Aachen, 15. Juli 2015

Das Milchpulver ist zu billig

MISEREOR fordert Schutz für Bauern in Westafrika. Große Konzerne drängen auf den dortigen Markt.

(Aachen, 15. Juli 2015) Durch die Konkurrenz westlicher Lebensmittelkonzerne geraten nach Erkenntnissen von MISEREOR immer mehr Milchbauern im westlichen Afrika in Existenznöte. Wilhelm Thees, Agrarexperte bei dem Aachener Werk für Entwicklungszusammenarbeit, nannte am Mittwoch als Beispiele hierfür die Geschäftspraktiken der Unternehmen Danone aus Frankreich und Arla aus Dänemark in Burkina Faso. Während Danone dort vor zwei Jahren eine regionale Unternehmensgruppe des Milch- und Saftsektors aufgekauft habe, sondiere Arla derzeit den Markt bezüglich künftiger Aktivitäten. 

Wie René Millogo von der MISEREOR-Partnerorganisation PASMEP (Plate-forme d'Actions à la Sécurisations des Ménages Pastoraux) anlässlich eines Besuchs bei MISEREOR in Aachen berichtete, besteht das größte Problem darin, dass die europäischen Firmen insbesondere Milchpulver in Burkina Faso zu einem weit niedrigeren Preis vertreiben können, als es heimischen Erzeugern möglich ist, ihre Milch zu produzieren. PASMEP unterstützt nomadisch lebende Viehhirten, sogenannte Pastoralisten. Insbesondere deren Frauen seien auf den Verkauf der Milch als Einnahmequelle angewiesen. Wenn, wie derzeit zu beobachten, europäisches Trockenmilchpulver für 34 Cent vertrieben wird, könnten die örtlichen Hersteller nicht mehr kostendeckend produzieren und würden vom Markt verdrängt. "Die Folgen sind sehr vielschichtig", erläuterte Thees. "Durch diese Situation verlieren viele Viehhirten die Grundlage, um mit ihrer Arbeit ihr Einkommen zu sichern. Familien bangen dadurch um ihre Ernährungssicherheit, und vor allem jungen Menschen fehlt es an geeigneten Zukunftsperspektiven." Letztlich, so Thees, seien die nomadischen Viehhirten in Burkina Faso ein gutes Beispiel dafür, wie sich durch eine immer ausweglosere ökonomische Situation Menschen radikalisieren oder zur Flucht veranlasst sehen könnten - auch über das Mittelmeer nach Europa.

Ein Drittel lebt von der Tierhaltung

In Burkina Faso lebt etwa ein Drittel  der Bevölkerung  von der Tierhaltung. Zunehmende Konflikte um das von den Viehhirten genutzte Land, wachsende Probleme mit durch den Klimawandel verschärfter Trockenheit sowie eine weitere Landflucht und Urbanisierung machten die Gesamtsituation besonders schwierig, sagte Thees. "Der Verband der Kleinmolkereien in Burkina Faso betrachtet den Wegfall der Milchquote und den damit einhergehenden Preisverfall am europäischen Milchmarkt mit Sorge. Die Kleinmolkereien haben vor einigen Jahren schon einmal die bittere Erfahrung des billigen Milchpulvers aus der EU machen müssen. Auch damals wurde zu viel Milch in Europa produziert, und viele Menschen haben dagegen öffentlich protestiert. Wir befürchten, dass sich in naher Zukunft die ökonomische Lage der Hirtenfamilien durch eine erneute Erhöhung der Milchproduktion in Europa weiter verschlechtert. Gleichzeitig zeigt sich der Verband der Kleinmolkereien in Burkina Faso solidarisch und betroffen über die schwierige Lage der vielen bäuerlichen Familienbetriebe, die auch in Europa unter der derzeitigen Lage am Milchmarkt leiden", sagte Thees.

Mehr Schutz und Förderung gefordert

MISEREOR schließt sich den Forderungen der Pastoralistenverbände an, die dafür eintreten, dass in Burkina Faso, aber auch in anderen westafrikanischen Staaten der Milchsektor nicht nur besser geschützt, sondern auch bei der Förderung gleichbehandelt wird. Die Verbände zeigen sich überzeugt, dass sie den Markt mit Milch  in guter Qualität und zu akzeptablen Preisen versorgen könnten. Sie fordern die Regierung auf, 25 Prozent der Gelder, die heute für den Import von Milchprodukten ausgegeben werden, in die Förderung der heimischen Milchwirtschaft zu investieren. Zudem, so Thees, benötigten die Viehhirten in Burkina Faso eine bessere Infrastruktur, um mit leistungsfähigeren Straßen und zusätzlichen Milchsammelplätzen ihre Produkte professioneller vermarkten zu können.

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