© Hartmut Schwarzbach / argus
Ouagadougou / Brüssel / Aachen, 1. Juni 2016

Gemeinsam für eine verantwortungsvolle Milchpolitik!

Dringender Appell von europäischen und afrikanischen Produzenten an die Politik

(Ouagadougou/Brüssel/Aachen, 1. Juni 2016) Mit einer gemeinsamen Erklärung haben europäische und afrikanische Landwirte am Mittwoch an Politiker beider Kontinente appelliert, sich für faire und verantwortungsvolle Konzepte zur Lösung der Krise am Milchmarkt einzusetzen. "Die EU-Politik muss ein Kriseninstrument installieren, das an der Produktionsmenge ansetzt und für alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union gilt", heißt es in einem Aufruf, der  vom Dachverband europäischer Milcherzeuger "European Milk Board", der Initiative zur Unterstützung von Milchviehhirten in Burkina Faso (PASMEP), der Nationalen Vereinigung der Kleinmolkereien in Burkina Faso (UMPL/B), dem Werk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR und der Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch sowie anderen Gruppierungen unterzeichnet wurde.

Weiter wird in dem Aufruf gefordert: "Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen der EU und Westafrika sollten aktuell nicht abgeschlossen werden, da sie sich negativ auf den westafrikanischen Partner, insbesondere seine lokalen Strukturen, auswirken würden."

Anlass der Erklärung ist neben dem UN-Welttag der Milch am 1. Juni eine aktuell laufende Reise von europäischen Milchbauern nach Burkina Faso, die in Begleitung von MISEREOR und German Watch stattfindet, und bei der sich alle Beteiligten ein Bild machen von den Bedingungen, unter denen in Afrika Milch erzeugt wird.

Burkina Faso: "Wir können uns selbst versorgen"

Marianne Diallo, Milchbäuerin aus Tambolo, einem kleinen Dorf etwa 170 Kilometer von der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou entfernt, erklärte den Besuchern: "Wir können uns selbst mit Milch versorgen. Wir haben eine kleine Molkerei aufgebaut und produzieren hier Milch und Joghurt." Die Bauern aus Tambolo bauen unter anderem Soja, Ackerbohnen und Mais an. Mit dem Einkommen aus dem Milchverkauf ernähren sie ihre Familien und finanzieren den Schulbesuch ihrer Kinder. Ein Drittel der Bevölkerung Burkina Fasos hält Vieh. Durch den starken Import von Milchpulver aus Europa geraten sie jedoch zunehmend in Existenznöte, weil die EU-Produkte im Schnitt um die Hälfte billiger sind als heimische Milcherzeugnisse.

Bauern auf beiden Kontenten geht es schlecht

Die Unterzeichner des genannten Appells rufen daher Deutschland und Europa dringend dazu auf, die hohe Überschussproduktion von Milch in der EU zu stoppen, da diese die Preise weltweit drückten und kontinuierlich bäuerliche Existenzen vernichteten. "Durch die gegenwärtige Politik geht es den Milcherzeugern in Europa und in Afrika schlecht", kritisiert Wilhelm Thees, Fachreferent für ländliche Entwicklung bei MISEREOR.  "In Burkina Faso sind es die Frauen, die Milch produzieren. Wenn diese Einkommensquelle zerstört wird, fällt eine ganze Sozialstruktur zusammen, da die Frauen keine Alternative und somit dann kein Einkommen haben." Johannes Pfaller, Milcherzeuger aus Süddeutschland und einer der Vertreter des European Milk Boards beim Besuch in Burkina Faso, erklärte: "Wir dürfen unsere selbstgemachten Probleme nicht nach Afrika verschieben.  Wer die Entwicklung anderer Länder hemmt, beeinträchtigt seine eigene Entwicklung." Christoph Lutze, Milchbauer aus Norddeutschland, ergänzte: "Seit ich in Afrika bin, ist mir bewusst geworden, wie gefährlich eine auf Exporte fokussierte Politik für die Milcherzeuger hier ist." 

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