Wahlen in Simbabwe
Aachen/Berlin 7. August 2018

Simbabwe: Ein "Weiter So" darf es nicht geben

MISEREOR-Partner: Hohe Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen führt in eine Katastrophe


(Aachen/Berlin 7. August 2018) Nach den Wahlen in Simbabwe appelliert das Werk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR an die deutsche Bundesregierung, der neu gewählten Regierung deutlich zu machen, dass es eine Fortführung der Politik wie unter Machthaber Mugabe nicht geben darf. Die Korruption müsse bekämpft und ein politischer Heilungsprozess eingeleitet werden.

Die Bevölkerung in Simbabwe verdient Wertschätzung für den überaus friedlichen Wahlkampf. Doch nach den bedauerlichen Eskalationen im Anschluss an die Wahl und das für viele unbefriedigende Wahlergebnis muss jetzt dringend ein Heilungs- und Versöhnungsprozess im Land eingeleitet werden“, erklärt Robert Christopher Ndluvo. Er ist Erzbischof von Harare und MISEREOR-Projektpartner der „Kommission für Gerechtigkeit und Frieden“. Diese setzte während des Wahlkampfes und der Wahl mehr als 800 einheimische Beobachterinnen und Beobachter ein. „Die politischen Spaltungen im Land sind real und können nicht einfach weggewischt werden“, so der Erzbischof weiter. Es bestehe nun die Notwendigkeit, dass die beiden stärksten politischen Parteien zusammenkommen und gemeinsam diskutieren, wie das Land nach vorne gebracht werden kann. „Wenn nötig, muss eine Regierung der Nationalen Einheit gebildet werden.“

Korruption bekämpfen

Die neue Regierung müsse zudem das Problem der darniederliegenden Wirtschaft angehen, fordert Ndlovu. „So lange wir Millionen Menschen haben, die unter Armut leiden, werden wir keine Stabilität im Land erreichen. Die Massen von arbeitslosen jungen Leuten, die sich ziellos in den Straßen herumtreiben, sind ein Rezept für eine Katastrophe!“ Um die Ökonomie wiederzubeleben, müsse unter anderem dringend die Korruption bekämpft werden, die endemisch in der Gesellschaft geworden sei. „Die Schuldigen müssen gefasst und ohne Angst und Bevorzugung verurteilt werden.“ Erzbischof Ndlovu setzt Hoffnung in die internationale Gemeinschaft: „Sie wird ihren Teil beitragen und Simbabwe nicht ins Chaos schlittern lassen.“

Appell an Bundesregierung

„Die deutsche Bundesregierung, aber auch politische Gemeinschaften wie die Afrikanische Union und die Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrikas müssen sich jetzt intensiv in Simbabwe engagieren“, bekräftigt Hughlene Fortune, Regionalreferentin für Simbabwe und Südafrika bei MISEREOR. „Sie alle müssen der neuen Regierung unter Emmerson Mnangagwa klar machen: Ein ‚Weiter so‘ wie bisher darf es nicht geben.“

MISEREOR unterstützt in Simbabwe unter anderem das parlamentarische Verbindungsbüro der Katholischen Bischofskonferenz, deren Präsident Erzbischof Ndlovu ist. Durch den Dialog mit der Regierung und Parlamentsmitgliedern setzt man sich hier für eine gemeinwohlorientierte Politik und die Rechte von marginalisierten Bevölkerungsgruppen ein. Ganz aktuell wird zusätzlich ein Programm der nationalen „Kommission für Gerechtigkeit und Frieden“ zur Beobachtung und Nachbereitung der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen unterstützt. Im Rahmen des Programms konnten 800 unabhängige Wahl-Beobachterinnen und -Beobachter ausgebildet werden. Insgesamt unterstützt MISEREOR in Simbabwe derzeit 34 Projekte mit einer Fördersumme von 5,8 Millionen Euro.

Ein Interview mit Erzbischof Robert Christopher Ndluvo finden Sie in unserem MISEREOR-Blog.

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