Angriffe in syrischem Rebellengebiet bei Damaskus
© Samer Bouidani | dpa
Aachen, 21. Februar 2018

Das Drama von Aleppo wiederholt sich in Damaskus

MISEREOR-Partner JRS setzt Arbeit trotz Eskalation der Lage fort

(Aachen, 21. Februar 2018) Durch die schweren Bombardements der syrischen Regierungstruppen in und um Damaskus hat sich die Lage der Zivilbevölkerung erneut dramatisch verschlechtert. Der MISEREOR-Partner „Internationaler Flüchtlingsdienst der Jesuiten“ (JRS) muss seine Arbeit in Damaskus zwischenzeitlich immer wieder einstellen. „Es ist die schlimmste Phase der Gewalt seit Beginn der Kämpfe 2011. Männer, Frauen und Kinder stehen massiv unter Schock, weil sie erneut Opfer und Zeugen blutiger Angriffe auf Zivilisten geworden sind“, berichtet Pater Nawras Sammour von JRS am Mittwoch.

Die Stadtviertel Dscharamana, Dweela und Bab Tuma, die an die massiv umkämpfte Region Ost-Ghouta angrenzen und in denen JRS in Damaskus tätig ist, stehen derzeit unter Beschuss durch Mörsergranaten. Angesichts der akuten Lebensgefahr musste JRS seine Hilfs-Aktivitäten dort zwischenzeitlich komplett einstellen. „Es ist schrecklich, kommt uns doch angesichts des unermesslichen physischen und psychischen Leidens der Bevölkerung, das seit 2011 kein Ende nimmt und von dem Damaskus erneut betroffen ist, eine besondere Verantwortung zu“, berichtet Pater Nawras, JRS-Regionaldirektor.

„Die Massivität der Angriffe auf die Zivilbevölkerung in Damaskus kommt für uns, unsere Partner und die Menschen selbst völlig unerwartet. Krankenwagen und Rettungskräfte geraten unter Beschuss, Schulen, Gesundheitseinrichtungen sowie die Strom- und Wasserversorgung sind erheblich betroffen. Die kurzzeitige ‚Normalisierung‘ des Alltags der letzten Monate ist wieder vollkommen zerstört. Für die Menschen in Damaskus stellt sich wieder täglich die Überlebensfrage“, so MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon. Der psychische und physische Druck sei enorm, denn die Menschen hätten nach andauernder Gewalt und Unsicherheit keinerlei Kraftreserven mehr. Mit eigenen Augen hat er dies zuletzt 2017 in verschiedenen Städten Syriens sehen und erleben können.

„In diesem Augenblick wissen wir nicht, wo und wann die nächste Bombe fallen wird, ob und wann die Feindseligkeiten eingestellt werden“, so Pater Nawras, „doch wir bleiben“. JRS bietet in seinen Zentren, die zwischen den Vierteln von Christen, Sunniten, Schiiten und Alawiten liegen, Bildung- und Sozialdienste, Basisgesundheit und psychosoziale Betreuung an. Sofern möglich, setzt die Organisation ihre Arbeit auch in den kommenden Wochen fort und passt sie der aktuellen Lage an, indem sie beispielsweise die Akutversorgung Verletzter sichert.

Zehntausende Binnenflüchtlinge waren zuletzt in die syrische Hauptstadt Damaskus gekommen, wo sich die Versorgungslage zunächst zu verbessern schien. „Die versperrten Grenzen zu den Nachbarländern Syriens zwingen die Menschen erneut dazu, illegale Fluchtwege zu suchen, auf denen sie sich in permanenter Lebensgefahr befinden. Im siebten Jahr des Syrienkonflikts werden die Lebensbedingungen noch schwieriger, als sie ohnehin schon sind“, so Bröckelmann-Simon. „Angesichts der erneuten Eskalationen im Kriegsgebiet muss die internationale Gemeinschaft unverzüglich ihre Anstrengungen verstärken, die Kriegsparteien zur Einstellung aller Kampfhandlungen zu bringen. Die bisherigen Bemühungen auf UN-Ebene reichen bei weitem nicht aus“. Zudem sei jede Diskussion zur Rückführung syrischer Flüchtlinge, wie zuletzt im Rahmen der deutschen Innenministerkonferenz geführt, inhuman und fehl am Platz.

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