Misereor - Ihr Hilfswerk
Suche schließen
Suchen nach:
    Top-Ergebnisse:
      Suchen in:

      Aachen, 11. August 2020

      Besuch des deutschen Außenministers im Libanon

      Deutschland muss sich für umfassende Hilfe, aber auch Reformen und Entschuldung einsetzen

      MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon:

      „Europa und die internationale Gemeinschaft  haben den Libanon, der eine Schlüsselrolle im so instabilen und friedlosen Nahen Osten spielt, zu lange allein gelassen. Die Flüchtlingsversorgung durch UNHCR war und ist dauerhaft unterfinanziert. Das Land hat schon vor der Katastrophe am vergangenen Dienstag an vier übergroßen Lasten getragen: seit Jahren die weltweite höchste Pro-Kopf-Aufnahme an Flüchtlingen in einem so kleinen Land, eine anhaltende Finanz- und Wirtschaftskrise mit dramatischer Verschuldung und Inflation, eine seit Monaten andauernde, tiefgreifende politische Krise und eine zuletzt wieder rasant ansteigende Zahl von Corona-Infektionen. Nun ist mit der verheerenden Explosion auch noch eine fünfte schwere Last hinzugekommen.

      Unsere libanesischen MISEREOR-Partnerorganisationen appellieren daher an den deutschen Außenminister anlässlich seines Besuchs im Libanon, sich für schnelle Aufbauhilfe für das Gesundheitssystem und im Bildungsbereich zu engagieren.Krankenhäuser und Schulen müssen repariert werden. Kirchliche und andere  zivilgesellschaftliche Akteure sollten hier eine Schlüsselrolle einnehmen, auch weil die Menschen ihr Vertrauen in staatliche Systeme verloren haben. MISEREOR-Partnerorganisationen erwarten daher eine enge Zusammenarbeit mit den internationalen Gebern, um den Menschen möglichst schnell und effizient helfen zu können.

      Die deutsche Bundesregierung muss sich darüber hinaus mit der EU, deren Ratspräsidentschaft sie gerade inne hat, jetzt auch für mutige Lösungen einsetzen, um die Schuldenlast des Libanon - gekoppelt an eine tiefgreifende Reform des politischen Systems und einen fairen überwachten Ablauf der nun nötigen Neuwahlen - drastisch zu verringern. Wir fordern Außenminister Maas auf, dies  in Beirut, aber auch in Brüssel und hinsichtlich eines internationalen Insolvenzrechtes beim Währungsfonds in Washington in aller Deutlichkeit vorzubringen. Die libanesische Zivilgesellschaft agiert in dieser katastrophalen Lage mutig, solidarisch und kreativ.   Zukunftsfähige Lösungen erfordern jedoch zugleich strukturelle, vertrauensbildende politische Veränderungen mit Unterstützung durch die internationale Politik. Dazu gehört auch die Einrichtung einer internationalen Untersuchungskommission zur Aufklärung der tatsächlichen Ursachen der Katastrophe und Hilfe bei der zügigen Umsetzung von Neuwahlen.“

      Zurück

      Kontakt