Aachen, 03. August 2016

Indigene in Brasilien: Vertrieben, ausgegrenzt und beschossen

MISEREOR kritisiert anhaltende Menschenrechtsverletzungen. Papst zeigt sich besorgt.

(Aachen, 03. August 2016) Zum internationalen Tag der indigenen Völker am 9. August kritisiert MISEREOR die anhaltende und oft gewaltsame Diskriminierung indigener Völker in Brasilien. Im Juni spitzte sich die Gewalt im Bundestaat Mato Grosso do Sul weiter zu: Etwa 300 Indigene der Guarani-Kaiowá hatten Mitte des Monats die Farm Yvu besetzt, wurden jedoch von bewaffneten Gruppen gewaltsam vertrieben.

"Nach den Berichten von einem der Anführer der Indigenen umzingelten etwa 70 Großgrundbesitzer und Revolvermänner von verschiedenen Seiten das Lager und fingen an, teils mit Gummigeschossen, teils mit schwerer Munition wahllos auf die Masse zu schießen", berichtet Stefan Kramer, Leiter der Dialog- und Verbindungsstelle MISEREORs in Brasilia. Clodione Aquileu Rodrigues de Souza starb noch vor Ort an drei Schusswunden. Mindestens sechs weitere Indigene wurden verletzt und teilweise notoperiert. Die Guarani-Kaiowá sind die zweitgrößte Gruppe der 305 bekannten indigenen Völker Brasiliens. Sie beanspruchen das derzeit nicht bewohnte Grundstück als Stammesland ihrer Vorfahren. Von den 124 indigenen Territorien in Mato Grosso do Sul sind derzeit lediglich 14 als solche demarkiert. Der gesetzlich zugesicherte Prozess der Demarkierung wird von der einflussreichen Agrarlobby immer wieder verzögert.

Systematische Ausgrenzung

"In den letzten fünfzehn Jahren ist der Soja- und Zuckerrohranbau in Mato Grosso do Sul massiv expandiert. Dafür werden Indigene von ihrem Land vertrieben und in viel zu kleine Reservate umgesiedelt, obwohl ihnen in der brasilianischen Verfassung besonderer Schutz zugesagt ist. Dort ist die Gesundheitsversorgung sehr schlecht und die Arbeitslosigkeit hoch. Drogen- und Alkoholprobleme sind weit verbreitet", beklagt MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel. Durch den fehlenden Zugang zu ihrem Land und die Perspektivlosigkeit in den Reservaten sehen viele Indigene keine Alternative, als ihr angestammtes Land wiederzubesetzen. Die Großgrundbesitzer, welche das Stammesland kontrollieren, gehen gewaltsam dagegen vor und heuern dazu oft bewaffnete Gruppen an.

"Während bei Olympia in Rio de Janeiro Respekt und Völkerverständigung inszeniert werden, finden in anderen Landesteilen schwere Menschenrechtsverletzungen gegenüber Indigenen statt", so Spiegel. Laut des von MISEREOR unterstützten Rates für indigene Völker (CIMI) der brasilianischen Bischofskonferenz sind seit August 2015 in Mato Grosso do Sul mindestens 25 paramilitärische Angriffe auf die Guarani-Kaiowá zu verzeichnen. CIMI setzt sich in Brasilien für die Verbesserung der Lebenssituation und die Stärkung der politischen Einflussnahme der Indigenen ein. Die Nationalstelle von CIMI erhielt in dieser Woche einen besonderen Beraterstatus im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen in New York.

Papst Franziskus zeigt sich besorgt und kündigt Besuch an

Auch in anderen Bundesstaaten werden Indigene für Agrarflächen oder industrielle Großprojekte vertrieben. Im Bundesstaat Pará plant die Regierung am Amazonaszufluss Tapajós eines der größten Staudammprojekte des Landes, das mehrere Gemeinden des indigenen Volkes der Munduruku bedroht. Papst Franziskus zeigte sich Mitte Juli in einem Schreiben an Dom Wilmar Santin, Bischof in der Prälatur Itaituba in Pará, sehr besorgt: "Ich trage die Situation der indigenen Völker Brasiliens in meinem Herzen, ihr Leiden und ihre Ausgrenzung sind mir bewusst. Daher würde ich gerne einen Besuch in das Herz des Amazonas machen. Ich möchte mit den Männern und Frauen zusammen sein, die selbst von den Brasilianern so oft ignoriert werden."

Die von MISEREOR unterstützte Kommission für Landpastoral CPT in Itaituba begleitet den Widerstand der Lokalbevölkerung gegen die Staudammpläne. Dieser zeigt bereits Wirkung: Immer mehr Energiekonzerne distanzieren sich von Mega-Staudammprojekten, welche den Regenwald und damit den Lebensraum vieler indigener Völker bedrohen.  MISEREOR unterstützt diese Arbeit von Deutschland aus mit einer Petition, die weiterhin unterzeichnet werden kann.

Zurück

Kontakt

Mehr Informationen

Petition gegen den Staudamm am Tapajós

Blog von Stefan Kramer zur Gewalt gegen Indigene in Mato Grosso do Sul

Interview mit CIMI-Generalsekretär Cleber Buzatto (zur freien Verwendung) 


Ich unterstütze MISEREOR
EINMALIG
MONATLICH
36 € 50 € 100 € 330 €  €
Wie Ihre Spende helfen kann: 50 Euro reichen aus, um 100 Straßenkinder in Indien mit Schiefertafeln und Kreide auszustatten.
Spenden per Überweisung:      IBAN DE75 3706 0193 0000 1010 10      BIC GENODED1PAX     Pax-Bank Aachen

Presse-Newsletter