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      Aachen, 09.08.2019

      MISEREOR zu den Äußerungen von Clemens Tönnies

      Zu den Diskussionen und Reaktionen rund um Äußerungen des Aufsichtsratsvorsitzenden von Schalke 04, Clemens Tönnies, über Afrika erklärt Martin Bröckelmann-Simon, Geschäftsführer von MISEREOR:

      "Herrn Tönnies‘ Aussagen über "die Afrikaner" sind zweifellos von rassistischen Stereotypen geprägt. Von manchen sind dennoch derzeit Hinweise zu hören, er habe aber Sachverhalte angesprochen, die tatsächlich reale Herausforderungen in Afrika seien. Dazu gehören auch diesbezügliche Aussagen des Afrikabeauftragten der Bundesregierung, Günter Nooke. Relativierungen dieser Art sind inakzeptabel. Herr Tönnies hat mitnichten reale Probleme angesprochen, sondern einfältige, aber offenbar sehr verbreitete Kausalketten konstruiert, die genau diese Probleme Afrikas und ihre Ursachen verschleiern statt sie ernsthaft zum Thema zu machen. Das hat Afrika, vor allem aber die dort lebenden Menschen, nicht verdient.

      Ja, der zentralafrikanische Regenwald ist der zweitgrößte der Welt nach Amazonien, und er schwindet auch hier rapide - aber nicht wegen fehlender Kraftwerke, sondern wegen anhaltendem Holzeinschlag, insbesondere für den europäischen Markt, wegen vordringender Plantagenwirtschaft, erneut für den europäischen Markt und wegen der Ausbeutung von Rohstoffvorkommen - für wen auch hier, Sie ahnen es: den europäischen Markt. Bei dem ausgestreckten Zeigefinger auf die als dumm dargestellten Afrikaner weisen die übrigen vier Finger dieser Hand massiv auf den Absender dieser Botschaft - fassen wir uns also getrost an unsere arrogante eigene Nase!

      Ebenso unerträglich ist es, die komplexe Frage des Bevölkerungswachstums in Afrika auf die angebliche Triebhaftigkeit seiner Bewohnerinnen und Bewohner zurückzuführen, die Licht brauchen, damit sie nicht permanent übereinander herfallen. Jeder Kenner Afrikas weiß (oder sollte wissen!), dass die Geburtenzahlen der Frauen überall auf der Welt zentral vom Stand ihrer Rechte, ihren Zugängen zu Bildung, Informationen über Möglichkeiten der Familienplanung, und funktionierende Gesundheitsversorgung sowie ihrer ökonomischen Lage abhängen. Nur durch wachsende Einkommen, gebildete und selbstbewusste Mädchen und Frauen und  staatliche Grunddienste in verantwortungsvoll regierten Staaten ergeben sich sinkende Kinderzahlen - das sollten wir in Europa eigentlich aus eigener Erfahrung wissen.

      Und schließlich: gemessen an unserem stetig steigenden Pro-Kopf-Verbrauch der Ressourcen dieser Erde belasten gerade wir hier unser globales Ökosystem ungleich viel mehr als die Afrikanerinnen und Afrikaner - auch das gehört auf den Tisch, wenn wir wirklich ernsthaft über Überbevölkerung auf dem Globus reden wollen!"

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