Aachen, 15. März 2018

Aufruf zum Handeln:

Rat der Lateinamerikanischen Bischofskonferenzen veröffentlicht Hirtenbrief zu Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft

(Aachen, 15. März 2018) Der lateinamerikanische Bischofsrat CELAM veröffentlicht heute einen Hirtenbrief zu Ursachen, Folgen und Handlungsmöglichkeiten angesichts der aktuellen ökologischen und ökonomischen Krisen in Lateinamerika. Mit ihrem Schreiben wollen die Bischöfe des Kontinents, anknüpfend an die Enzyklika Laudato Si’ von Papst Franziskus, mit allen Gläubigen in einen Dialog treten und auf die Amazonas-Synode im kommenden Jahr hinweisen. Ihre Botschaft: angesichts der Krise müssen und können wir aber auch die Zukunft des Planeten gestalten. Die lateinamerikanischen Bischöfe rufen Christen und alle Menschen guten Willens deswegen dazu auf, sich sowohl für die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen als auch die Interessen der Armen, Schutzbedürftigen, Ausgegrenzten und Diskriminierten zu engagieren.

Deutschlands Verantwortung ist der Kohleausstieg

"Der Aufruf der Bischöfe Lateinamerikas hat für das Anliegen und die Zusammenarbeit mit Partnern MISEREORs in Lateinamerika, aber auch weltweit eine zentrale Bedeutung", kommentiert Pirmin Spiegel, MISEREOR-Hauptgeschäftsführer. "Nicht nur bestätigt und bestärkt er das Engagement MISEREORs in vielen Bereichen, wie z.B. den Einsatz gegen Menschenrechtsverletzungen im Umfeld von Umweltschutz oder Bergbauprojekten. Mit der Veröffentlichung des Hirtenbriefes in deutscher Sprache wollen wir die Erkenntnisse und den Aufruf der Bischöfe nach Deutschland und Europa tragen", so Spiegel. "Der Text macht auf eindrückliche Weise deutlich, dass wir eine Rohstoffwende und einen grundlegenden Wandel des vorherrschenden Wirtschafts- und Konsummodells weltweit brauchen. Das bedeutet für Deutschland zum Beispiel einen konsequenten und sozialen Kohleausstieg, sowie die Reduzierung des Verbrauchs von Rohstoffen. Wir gewinnen in Deutschland unseren Strom u.a. aus Kohle aus Kolumbien, was dort zu negativen Auswirkungen für die lokale Bevölkerung führt, die im Hirtenbrief sehr deutlich angeprangert werden", erklärte Spiegel. Ein unbegrenztes Wachstum auf einem begrenzten Planeten sei aufgrund von physischen, ökologischen und sozialen Gründen nicht machbar, heißt es im aktuellen Aufruf der Bischöfe.

Gegenwehr gegen unseren Rohstoffhunger wächst

Besonders eingehend werden dann in dem Hirtenbrief die Herausforderungen beleuchtet, die der Rohstoffabbau in Lateinamerika mit sich bringt. Diese "maßlose Tendenz des Wirtschaftssystems, die Güter der Natur in Kapital umzuwandeln" und in kurzer Zeit möglichst viele Rohstoffe abzubauen, um daraus Konsumgüter zu produzieren, zerstöre die Natur und erschöpfe die natürlichen Ressourcen weit über das Maß hinaus, in dem sie sich wieder regenerieren können. "Mit den schwerwiegenden ökologischen Folgen kommt es durch den Rohstoffabbau in ganz Lateinamerika zu zahlreichen sozialen Konflikten. Immer mehr betroffene Gemeinden auf dem ganzen Kontinent wehren sich dagegen, dass ihre Lebensgrundlagen dem Profitstreben von Konzernen und dem Konsumwahn einer reichen globalen Minderheit geopfert werden", erklärt Spiegel. Ihr Einsatz für die Menschenrechte und für die Umwelt mache ihre Repräsentantinnen und Repräsentanten aber nicht selten zum Opfer von Diffamierung, Kriminalisierung und Gewalt. Die Zahl der Morde an Menschenrechtsverteidigern habe in den letzten Jahren stetig zugenommen.

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