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Aachen, 25. August 2016

Noch viele Hindernisse bis zu einem dauerhaften Frieden

MISEREOR begrüßt Abkommen zwischen Regierung und FARC-Guerilla in Kolumbien

(Aachen, 25.08.2016) Das Werk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR hat die Friedensvereinbarungen zwischen der Regierung Kolumbiens und der FARC-Guerilla begrüßt. "Das ist ein unverzichtbarer Meilenstein auf dem langen Weg zu einem alle Teile der Gesellschaft umfassenden dauerhaften Frieden", sagte MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel am Donnerstag in Aachen.

Ein tiefgreifender Friedens- und Versöhnungsprozess sei Voraussetzung dafür, dass es zu einem Ende der Gewalt und zu Verbesserungen für die armen Bevölkerungsgruppen im Lande kommt. "Dabei sind noch viele Hindernisse zu beseitigen. Denn weil ehemalige Paramilitärs und kriminelle Banden versuchen, den Drogenanbau und -handel sowie den illegalen Handel mit Gold zu kontrollieren, und voraussichtlich einige Kämpfer der Guerilla sich nicht dem Friedensprozess anschließen, könnte es auch zu einer Intensivierung bestimmter Konflikte kommen", so Spiegel.

Während der Friedensprozess im Ausland große Zustimmung und Unterstützung gefunden hat, muss die Mehrheit der kolumbianischen Bevölkerung nach Einschätzung des MISEREOR-Hauptgeschäftsführers erst noch von den Vorteilen der Vereinbarung überzeugt werden. Im Juni 2015 wurde Präsident Santos wiedergewählt, unter anderem deshalb, weil er sich für den Friedensprozess stark gemacht hat. Es bleibe zu hoffen, dass bei einem möglichen Referendum über das Abkommen eine ausreichend starke Mehrheit den Friedensprozess unterstützt, so Spiegel. Außerdem gebe es eine starke Gruppe, bestehend aus großen Teilen der Presse, der politischen Rechten um den vorherigen Präsidenten Alvaro Uribe Velez und von Profiteuren des Konflikts, etwa Großgrundbesitzern, die die Vorteile des Vertrags bezweifeln und die Führung der Guerilla dauerhaft im Gefängnis, nicht aber in demokratisch gewählten Parlamenten sehen will. Es steht noch aus, mit der ELN als kleinerer Guerilla, ebenfalls einen Friedensprozess erfolgreich zu Ende zu führen.

Für populistische Parolen empfänglich

In den ländlichen Regionen, in denen die FARC oder andere Guerillagruppen präsent sind, herrsche auch Unsicherheit darüber, was nach dem Friedensschluss geschieht. "Indigene und Afrokolumbianer befürchten, dass die ehemaligen Guerilleros ihnen einen Teil ihres kollektiven Landbesitzes abnehmen und ihre Selbstbestimmungsrechte einschränken wollen. Insgesamt kann man feststellen, dass der Großteil der Bevölkerung wenig über den Inhalt des Friedensabkommens weiß und für populistische Parolen empfänglich ist. Von daher besteht eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche sowie anderer Partner MISEREORs aus der Zivilgesellschaft darin, die Kolumbianer, die über die Annahme der Friedensvereinbarungen abstimmen können, über deren Inhalt in einer verständlichen und einfachen Sprache zu informieren", mahnte der MISEREOR-Chef.

In Kolumbien gibt es etwa  sieben Millionen offiziell anerkannte Opfer des seit mehr als 50 Jahren anhaltenden bewaffneten Konflikts. Die Mehrheit von ihnen wurde von ihrem Land vertrieben, das sich in der Folgezeit Großgrundbesitzer, Agrounternehmen oder Kriminelle angeeignet hätten, erläuterte Spiegel. Bereits Mitte 2011 wurde das sogenannte Opfer- und Landrückgabegesetz verabschiedet, um einen Teil dieser geraubten Ländereien an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben bzw. diese zu entschädigen. "Dieser Prozess ist langwierig und kompliziert. Ohne externe Unterstützung haben Kleinbauernfamilien keine Chance auf die Rückkehr in ihre Dörfer", betonte Spiegel.

Die Kirche ist im ganzen Land präsent

Aus diesem Grund unterstützt MISEREOR Projekte, um diese Ansprüche durchzusetzen, die jeweiligen Verfahren zu vereinfachen und zu beschleunigen. Wo Land zurückgegeben wurde, drohe oftmals erneute Vertreibung, meist durch ehemalige Paramilitärs, warnte der MISEREOR-Hauptgeschäftsführer. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass die betroffenen Siedlungen eine verbesserte Infrastruktur erhielten, etwa dadurch, dass Straßen und Schulen gebaut werden.

Schon vor dem Krieg war der Staat in vielen ländlichen Regionen nicht präsent. "Der Krieg hat in den umkämpften Gebieten dazu geführt, dass der Staat dort allenfalls durch Militär präsent war",  erläuterte Spiegel. Die katholische Kirche sei überall im Land vertreten. "Ihr fällt die wichtige Aufgabe zu, die Zivilgesellschaft über ihre Rechte zu informieren, damit die Bürger wissen, was sie einfordern können und damit sie kontrollieren können, dass die Wiederaufbauhilfe bei denen ankommt, die sie benötigen und nicht durch Korruption in falsche Hände gerät."

Überleben ohne Koka-Anbau und Umweltzerstörung

Misereor unterstützt die Zivilgesellschaft, die nicht direkt am Verhandlungstisch saß, dabei, sich frei und selbstbestimmt in den Friedensprozess einzubringen. Weiterhin unterstützt das Werk der Entwicklungszusammenarbeit lokale Initiativen dabei, aufzuzeigen, wie das Überleben der ländlichen Bevölkerung ohne den Anbau von Koka-Pflanzen und die Zerstörung der Umwelt durch unkontrollierten Bergbau gesichert werden kann - viele Vertriebene wollen nach einem Friedensvertrag in der Stadt bleiben, weshalb es ebenso eine städtische Entwicklung braucht, was insgesamt nach einem neuen und anderen Modell ruft. Darüber hinaus setzen sich MISEREOR-Partnerorganisationen dafür ein, dass Menschen auch in abgelegenen Gebieten sich ihrer Rechte bewusst werden und diese erfolgreich einfordern können.

Um zu nachhaltigem Frieden und Versöhnung zu kommen, sollen in nahezu allen von MISEREOR unterstützen Projekten in Kolumbien (Fördervolumen circa sechs Millionen Euro jährlich) diese Ziele gefördert werden. "Ohne dass die Vergangenheit aufgearbeitet und die Wahrheit angestrebt wird, welche Verbrechen von staatlichen Akteuren, von den mit diesen verbündeten Paramilitärs und von der Guerilla begangen wurden, kommt es zu nur schwer zu einer Versöhnung und Überwindung der Gewaltspirale", erklärte Spiegel.

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