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      © Schwarzbach / MISEREOR
      Aachen, 10. Juni 2021

      Kinderarbeit steigt an, besonders bei den jüngsten

      (Aachen, 10. Juni.2021) Zum Internationalen Tag gegen Kinderarbeit am kommenden Samstag befürchtet MISEREOR, dass eine ganze Generation von Kindern auf die Verliererstraße geraten könnte. Die Vereinten Nationen haben 2021 zum Jahr der Abschaffung der Kinderarbeit ernannt, doch neueste Zahlen zeigen, dass die Zahl von Kindern in ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen um weitere 8,6 Millionen gewachsen ist. Besonders betroffen sind die Jüngsten zwischen fünf und elf Jahren.

      Im Jahr 2015 bei der Festlegung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung, den Sustainable Development Goals (SDGs), einigte sich die Weltgemeinschaft mit dem SDG Nummer 8 darauf, ab 2030 menschenwürdige Arbeit für jeden Menschen auf der Erde zu garantieren. Im Jahr 2021, das die UN offiziell als Jahr der Abschaffung von ausbeuterischer Kinderarbeit nennen, sollte dieser Kampf entschlossen vorangetrieben werden. Jedoch werden diese Erwartungen nicht erfüllt werden können. „Schon jetzt hat die Staatengemeinschaft ihr Ziel auf 2025 verschoben. Wie so oft werden Ziele einfach nach hinten geschoben, wenn sie nicht eingehalten werden können. Vor Beginn der Pandemie waren rund 152 Millionen Kinder von Kinderarbeit betroffen, im Jahr 2000 waren es noch 220 Millionen. Doch nach guten Fortschritten in den ersten 2000er Jahren stagnierten zuletzt die Zahlen. Die neuesten Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation zählen 160 Millionen arbeitende Kinder, also jedes zehnte Kind auf der Welt“, so Thomas Antkowiak, Geschäftsführer von MISEREOR. 

      Während es in Asien, im pazifischen Raum und in Lateinamerika erneut etwas bessere Zahlen gibt, hat sich die Situation rund um Kinderarbeit in Afrika südlich der Sahara weiter verschlechtert. In afrikanischen Ländern arbeiten inzwischen mehr Kinder als in allen anderen Ländern der Welt zusammengerechnet. Zwar hat sich hinsichtlich der Kinderarbeit der Trend für 12 bis 15-Jährige und 16 bis 18-Jährige etwas verbessert, aber gleichzeitig steigt die Zahl der arbeitenden Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren im Vergleich zum Jahr 2016 um 16,8 Millionen. Antkowiak befürchtet: „Wir laufen Gefahr, diese Generation von Kindern zu verlieren.“

      Durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Schulschließungen auf der ganzen Welt wurde der Zugang zu umfassender Schulbildung maßgeblich erschwert. Verschiedene MISEREOR-Partnerorganisationen aus Indien berichten, dass Kinder Gefahr laufen, nicht mehr in die Schule gehen zu können und arbeiten zu müssen – meist im informellen Sektor, in dem Arbeitsrechte kaum umgesetzt werden. Jenen Kindern, die bereits arbeiten, droht demnach, länger und unter weiter sich verschlechternden Bedingungen zu arbeiten. „Ein Ende der Pandemie wird leider nicht direkt zu einer Verbesserung der Situation führen, da viele Eltern es sich nicht mehr leisten können, ihre Kinder zur Schule zu schicken.“, folgert Antkowiak.

      Kinderarbeit ist nicht gleich Kinderarbeit

      Es gibt viele verschiedene Formen von Kinderarbeit, sie müssen aus Sicht von MISEREOR differenziert betrachtet werden. In der Landwirtschaft beispielsweise findet mit 70 Prozent die meiste Ausbeutung von Kindern statt. Gemeint ist damit nicht, wenn Kinder auf dem Hof der Eltern bei der Ernte helfen oder einzelne Aufgaben erledigen. Wird aber wenig Rücksicht auf das Alter der Kinder und die Arbeitszeit genommen oder werden Arbeitsschutzauflagen vernachlässigt, ist Kinderarbeit nicht akzeptabel. Das gilt auch, wenn Kinder wegen ihrer Arbeit nicht zur Schule gehen können.

      Fairer Handel als Ausweg aus der Kinderarbeit

      Wenn Kinder ausgebeutet werden, sind meistens auch ihre Eltern Opfer von Ausbeutung. Sie wissen sich keinen anderen Rat, als ihre Kinder zur Mitarbeit aufzufordern, denn ein verlässliches und angemessenes Einkommen erhalten sie nur selten.

      MISEREOR fordert deshalb, vor allem präventiv gegen Kinderarbeit vorzugehen. Antkowiak betont: „Wir müssen den Konsum und die Wirtschaft nachhaltig so verändern, dass erwachsene Arbeiter*innen gerecht für ihre Leistungen bezahlt werden und ihren Kindern so ein Schulausbildung finanzieren können. Dann müssen Kinder nicht mehr in unangemessenen Arbeitsverhältnissen schuften und können stattdessen zur Schule gehen.“

      Die wahren Kosten der Kinderarbeit

      Ausbeuterische Kinderarbeit hat nicht nur viele negative Folgen für die betroffenen Kinder und ihre Familien, sondern auch für die wirtschaftliche Entwicklung des jeweiligen Landes. Mit Blick auf die globale Kinderarbeit schätzt die TU Delft den volkswirtschaftlichen Schaden pro Kind und Jahr auf mindestens 80.000 Euro, da dem Staat durch die fehlende Schulbildung und mangelnde Gesundheit Fachkräfte für die Zukunft fehlen werden.

      Zudem müssen die tatsächlich entstehenden Kosten bei Erzeugung und Vermarktung von Lebensmitteln nach Ansicht von MISEREOR von Handelsunternehmen getragen werden. Das Werk für Entwicklungszusammenarbeit setzt sich mit anderen Organisationen in der sogenannten „True-Cost-Initiative“ dafür ein, dass in den von Supermärkten aufgerufenen  Preisen auch alle sozialen und ökologischen Kosten von Produkten einberechnet werden. Nachhaltige Produkte sollen die günstigsten werden.

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