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      Aachen, 24. Januar 2022

      Geschäftsführer Spiegel: Spirituell ausgebrannt

      Nach der Veröffentlichung eines Gutachtens zu sexualisierter Gewalt im Erzbistum München in der vergangenen Woche nimmt Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer des katholischen Werks für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR, in einer persönlichen Erklärung Stellung zu den Ereignissen:

      Ich glaube …

      „Wir leben in Zeiten großer gesellschaftlicher Veränderungen. Im Dialog mit Anderen sind wir überzeugt, die Tragfähigkeit christlichen Glaubens und den Transfer seines befreienden und heilenden Potentials in lokale und globale Prozesse einbringen zu können. Diese ethische Stimme und befreiende Praxis können ein wichtiger Beitrag sein für eine andere notwendige Welt, und ich hoffe, sie sind es.

      Der Name unseres Werkes MISEREOR beinhaltet die Option an der Seite der Armen und Anderen, an der Seite der Natur und eines auch in Zukunft bewohnbaren Planeten Erde, den wir ökologisch geplündert, sozial zerrissen und spirituell ausgebrannt wahrnehmen.

      Spirituell ausgebrannt nehme ich auch einen Teil unserer Kirche wahr. Zu ihrer zentralen Aufgabe gehört, die Stimme von Ausgeschlossenen und Verletzten zu hören, sich von ihnen her zu bewegen und Selbstbezogenheit zu überwinden. Ich bin überzeugt von dem Gedanken Adornos, der sagt, dass „das Bedürfnis, Leiden beredt werden zu lassen, die Bedingung aller Wahrheit ist“. Leiden und Skandale des sexuellen, geistlichen und psychologischen Missbrauchs und die dahinter liegenden Missstände. Es geht um Gerechtigkeit für die Betroffenen.

      Die ethischen Kriterien, die uns eingeschrieben sind, gelten ebenso und gerade für die Institution der Kirche selbst, anders wäre das nicht kohärent. Tragfähigkeit und Motivation christlicher Option zeigen sich dort, wo Menschen Gefängnis riskieren, Kirchenasyl praktizieren, für eine größere Gerechtigkeit eintreten, Menschenrechte verteidigen und für einen zukunftsfähigen Planeten streiten. Mit Wegsehen und Weghören anstatt Hinsehen und Hinhören, mit Vertuschen und Verheimlichen anstatt Transparenz und Offenheit tun wir uns schwer, weil Gewaltverhältnisse verschleiert und geleugnet und Kommunikation verzerrt werden. Bei MISEREOR werden wir die Präventionsarbeit weiterführen und weiterentwickeln.

      Was in der Kirche geschieht, geht mir und den Mitarbeitenden bei MISEREOR unter die Haut, irritiert und schmerzt. Wenn ich bete und sage „Ich glaube“, will ich weiterhin frei sein für Andere und auf Tuchfühlung mit den Armen.“

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      Ein Bild von Pirmin Spiegel finden Sie hier zum Download. © MISEREOR