen und anderen muslimischen Gemeinschaften gemacht, und es sind viele Brücken zwischen vorher feindlich gesinnten Religionsgemeinschaften entstanden. Auf diesem Weg gehen wir weiter, um so selbst an einer friedlichen Zukunft des Landes zu bauen", erklärt Sami Hallak.

Menschlichkeit und Miteinander angesichts der Alltagsnot

"Diese kleinen, aber wichtigen gemeinschaftlichen Bemühungen "von unten" sind Hoffnungszeichen bei aller Frustration über das bisherige Scheitern der internationalen Politik, ein Friedensabkommen zu erreichen", erklärt Bröckelmann-Simon. "Sie schaffen ein wenig Menschlichkeit angesichts der Alltagsnot, der Traumatisierung der Kinder und der Sorge um Angehörige und müssen daher in Syrien unbedingt weiter unterstützt werden". Kinder erhalten Schulunterricht, Tausende Familien jeden Tag Lebensmittelpakete, Wasser und warme Mahlzeiten. Familien werden psychosozial betreut und bekommen eine medizinische Grundversorgung. Seit Beginn des Krieges hat MISEREOR für Hilfsmaßnahmen in Syrien 3,6 Millionen Euro bereitgestellt.

Am 15. März jährt sich zum sechsten Mal der Beginn des Krieges in Syrien. Über 450.000 Menschen haben seither ihr Leben verloren. 1,9 Millionen wurden verwundet. Mehr als  fünf  Millionen Menschen sind ins Ausland geflohen, weitere 7,6 Millionen sind zu Vertriebenen im eigenen Land geworden. Und an zahlreichen Orten wird weiter gekämpft, sind Menschen abgeschnitten von humanitärer Versorgung.

MISEREOR ist für die Unterstützung der Menschen in Syrien weiterhin auf Spenden angewiesen:

Ich unterstütze die Nothilfe in Syrien 0 Kommentare
1869 Menschen haben schon
355190.70 € online gespendet!
Zurück

In einem Brief hat der syrische Jesuit Sami Hallak über den Alltag und die Friedensbemühungen der Menschen in Syrien berichtet. Da er sehr eindrücklich die Schwierigkeiten beschreibt, aber auch die Chancen des Miteinanders der verschiedenen Religionsgemeinschaften, möchten wir Ihnen den Brief  gerne zur Verfügung stellen und zum Abdruck freigeben.

Zum Brief


Presse-Newsletter