Aachen, 01. August 2016

Im Schatten der Spiele

MISEREOR kritisiert negative Folgen von Olympia in Brasilien

(Aachen, 1. August 2016) Vor Beginn der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro, Brasilien, kritisiert das Werk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR negative Begleiterscheinungen des Mega-Events insbesondere für arme und benachteiligte Bevölkerungsgruppen. "Während der brasilianische Staat nach derzeitigen Schätzungen für Olympia mehr als neun Milliarden Euro selbst aufbringen wird, mangelt es in eklatanter Weise an Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr, ins Bildungs- und Gesundheitswesen und gegen Gewalt und Drogenhandel", kritisiert MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel.

"Die meisten Brasilianer werden den Moment der Olympischen Spiele genießen. Rio, die Stadt des Zuckerhuts, will sich von seiner besten Seite präsentieren und wird ein sympathischer Gastgeber für die Sportler der Welt sein", sagt Spiegel. Es werde wohl ein großartiges Sportfest werden, auch wenn echte Vorfreude auf die Spiele nur schwer auszumachen sei. Viele Brasilianerinnen und Brasilianer sagen, dass sie andere Probleme hätten. Beim Zuschlag für die Olympischen Spiele vor sieben Jahren sei das Land in Feierlaune gewesen; heute durchlebe es eine tiefe politische und wirtschaftliche Krise. Allein im Bundesstaat Rio de Janeiro seien 50 staatliche Schulen seit dem Jahr 2013 geschlossen und gleichzeitig die Kapazitäten der Krankenhäuser immer mehr abgebaut worden. Von den Investitionen in den Öffentlichen Nahverkehr hätten im Wesentlichen Stadtbereiche profitiert, die auf Verbindungsstrecken zu Sportstadien, Flughäfen oder Hotels liegen. In anderen Vierteln drängten sich dagegen weiter Menschen in veralteten und unzulänglichen Bussen und Bahnen.

Standhafter Widerstand gegen Umsiedlung und Vertreibung

Unnachgiebig und manchmal unmenschlich würden Zwangsräumungen und -umsiedlungen in Zusammenhang mit Olympia durchgeführt, um die olympischen Traumwelten durchzusetzen, kritisiert Spiegel. Nach Schätzungen der MISEREOR-Partnerorganisation PACS (Instituto Politicas Alternativas Para o Cone Sul) mussten etwa 70.000 Menschen wegen der Wettkämpfe ihre Häuser verlassen. In der Siedlung "Vila Autódromo" wurden Wohnhäuser von einstmals 680 Familien zugunsten des Olympia-Medienzentrums zum großen Teil abgerissen. Nur einige Standhafte widersetzten sich der Vertreibung, so wie Maria da Penha, die eine deutliche Botschaft an die Stadtregierung hat: "Es ist mein Recht, auf diesem Grundstück zu bleiben, ich liebe es und lasse mich nicht verdrängen." Sie und einige wenige andere Familien haben es geschafft, ihr über zweijähriger Kampf hat sich letztendlich gelohnt: Die Stadtverwaltung baut nun Häuser für sie, fast direkt neben den alten Grundstücken.

Den meisten Familien fehlte die Kraft für solchen Widerstand, sie  wurden vertrieben und nur mangelhaft finanziell entschädigt. Die ihnen als Ersatz angebotenen  Kleinwohnungen befinden sich mitunter 40 Kilometer von ihren früheren Standorten entfernt. Dort fehlt es nicht nur an wichtigen Einrichtungen des täglichen Bedarfs, sondern viele können so kaum noch ihre Arbeitsstellen erreichen. PACS plant auf dem Gelände der "Vila Autódromo" nun ein "Museum der Zwangsräumungen" und hat eine Protestaktion mit dem Titel  "Spiele der Ausgrenzung" mitorganisiert. "Die Zwangsräumungen führen zu Depressionen und anderen Krankheiten und einer Zerstörung gewachsener Sozialstrukturen", klagt Sandra Quintela, Koordinatorin von PACS. "Sie bringen das Leben vieler Betroffener völlig durcheinander."

Luxuswohnungen für die Elite

"Sorge zu tragen und die Verletzlichsten ins Zentrum zu stellen sieht anders aus", erklärt MISEREOR-Chef Pirmin Spiegel. "Sie werden aus Stadtteilen verdrängt, die für Unternehmen und Investoren attraktiv sind." Es sei für einen nachhaltigen und sozialen Frieden nicht förderlich, wenn das Gelände des Olympischen Dorfes demnächst zu Luxuswohnungen ausschließlich für einen privilegierten Teil der Bevölkerung umgebaut würde. In bevorzugten Stadtteilen und an beliebten Stränden seien Menschen schwarzer Hautfarbe, Straßenkinder, Straßenhändler und Obdachlose nicht gerne gesehen, so Spiegel: "Olympische Spiele 2016: Das kann eine Zitterpartie werden."

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