Bonn, 05. November 2017

"Es wird nicht das letzte Boot sein"

(Bonn, 05. November 2017) Vor rund eineinhalb Jahren hat das Erzbistum Köln ein Flüchtlingsboot nach Köln geholt, um auf die Not von Menschen auf der Flucht aufmerksam zu machen. Am Sonntag, 5. November, übergab der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki das Boot in der Bonner Kirche St. Elisabeth feierlich an das Haus der Geschichte.

Dort wird es Teil der neuen Dauerausstellung sein. "Es wird nicht das letzte Boot mit schutzsuchenden Menschen sein, das sich auf die gefährliche Reise begibt", mahnte Kardinal Woelki. "Zehntausende weitere werden sterben, wenn wir nicht jetzt etwas tun." Die Politik warnte er besonders vor einer Aushöhlung des Asylrechts. Angesichts der Diskussionen um Neuregelungen, die Asylanträge in der EU erschweren würden, sagte er: "Von einer solchen Regelung ginge ein verheerendes Signal für den internationalen Flüchtlingsschutz aus. Bereits heute vermittelt die EU das Bild einer Gemeinschaft, die die Schutzsuchenden lieber in den Nachbarstaaten halten möchte und nur bedingt aufnahmebereit ist." Damit Asylsuchende nicht weiter auf die lebensgefährliche Flucht angewiesen seien, forderte er legale Wege der Einreise. Darüber hinaus sei ein Einwanderungsgesetz notwendig, das Menschen auf der Suche nach Arbeit und Zukunft Chancen eröffne, ohne damit Abwanderung in großem Ausmaß aus anderen Regionen der Welt auszulösen, die die dortigen Menschen vor neue Probleme stelle.

Mit Blick auf den Klimawandel, der ebenfalls eine der Ursachen von Migration und Vertreibung ist, wurde er von Dr. Martin Bröckelmann-Simon, Geschäftsführer von MISEREOR, unterstützt. "Klimawandel ist keine Bedrohung, er ist Realität", betonte Bröckelmann-Simon. "Weltweit wurden allein im letzten Jahr 24 Millionen Menschen durch Naturkatastrophen zu Vertriebenen. Schon jetzt haben Menschen im Pazifik ihre untergehenden Inseln endgültig verlassen und anderenorts Zuflucht suchen müssen. Hunderte Millionen nicht nur dort, sondern in vielen Küstenzonen der Erde könnten gezwungen sein, ihnen zu folgen, wenn wir nicht umsteuern." Er erinnerte insbesondere die zukünftige Bundesregierung an ihre Verantwortung, vor allem im Energiesektor stärker als bisher Treibhausgasemissionen zu senken und andere Länder finanziell bei der Bewältigung und Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen.

Gemeinsam forderten Kardinal Woelki und Bröckelmann-Simon die Teilnehmer der am 6. November beginnenden Klimakonferenz COP 23 in Bonn auf, für den Schutz des Klimas zu kämpfen – sowohl in Deutschland als auch vor Ort in den Ländern des globalen Südens.

Der Direktor des Hauses der Geschichte in Bonn, Prof. Dr. Hans-Walter Hütter, nahm Bezug auf die Bedeutung des Flüchtlingsbootes im Rahmen der neu gestalteten Ausstellung: "Hunderttausende von Menschen sind in den vergangenen Jahren nach Deutschland geflüchtet. Viele versuchten, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Das Flüchtlingsboot steht als Symbol für diese dramatischen Ereignisse in der neuen Dauerausstellung im Haus der Geschichte, die wir am 11. Dezember 2017 eröffnen. Es erzählt anschaulich die Ereignisse der jüngeren Vergangenheit und weist auch auf Probleme der Gegenwart und Zukunft hin".

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