Iraq: Dibaga camp for Internally Displaced Person
Berlin/Freiburg, 22. September 2016

Kampf gegen Fluchtursachen muss Priorität haben

(Berlin/ Freiburg,  22. September 2016) Am Ende der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz fordern MISEREOR-Bischof Stephan Burger und MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel von Politik und Gesellschaft mehr Engagement zur Bekämpfung von Fluchtursachen. Die Diskussionen und Verhandlungen in Deutschland und der EU drehten sich zurzeit mehr um Abschottung vor Migranten und Flüchtlingen, als um eine Verbesserung der Lebensumstände in den Herkunftsländern.

"Angesichts der dramatischen Situation der Menschen in Syrien, die hungern, die verletzt und obdachlos sind, ist es die Pflicht der Verantwortlichen in der Politik, nichts unversucht zu lassen und weiterhin nach Lösungen zur Beendigung des Konflikts und zum Schutz der Menschen und Helfer zu suchen", so Erzbischof Burger. "Wir können dem Leiden und Sterben nicht tatenlos zusehen und dürfen nicht nachlassen, uns für den Frieden im Land einzusetzen", appellierte Burger an die internationale Politik.

Bekannte und verdeckte Fluchtursachen angehen

MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel betonte die Verantwortung der deutschen und europäischen Politik, weitere Weichen für die Bekämpfung von Migrations- und  Fluchtursachen zu stellen. "Wenn die Achtung der Menschenwürde keine Floskel sein soll, dann zwingt uns die wachsende Not unter den Flüchtlingen, bekannte und verdeckte Flucht- und Migrationsursachen gemeinsam anzugehen. Menschen verlassen ihre Heimat wegen Krieg, aus politischen Gründen, wegen fehlender Zukunftsperspektiven, aber in zunehmendem Maße auch, weil die Folgen des Klimawandels, wie Dürren und andere Naturkatastrophen ihre Lebensgrundlagen zerstören. Eine ambitionierte Klimapolitik in Deutschland, die nicht hinter den Zusagen vom Pariser Klima-Gipfel zurückfällt,  ist insofern ein wichtiger Beitrag, den wir hierzulande leisten können."

Abschottung und Zäune funktionieren nicht

Nur eine dauerhaft gerechter gestaltete globale Wirtschaftsordnung  könne die Situation in den Herkunftsländern von Migranten und Flüchtlingen nachhaltig verbessern. "Wenn wir jetzt die Chance ergreifen, verstärkt länderübergreifende Solidaritäts- und Sicherungsmaßnahmen in Wirtschaft und Politik durchzusetzen, werden alle davon profitieren", so Spiegel. Menschenverachtende Produktionsbedingungen im Kohlesektor in Südafrika und Kolumbien, in der Kleidungsproduktion in Bangladesch  oder auf Teeplantagen in Indien und Kakaoplantagen in Afrika könnten auch mithilfe von verbindlichen Menschenrechts-Leitlinien entgegengewirkt werden.
"Wir können nicht so tun, als stünden unsere Lebensweise und die hohe Profitorientierung unserer Industrie in keiner Beziehung zu den Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Ländern, von denen wir u.a. unsere Rohstoffe beziehen. Dieser Tatsache müssen wir ins Auge sehen.  Abschottung und Zäune, auch in wirtschaftlicher Hinsicht gesehen, können in einer global verbundenen Welt keine Antwort sein. Sie schüren  ein Klima der Angst und Ablehnung anstatt von gebotener Solidarität", betonte Spiegel.

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