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      Geflüchtete treiben auf den offenen Meer
      © Picture Alliance
      Aachen, 17. Juni 2021

      Weltflüchtlingstag 2021

      Corona-Folgen verschärfen Flüchtlingsleid

      (Aachen, 17. Juni 2021). Der Weltflüchtlingstag 2021 fällt in eine Zeit, in der sich politische und wirtschaftliche Krisen verschärfen und zugleich menschliche Mobilität aufgrund von COVID 19 weltweit so eingeschränkt ist, wie nie zuvor. Seit Monaten berichten MISEREOR- Partnerorganisationen entlang der Küste von West- und Nordafrika von den Versuchen die geschlossenen Land-Grenzen auf dem Meer zu umgehen.  In anderen Regionen, wie im Nordirak verzweifeln Menschen in Flüchtlingscamps an der schlechten Versorgung und Angst vor Ansteckung mit dem Corona-Virus durch mangelnde Hygiene und Abstandsmöglichkeiten. „Fluchtrouten haben sich verändert und sind gefährlicher geworden, Landesgrenzen sind geschlossen. Menschen, die Umwege und hunderte Kilometer über den Atlantik zurücklegen, kommen auf den Kanarischen Inseln an. Es spielen sich menschliche Dramen ab, die Zahl der Toten steigt im Vorjahresvergleich“, sagt MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon.“

      In der Wüste von Mauretanien werden immer wieder Menschen aufgegriffen, die sich völlig erschöpft und ausgezehrt auf dem Weg nach Norden verirren. Ungezählte verdursten namenlos im Wüstensand.  Andere kentern mit ihren Booten im Atlantik und können nur tot geborgen werden. „Allein für seine Region berichtet ein MISEREOR-Partner aus Nord-Mauretanien von 450 Toten oder Vermissten, die die Überfahrt nicht überlebt haben. COVID 19 heizt wirtschaftliche Krisen und die Verschuldung von Ländern an und verschärft so Armut und gesellschaftliche Ungerechtigkeit. Dies schürt wiederum Konflikte und wird mittelbar zu mehr Flucht führen - weltweit“, erklärt Bröckelmann-Simon.

      Der MISEREOR-Geschäftsführer sieht daher diejenigen Länder in der Pflicht, die aufgrund ihrer Ressourcen besser durch die Krise kommen: „COVID 19 ist eine globale Herausforderung. Während in Europa Lockerungen der Corona-Beschränkungen und Impfungen zunehmen, muss es weltweit mehr Anstrengungen geben, für gerechte Verteilung von Impfstoff und Strukturen und längerfristigen Gesundheitsschutz in ärmeren Ländern im Globalen Süden zu sorgen. Wir müssen in diesem Bereich mehr für besonders benachteiligte Menschen und Schutzbedürftige tun“, so Bröckelmann-Simon

      Solidarität und Verantwortung endet nicht an Grenzen – die Corona-Krise zeigt einmal mehr, dass Europa keine Insel ist.

      Der Flüchtlingsschutz sei bereits in den letzten Jahren vor der Pandemie massiv unter Druck geraten. „Die Corona-Pandemie darf nun nicht als Vorwand dienen, diesen Trend fortzusetzen. Gesundheitsschutz und Schutz von Flüchtenden dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden“, so der MISEREOR-Geschäftsführer. Die europäischen Regierungen müssen jetzt zusätzliche kontinuierliche und sichere Zugänge nach Europa schaffen, etwa in einer Allianz der humanitären Aufnahme mit mehr Kontingentplätzen, wie sie auch die US-amerikanische Regierung plant, und Botschaftsverfahren vor Ort, die schon im Herkunftsland eine Entscheidung zum Schutzstatus Betroffener treffen. Beides schlägt gerade auch die von der Bundesregierung beauftragte Kommission Fluchtursachen vor.

      „Solidarität und Verantwortung für andere haben wir jetzt in der Zeit der Pandemie in unserer Gesellschaft als geradezu überlebenswichtigen Wert noch einmal neu lernen können und müssen. Solidarität und Verantwortung enden aber weder an den Grenzen eines Landes, noch an denen eines Kontinents, daher muss uns der Schutz von Flüchtenden und der globale Gesundheitsschutz gerade in diesen Zeiten eine Verpflichtung sein – nur gemeinsam kann die Menschheit die aktuellen Krisen bewältigen, oder gar nicht“, erklärt Bröckelmann-Simon.

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