Aachen, 15. Juni 2018

MISEREOR trauert um seinen früheren Geschäftsführer Dr. Ulrich Koch

Eine prägende Gestalt der ersten Stunde

MISEREOR trauert um seinen langjährigen Geschäftsführer Dr. Ulrich Koch, der im Alter von 88 Jahren gestorben ist. Er war von 1959 bis 1995 für das in Aachen beheimatete Werk für Entwicklungszusammenarbeit tätig, davon ab 1974 als Geschäftsführer und Leiter der Abteilung "Projekte".

"Ulrich Koch hat MISEREOR seit seiner Gründung maßgeblich mitgestaltet  und die Grundsätze der kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit entscheidend geprägt", würdigt MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel den Verstorbenen. "Wir gedenken seiner im Gebet und trauern mit seiner Familie um einen Menschen, dem MISEREOR und seine Partner in der Weltkirche viele wichtige Impulse zu verdanken haben."
Koch gehörte zu den ersten sieben Mitarbeitern MISEREORs, die 1959 in Aachen die Arbeit aufnahmen. In den ersten drei Jahren arbeitete der gelernte Diplom-Kaufmann als Länderreferent für Süd- und Ostafrika, von 1962 bis 1967 als Referatsleiter für Lateinamerika und von 1967 bis 1974 als Grundsatzreferent. Ab 1974 leitete er den gesamten Bereich der Internationalen Zusammenarbeit des Aachener Werks. Koch war Mitglied in der Deutschen Kommission "Justitia et Pax" und auch noch im Ruhestand im Beirat von MISEREOR.

Pionier der Hilfe zur Selbsthilfe

Koch hat sich stets dafür eingesetzt, dass kirchliche Entwicklungszusammenarbeit Hilfe zur Selbsthilfe ist, die nicht nur die Symptome von Armut bekämpft, sondern auch ihre Ursachen. Als Koch 1978 das Bundesverdienstkreuz erhielt, hieß es in der Laudatio durch den damaligen Bundespräsidenten Walter Scheel unter anderem: "Herr Dr. Koch hat – oft gegen den Wiederstand der im Traditionellen Verhafteten – diese Grundsätze in der Arbeit umgesetzt. Er hat die Mitarbeiter und Antragsteller zu überzeugen und zu ermutigen gewusst, wie die Probleme langfristig durch Gründung von Selbsthilfebewegungen, Genossenschaften, ländlichen Gewerkschaften, die Einrichtung von ländlichen Beratungsdiensten, Slum-Sanierungsaktionen, Schaffung von Gesundheitsdiensten und Kapitalbeschaffungsmaßnahmen angegangen werden müssten."

Vorbild für andere Hilfswerke

Das daraus in der täglichen Arbeitspraxis erwachsene Modell der kirchlichen Entwicklungsarbeit, so heißt es in der Würdigung weiter, "wurde zum Vorbild für die Arbeit anderer kirchlicher – evangelischer wie katholischer – Hilfswerke in Westeuropa und Nordamerika".  Der frühere MISEREOR-Pressechef Johannes Hermanns schrieb 1995  zu Kochs Eintritt in den Ruhestand, dass "der Staat die Kirche als kompetenten Partner in der Entwicklungszusammenarbeit schätzt, ist zu einem nicht geringen Teil auch Kochs Verdienst". Der Verstorbene sei ein Mann gewesen, "der geduldig zuhörte, ehe er seinen Gesprächspartner von der Notwendigkeit einer anderen Entscheidung überzeugte.
Laute Töne lagen ihm nicht, Selbstdarstellung war ihm verhasst."

Koch ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen zu grundsätzlichen Themen der Entwicklungszusammenarbeit, darunter die Beiträge "Entwicklungspolitik am Scheideweg" und "Den Hunger beenden".

MISEREOR wird sich des Verstorbenen stets in Dankbarkeit erinnern.

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