Berlin, 16. September 2016

Migrationsgipfel in New York: MISEREOR warnt vor Konsequenzen weltweiter Abschottung und Abwehr

(Berlin, 16.September 2016) Anlässlich des Gipfeltreffens der Vereinten Nationen für Geflüchtete und Migranten kommende Woche in New York, warnt das katholische Hilfswerk MISEREOR erneut vor einer weltweiten Abschottung vor Flüchtlingen und Migranten. "Flüchtlinge brauchen jeglichen Schutz und Hilfe, Migranten auch legale Wege, um eine Zukunft für sie selbst, und damit auch Chancen für ihre Aufnahme- und Herkunftsländer zu ermöglichen", so MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon.

Allerdings sei vielerorts nach wie vor der Blick auf Migration von Angst und Abwehr geprägt. Dies gelte vor allem für die Europäische Union und die USA. Auch in Afrika selbst verändere sich die Wahrnehmung von Arbeitsmigration, die eigentlich konstitutiv zu den sozialen und wirtschaftlichen Kreisläufen des Kontinents gehöre. "Nicht erst seit den Beschlüssen des EU-Afrikagipfels von La Valetta, bei dem es im Kern um die Auslagerung von Grenzkontrollen in afrikanische Drittstaaten ging, hat sich die Lage für Migranten in Afrika erheblich verschlechtert. Die Grenzübertritte zu Nachbarstaaten werden immer schwieriger und ihre Aufenthalts- und Arbeitsmöglichkeiten eingeschränkt", so Bröckelmann-Simon.

"Unsere Angst vor Geflüchteten und Migranten hat insofern auch deutliche Konsequenzen für die afrikanische Ökonomie, wenn sie dazu führt, dass Menschen nicht mehr mobil sein können und ihre traditionellen Erwerbsmöglichkeiten in der innerafrikanischen Arbeitsmigration verlieren", erklärt Bröckelmann-Simon. "Wir sollten nicht vergessen, dass das Gros afrikanischer Migranten gar nicht nach Europa will, sondern in die Nachbarländer. Grenzüberschreitende Migration in Afrika gibt es schon seit langem, sie ist gar kein neues Phänomen".

Klima gegenüber innerafrikanischen Migranten verschlechtert sich

Als Reflex auf die aktuellen Entwicklungen in Europa und infolge der verschärften Migrationskontrollen afrikanischer Länder sei nun in Afrika eine fortlaufende Verschlechterung des innergesellschaftlichen Klimas gegenüber Migranten aus anderen afrikanischen Ländern zu beobachten. "Arbeitsmigranten in Westafrika laufen heute immer mehr Gefahr, kriminalisiert zu werden und als Sicherheitsrisiko wahrgenommen zu werden. Spannungen und Übergriffe nehmen zu, während zugleich Wirtschaftssektoren, die von Migrantenarbeitskraft abhängen, wie etwa der Fischfang in Westafrika, vom Ausbleiben der Arbeitskräfte gefährdet sind", so Bröckelmann-Simon.

Migration dürfe also nicht negativ oder bedrohlich gesehen werden, sondern müsse als unabänderliche Konstante der Menschheitsgeschichte und als politische Aufgabe und Herausforderung verstanden werden. "Dies verlangt von allen, von Migranten, Aufnehmenden, Herkunfts- und Aufnahmeländern  eine adäquate Steuerung, Förderung, Integration und Anpassung.  Das ist nirgendwo auf der Welt einfach.  Niemand wird jedoch ernsthaft behaupten können, dass Europa, nach wie vor eine der reichsten und potentesten Regionen der Welt, angesichts  eines Anteils von 10,3 Prozent Flüchtlingen und Migranten an der EU-Gesamtbevölkerung dazu weniger in der Lage sein sollte als die vielen Entwicklungsländer, die insgesamt 86% aller Flüchtlinge beherbergen", so Bröckelmann-Simon.

MISEREOR unterstützt momentan Flüchtlinge und Binnenvertriebene weltweit in 80 Projekten mit einem Fördervolumen von 22 Mio. Euro.

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