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      Frau am Fluss
      © Foto: Florian Kopp / Misereor
      Berlin/Aachen, 22. Juli 2015

      Massenhaft Abschiebungen nach Haiti

      Scharfe Kritik von MISEREOR an den Abschiebungen von Haitianern aus der Dominikanischen Republik

      (Berlin/Aachen, 22. Juli 2015) An der Grenze der Dominikanischen Republik zu Haiti droht eine humanitäre Katastrophe. Das Werk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR kritisierte am Mittwoch in Aachen die Abschiebung vieler Migranten haitianischer Abstammung durch die dominikanischen Behörden.

      Grund ist das geänderte Staatsbürgerrecht. Außerdem wird ein Plan zur Regulierung von Einwanderung umgesetzt. Manche sind auf offener Straße aufgegriffen und zur haitianischen Grenze gebracht worden. Diese Menschen sind sehr arm und es existiert kein Programm des haitianischen Staates, das sie unterstützt. "Es gibt eine große Anzahl von Betroffenen, hauptsächlich Frauen und Kinder, die noch nie in Haiti waren und die nach ihrer Abschiebung dort keinen Ort finden, der ihnen Zuflucht bietet", sagt Jocelyne Colas Noel von der haitianischen MISEREOR-Partnerorganisation "Kommission Justitia et Pax". Es komme in der Dominikanischen Republik zu Festnahmen von Haitianern, die sich nicht ausweisen können. Hunderte seien in den vergangenen Wochen mit Bussen über die Grenze abgeschoben worden.

      Gerichtsurteil betrifft hunderttausende Nachkommen von Haitianern

      Ein umstrittenes Gerichtsurteil des dominikanischen Verfassungsgerichtes von 2013 hatte allen Personen das Staatsbürgerrecht entzogen, die nach 1929 von Eltern nicht dominikanischer Abstammung geboren wurden. Bis dahin war Dominikaner, wer im Land geboren wurde. Diese Änderung betrifft hunderttausende Nachkommen von Haitianern, die im letzten Jahrhundert für eine gering bezahlte Arbeit auf den  Plantagen angeworben wurden und in sehr primitiven Verhältnissen lebten. "Es wird geschätzt, dass heute mehr als eine halbe Million Migranten haitianischer Herkunft von der Änderung betroffen sind. Durch das Gerichtsurteil werden Menschen, die dort geboren sind, jahrzehntelang dort gelebt und gearbeitet haben, in die Illegalität gestoßen," weiß MISEREOR-Länderreferentin Barbara Küpper.

      270.000 Migranten haben bis zum Fristende Mitte Juni Einbürgerungsanträge eingereicht, doch nur 300 Aufenthaltstitel wurden bisher vergeben. "Die Verwaltung ist schlecht organisiert und die Auflagen sind sehr hoch. Es ist fast unmöglich die formalen Auflagen zu erfüllen und einen ständigen Aufenthaltstitel zu bekommen", so Küpper. "Der bisher latente Rassismus gegen Haitianer hat massiv zugenommen. Seit Jahresbeginn haben aufgrund der angespannten Situation bereits 40.000 Menschen haitianischer Abstammung das Land mehr oder weniger freiwillig verlassen."

      Keine Unterkünfte für die Abgeschobenen in der Grenzregion

      Die MISEREOR-Partnerorganisation "Zanmi Timoun" setzt sich für die Belange von Kindern ein: "Der haitianische Premierminister Evans Paul hat zwar ein Maßnahmenpaket für die Ausgewiesenen versprochen. Doch in der Grenzregion passiert nichts. Insbesondere die Familien sind in einer schwierigen Lage. Sie haben zu wenig Nahrung und Trinkwasser sowie keine Unterkünfte. Die in der Dominikanischen Republik geborenen Kinder besitzen häufig keine Pässe," sagt Guylande Mesadieu, Koordinatorin von Zanmin Timoun. Die Organisation unterstützt Kinder, die unbegleitet abgeschoben wurden, mit Rechtsberatung und hilft bei der Beschaffung von Pässen, bei der Familienzusammenführung und Wiedereingliederung.

      MISEREOR-Partner helfen den Familien

      Die "Kommission Justitia et Pax" beobachtet die zahlreichen Grenzübertritte und sammelt Informationen. Sie macht die Menschenrechtsverstöße öffentlich und hilft haitianischen Rückkehrern, Geburtsurkunden und Ausweisdokumente zu bekommen.

      "Unsere Partner leisten vor Ort, was möglich ist. Dazu gehört beispielsweise auch die Menschenrechtsorganisationen aus der Dominikanischen Republik "Centre Bonó", Doch die internationale Gemeinschaft muss mehr Druck auf die dominikanische Regierung ausüben, die durch ihr geändertes Staatsbürgerrecht und die daraus folgende Abschiebepraxis grundlegende Menschenrechte verletzt. Ab August wird sich die Zahl der Abschiebungen drastisch erhöhen. Am 17. Juni ist das Ultimatum für die Beschaffung von gültigen Dokumenten abgelaufen und es wurde nur noch eine Schonfrist von 45 Tagen gegeben," mahnte Küpper.

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