Je später der Abend, desto angespannter die Stimmung. Bald nach Einbruch der Dunkelheit suchen die Menschen ihre Häuser auf und verriegeln die Türen, da dann die Maras die Kontrolle übernehmen.
Je später der Abend, desto angespannter die Stimmung. Bald nach Einbruch der Dunkelheit suchen die Menschen ihre Häuser auf und verriegeln die Türen, da dann die Maras die Kontrolle übernehmen. Armenviertel Lomas de Santa Faz, Zona 18, Guatemala Stadt, Guatemala; Foto: Florian Kopp© Florian Kopp / Misereor
Aachen, 08. Dezember 2015

Hunderttausende sind Opfer von Gewalt und Vertreibung in Mittelamerika

Am Tag der Menschenrechte fordert MISEREOR Maßnahmen gegen Jugendkriminalität

(Aachen, 08.Dezember 2015) Mehr als eine halbe Million Menschen in Zentralamerika sind laut UNO Binnenvertriebene in ihrem eigenen Land, weil sie durch kriminelle Jugendbanden bedroht wurden. Tausende haben im Ausland Schutz gesucht. Zum Tag der Menschenrechte am Donnerstag kritisiert MISEREOR das als unhaltbar. "Die Folgen der Jugendgewalt gehen viel weiter als bisher bekannt. Gewalt, Erpressung, Mord und Vergewaltigung zwingen Hunderttausende in Mittelamerika zur Flucht. Massive Menschenrechtsverletzungen führen zu einer Vertreibung wie sie seit Ende der Bürgerkriege nicht mehr da gewesen ist," betonte Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer des katholischen Werks für Entwicklungszusammenarbeit.

"Kriminelle Banden haben in vielen Vierteln, Städten und Gemeinden die Kontrolle übernommen und operieren in völliger Straffreiheit. Die Staaten kommen ihren Schutzpflichten nicht nach", so Pirmin Spiegel. "Weil das Recht auf Unversehrtheit, auf Schutz der Familie, auf Bildung und Bewegungsfreiheit nicht garantiert ist, verlassen  Hunderttausende ihren Wohnort oder suchen im Ausland Zuflucht. Häufig geht der Weg in die USA.  Dabei werden die Betroffenen immer wieder Opfer von Gewaltverbrechen. In den USA selbst werden sie in der Regel als Armutsmigranten eingestuft und als Illegale abgeschoben. Das ist ein Beispiel dafür, dass Fluchtgründe nicht differenziert werden und der Begriff Wirtschaftsmigrant der Not dieser Menschen nicht gerecht wird."

Große Gefahr auch für Ehrenamtliche und Angestellte von MISEREOR-Partnern

Die Partnerorganisationen von MISEREOR in Honduras und El Salvador erleben tagtäglich massiv die Bedrohungslage der Zivilbevölkerung. Ihre Angestellten berichten von Morden an Familienangehörigen und Ehrenamtlichen, von Entführungen und von gewalttätigen Übergriffen während der Arbeit in den Gemeinden. Mit Unterstützung von MISEREOR setzen sie sich weiterhin  dafür ein, dass sich die Menschenrechtssituation verbessert und stehen denjenigen bei, die mittellos sind und nicht fliehen können.

Die Ursachen der Gewaltspirale mit Präventionsprojekten durchbrechen

"Die so genannten Maras in Mittelamerika, die Jugendbanden, sind ein Sammelbecken für junge Menschen, die nichts anderes als strukturelle Armut, Hunger und Perspektivlosigkeit kennen. Die Mara wird zum Familienersatz. Gewalt und der Krieg gegen die rivalisierende Bande ist der Lebensinhalt. Um diese Spirale zu durchbrechen, müssen mehr Präventionsmaßnahmen in den Vierteln und Resozialisierungsprogrammen in den Gefängnissen durchgeführt werden," so Pirmin Spiegel. Bislang reagierten die Staaten mit Gegengewalt, ohne die Situation in den völlig überbelegten Gefängnissen zu verbessern. Gleichzeitig müssten sie ihr Justizwesen stärken, um das Problem der Straffreiheit in den Griff zu bekommen.

MISEREOR unterstützt Partner darin, sowohl diese Staatenpflichten einzufordern als auch in der sozialen Arbeit mit den kriminalisierten Jugendlichen. Gleichzeitig werden Rückkehrer beraten, die sich aufgrund der Bedrohungslage häufig nicht wieder in ihren Stadtvierteln und Dörfern niederlassen können.

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Kontakt

Mehr Informationen

Mitarbeiter von MISEREOR-Partnern vor Ort stehen für Interviews in Spanisch und Englisch zur Verfügung.

Vermittlung von anonymisierten Gesprächen mit Betroffenen auf Spanisch sind vermittelbar. 

Für Interviewanfragen auch mit unserer Länderreferentin Hanna Cornelius wenden Sie sich bitte an die Pressestelle Berlin.



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