Aachen, 17. Juni 2016

Migration braucht Wege, keine Abwehr

Problematische Auswirkungen europäischer Migrationsphobie auf Afrika

(Aachen, 17. Juni 2016) Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni 2016 thematisiert das Werk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR die zunehmend negative Bewertung von Migration und weist auf die drohende Einschränkung der Bewegungsfreiheit auf dem afrikanischen Kontinent hin. Die bislang traditionell offene innerafrikanische Migrationspolitik werde durch die auf Migrationskontrolle und -abwehr gerichtete europäische Politik zunehmend in Frage gestellt. Die freie Zirkulation von Menschen wie Waren sei jedoch über Jahrhunderte ökonomisch, sozial und kulturell konstitutiv für Westafrika wie auch für viele andere Regionen unseres Nachbarkontinentes gewesen.

Druck aus Brüssel

„Auch in Afrika setzt sich jedoch nun offenbar mehr und mehr die europäische Sicht durch, dass Migration schädlich sei und Migranten nicht als Gewinn, sondern als Bedrohung wahrgenommen werden“, erläutert MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon. „Der Druck aus Brüssel in Folge der Beschlüsse des EU-Afrika-Gipfels von La Valetta im vergangenen November trägt durch seine Verknüpfung mit finanziellen Angeboten zur verschärften Migrationskontrolle dazu bei , dass die bislang offenen Reisemöglichkeiten westafrikanischer Bürgerinnen und Bürger in ihre Nachbarländer erschwert und ihre dortigen Aufenthalts- und Arbeitsmöglichkeiten eingeschränkt werden. Dabei wird die afrikanische Migration Richtung Europa bei uns in Deutschland völlig überschätzt – das Gros der afrikanischen Wanderungsbewegungen findet innerhalb des eigenen Kontinentes und dort vor allem in benachbarten Regionen statt; saisonale Migration zur Erhöhung des Familieneinkommens gehört schon lange zum westafrikanischen Alltag.“

Kooperation mit repressiven Regierungen

Nun wolle die EU mit einem milliardenschweren neuen „Migrations-Partnerschaftsabkommen“ bilaterale Vereinbarungen etablieren, die sieben ausgewählte Länder dazu verpflichten sollen, migrationswillige Menschen schon in ihren eigenen Landesgrenzen zurückzuhalten, die Transitmigration zu erschweren und Rückkehrpflichtige aus Europa zurückzunehmen. „Ich befürchte, dass dabei trotz gegenteiliger Beteuerungen die Menschenrechte und der Schutz von Migranten auf der Strecke bleiben“, so Bröckelmann-Simon.  „Immerhin scheut sich die EU ja auch nicht, mit ausgewiesen repressiven Regierungen wie Sudan oder Eritrea Migrationskontrollvorhaben zu planen. Die wirkungsvollsten Fluchthelfer sitzen allerdings allzu oft gerade in den Regierungspalästen – Unrechtsregime und Konflikte gehören zu den wesentlichsten Ursachen dafür, warum Menschen aus ihrer Heimat fliehen.“

Entwicklungsimpulse durch Migration

Aber weder Entwicklungsfortschritte noch Mauern und Zäune würden auf Dauer den menschlichen Mobilitätsdrang  aufhalten können. Die Migrationsforschung habe hinreichend gezeigt, dass Entwicklungsfortschritte oft Migration befördern, nicht verringern. Zugleich könne Migration ihrerseits wichtige Entwicklungsimpulse, etwa durch die enorm hohe Summe an Rücküberweisungen in die Heimatländer, auslösen. Allein nach Nigeria, einem der angestrebten Partnerländer der neuen EU-Initiative, wurden im Jahr 2015 21 Milliarden US-Dollar aus der Diaspora überwiesen – zehnmal so viel wie die offizielle Entwicklungshilfe dorthin.

Martin Bröckelmann-Simon: „Deshalb braucht Migration Wege, keine Abwehr. Migrationskontrolle mit hohem Erwartungsdruck und sehr kurzfristigem Zeithorizont darf nicht der neue Name und die neue Begründung für Entwicklungszusammenarbeit werden.“

Zurück

Kontakt


Ich unterstütze MISEREOR
EINMALIG
MONATLICH
36 € 50 € 100 € 330 €  €
Wie Ihre Spende helfen kann: 50 Euro reichen aus, um 100 Straßenkinder in Indien mit Schiefertafeln und Kreide auszustatten.
Spenden per Überweisung:      IBAN DE75 3706 0193 0000 1010 10      BIC GENODED1PAX     Pax-Bank Aachen

Presse-Newsletter