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      Menschen warten in einer Schlange auf Essen
      In der Corona-Krise trifft es Straßenkinder und Tagelöhner besonders hart: Die MISEREOR-Partnerorganisation Butterflies gibt täglich bis zu 700 Mahlzeiten aus. © Butterflies
      Aachen, 28. Januar 2021

      MISEREOR: Corona heizt Konflikte an

      (Aachen, 28. Januar 2021) Die Corona-Pandemie verstärkt in zahlreichen Ländern der Welt Gewalt und Menschenrechtsverletzungen. Darauf macht das katholische Werk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR aufmerksam.

      Nach Angaben von Thomas Kuller, Fachreferent für Friedensförderung und Konflikttransformation bei MISEREOR, nutzen einige Regierungen die Krisensituation und die zurückgegangene internationale Aufmerksamkeit für Repressionen vor allem gegen Minderheiten. So sei es in Indien und Sri Lanka zu Gewalt gegen Bürgerinnen und Bürger muslimischen Glaubens gekommen. Auch Übergriffe gegen die Bevölkerungsgruppe der Dalits hätten zuletzt zugenommen. „Corona befeuert Konflikte insbesondere dadurch, dass in der Pandemie-Situation auch verstärkt die Frage nach Gerechtigkeit gestellt wird“, betont Kuller. „Wer wird vor dem Virus gut geschützt, und wer nicht?“ Die Folgen von Corona-Lockdowns bekämen in verstärktem Maße marginalisierte und verarmte Bevölkerungsgruppen zu spüren – in Form von Hunger, Arbeitslosigkeit, mangelnden Bildungsmöglichkeiten und unzureichendem Zugang zur Gesundheitsversorgung.

      Demokratische Rechte in Gefahr
      In der Pandemie seien auch zunehmend demokratische Rechte bedroht. So betrachten die Vereinten Nationen Pläne der indischen Regierung mit Sorge, Umweltverträglichkeitsprüfungen künftig auch ohne die öffentliche Anhörung der Bevölkerung umzusetzen. Auch aus Indonesien berichtet Länderreferentin Christine Kögel von einem verabschiedeten Gesetzespaket, das u. a. den Abbau von Arbeitnehmerrechten und Umweltstandards zur Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen vorsieht.

      Zur derzeitigen Corona-Lage stehen MISEREOR-Fachleute in ständigem direktem Austausch mit ihren Partnerorganisationen. Deren Berichten zufolge hat die Pandemie in Asien und Ozeanien große Auswirkungen im wirtschaftlichen Bereich. Laut der MISEREOR-Länderreferentin Corinna Broeckmann sind zum Beispiel in Myanmar mit seinen 53,6 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern 81 Prozent der Bürgerinnen und Bürger im informellen Sektor tätig, haben also keinen vertraglich gesicherten Arbeitsplatz. Aufgrund von Fabrik- und Firmenschließungen sowie strikten Lockdown-Einschränkungen hätten Millionen Menschen in dem Land ihre Jobs verloren – von der Hausangestellten und dem Wanderarbeitnehmer bis zum Taxi-Fahrer und der Straßenverkäuferin. Da die Regierung Myanmars die sozialen Krisen-Folgen nur zu einem kleinen Teil ausgleiche, häuften sich Berichte über Familien, die weniger Mahlzeiten als gewohnt zur Verfügung hätten oder sich kritisch verschulden müssten.

      Systemische Krisen verschärft im Blickfeld
      Ähnliches berichtet Kesuma Saddak, Länderreferentin für Sri Lanka: „Insbesondere die Menschen, die im informellen Sektor (z.B. Rikschafahrer, Gemüse und Fischverkäufer) arbeiten, waren und sind von den Lockdowns immens betroffen. Die meisten sind Tagelöhner, deren Einkommen von heute auf morgen ausgeblieben ist. Der Staat hat nur einen kleinen Betrag zur Unterstützung dieser Menschen in Höhe von etwa 300 US-Dollar pro Familie für etwa zwei Wochen im Monat ausgezahlt, dies reicht kaum für den Kauf von Lebensmitteln für eine Familie (durchschnittlich sechs Personen) für eine Woche aus. Zudem leben insbesondere die Armen in den Städten auf engstem Raum mit wenig Möglichkeiten für ‚social distancing‘ und Hygienemaßnahmen.“

      Auf den Fidschi-Inseln haben 16 Prozent der Bevölkerung ihre Arbeit verloren. Besonders die Einwohnerinnen und Einwohner mit geringen Einkommen trifft die Pandemie hart – zumal die Regierung die Menschen dazu auffordert, auf ihre Pensions-Rücklagen zurückzugreifen und ein Gesetz erlassen hat, das es Unternehmen erleichtert, Beschäftigten zu kündigen.

      „Wir stellen fest, dass die Corona-Pandemie andere schwere Krisen etwa der Sozialsysteme, der ökologischen Belastungen, aber auch der Demokratie verschärft zum Vorschein bringt“, betont Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von MISEREOR. „Wir erkennen in diesen Entwicklungen umso mehr die dringende Notwendigkeit zur Transformation wesentlicher Bereiche unseres Lebens und Wirtschaftens und eines koordinierten und ganzheitlichen Angehens der genannten Problemfelder. Es ist höchste Zeit, neben der Bekämpfung der Virus-Krise grundlegende systemische Veränderungen mit größerer Entschlossenheit voranzutreiben.“

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