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      Aachen, 12. Februar 2020

      Die Träume der Menschen Amazoniens realisieren

      (Aachen, 12. Februar 2020). Im Vatikan wurde heute das Apostolische Schreiben "Querida Amazonia" von Papst Franziskus vorgestellt. Es ist seine Reaktion auf den insgesamt zweijährigen Prozess mit vielen Konsultationen in Amazonien, die Diskussionen und Ergebnisse der Bischofssynode für Amazonien „Neue Wege für die Kirche und für eine integrale Ökologie" im letzten Herbst in Rom. MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel, vor vier Monaten selbst Teilnehmer der Bischofssynode in Rom, bewertet das Schreiben insgesamt positiv, weil es die Empfehlungen der Bischöfe und die damit verbundenen Herausforderungen für einen umfassenden sozial-ökologischen Wandel bestätigt:

      „Zunächst enthält ‚Querida Amazonia‘ eine Überraschung: Franziskus setzt das Schlussdokument der Synode der Bischöfe Amazoniens in Kraft. Der Papst spricht kein Machtwort. Er will ‚Synode‘ ernst nehmen, das gemeinsame Hören und Entscheiden. Er nimmt nichts vom Schlussdokument der Bischöfe zurück. Er verwirft es nicht. Es gilt damit weiter.

      Er bittet darum, dass die Kirche in Amazonien und weltweit mit dessen Umsetzung beginnt. Eine Neuerung. Für mich unterstreicht er dadurch dessen Bedeutung. Denn Franziskus geht davon aus, dass die Bewohnerinnen und Bewohner, besonders Indigene, Ordensfrauen, Priester und Bischöfe, die Situation in Amazonien besser kennen als er und die Römische Kurie. Freudig nehme ich wahr, dass er Ernst macht mit dem Zuhören, das die Synode charakterisiert hat. Franziskus will die Träume der Menschen Amazoniens zur Geltung bringen und Räume öffnen.

      Hiervon inspiriert  entwickelt Franziskus vier Träume für gutes Leben in Amazonien. Sie sind  ein Eingeständnis dafür, dass wir in Sackgassen geraten sind. Alles ist mit allem verbunden. Ein sozialer, ein kultureller, ein ökologischer Traum, der jeweils ‚alle Menschen guten Willens‘ einbezieht. Abgeschlossen werden die Träume von einer erneuerten Kirche Amazoniens.

      In ihrer Gesamtheit weisen uns diese Träume den Horizont, auf den hin die während der Synode vielfach diskutierte Umkehr erst Sinn macht. Es ist ein Traum der Geschwisterlichkeit untereinander, des Respekts vor der Schöpfung, der Achtung aller Kulturen, der lebendigen Gemeinden. Die große Herausforderung für MISEREOR besteht darin, die weltweite Dimension Amazoniens deutlich zu machen, wenn es heißt: ‚Das planetarische Gleichgewicht hängt auch von der Gesundheit des Amazonas ab‘ (48). Wir in Deutschland sind durch unsere Denkweisen, durch Lebensstil, Wirtschaft und Politik mit verantwortlich, dass wir planetarische Grenzen wie beim Klima und der Biodiversität verletzen. Unsere Aufgabe ist es, zu einer ‚Globalisierung in Solidarität‘ (17) beizutragen.

      Es ist offensichtlich, dass die Kirche sich neu organisieren muss, um in Amazonien die schwierigen Herausforderungen anzunehmen und präsent zu sein. Dazu bestätigt der Papst die Synode und gibt die Aufgabe, für das notwendige Personal zu sorgen, an die Bischöfe zurück. Dazu gehört die Möglichkeit, verheiratete Priester einzuführen und über das Diakonat der Frau weiter nachzudenken – weil nur so die Aufgabe der Kirche wahrgenommen werden kann. Methode und Inhalte der Synode bilden Marksteine, hinter die ein Zurück nur schwer denkbar ist. Nach vorne ist allerdings noch Platz.

      Nicht nur in den Ländern des Amazonasgebietes, sondern weltweit arbeitet MISEREOR gemeinsam mit seinen einheimischen Partnern an der Ausgestaltung einer Vision des sozial-ökologischen Wandels durch eine entschiedene Umkehr. So legen Familien und Gemeinden in Peru zur Verbesserung ihrer Ernährungssicherheit Waldgärten im Einklang mit dem Regenwald an. Im Kongo beteiligen sich Partner daran, nachhaltige und effiziente Energiesysteme für alle aufzubauen. In Indien begegnen Dorfgemeinschaften der wachsenden Dürre mit Regenrückhaltebecken.

      Die Aussagen der Bischofssynode und ihre Einordnung von Papst Franziskus bestärken und motivieren uns und die Partner, diese wichtige und gute Arbeit fortzusetzen und sie geben uns Mut, sie auch gegen Widerstände mit Nachdruck umzusetzen.“

      MISEREOR fördert aktuell in Amazonien 101 Projekte mit einem Gesamtfördervolumen von über 28 Millionen Euro. Seit der Gründung von MISEREOR im Jahr 1958 wurden über 110.000 Projekte in Afrika und dem Nahen Osten, in Asien und Ozeanien, in Lateinamerika und der Karibik gefördert.

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      Pressefoto von MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel zurm freien Download hier.