Misereor - Ihr Hilfswerk
Suche schließen
Suchen nach:
    Top-Ergebnisse:
      Suchen in:

      Empfehlungen der Redaktion:
      Aachen, 18. Februar 2022

      Appell an Bischöfe

      (Aachen, 18. Februar 2022) In einem Offenen Brief an die Deutsche Bischofskonferenz fordern zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des katholischen Werks für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR „tiefgreifende systemische Veränderungen“ in der katholischen Kirche in Deutschland. Das von 250 Mitarbeitenden der Organisation namentlich mitgetragene Schreiben wurde am Freitag auf der Homepage von MISEREOR veröffentlicht.

      In dem von einer Gruppe von Mitarbeitenden aus verschiedenen Abteilungen MISEREORS  initiierten Brief heißt es, es erfülle die Unterzeichner*innen mit großer Sorge und Zorn, dass die Kirche Strukturen und Systeme geschaffen habe und weiter aufrechterhalte, „die dazu führen, dass Menschen in Angst und mit traumatischen Erfahrungen leben müssen. Eben jene universell gültigen Menschenrechte, die für unsere Arbeit mit Partnerorganisationen weltweit so grundlegend sind, werden in vielfältiger Weise durch die römisch-katholische Kirche missachtet und verletzt. Ungerechtigkeit und Missbrauch werden durch systemische Bedingungen begünstigt. Und wir erkennen keine überzeugenden Ansätze, daran nachhaltig etwas zu ändern oder begangene Verbrechen restlos aufzuklären“.

      Den Mächtigen ins Gewissen reden

      Und weiter heißt es: „Als Mitarbeiter*innen einer Organisation, die Teil dieser Kirche ist, können und wollen wir nicht dazu schweigen. Unser christliches Selbstverständnis und unser Auftrag bei MISEREOR verpflichtet uns dazu, den Mächtigen ins Gewissen zu reden und strukturelle Ungerechtigkeiten sowie Machtmissbrauch zu verurteilen. Seien diese nun in weltlichen oder in kirchlichen Bereichen zu finden.“

      Notwendig sei, dass die Kirche aus Fehlern lernt und sich weiterentwickelt. Sie solle ein Ort des gegenseitigen Respekts, der Sicherheit, Geborgenheit und der gelebten Nächstenliebe für alle Menschen sein und keine Institution, die sich immer weiter verschließe, vertusche, ausgrenze, verletze und nur den eigenen Machterhalt im Sinn habe.

      Keine Einmischung ins Privatleben

      Der Brief enthält konkrete Erwartungen an die Kirche hinsichtlich notwendiger Reformen: So sprechen sich die Unterzeichner*innen dafür aus, dass eine externe, staatliche Untersuchung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche und deren staatliche Verfolgung eingeleitet werden. Notwendig sei überdies das aktive Eintreten für eine Kultur des Hinsehens und Zuhörens sowie die strukturelle Verankerung von unabhängigen Melde- und Unterstützungsverfahren bei sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche. Ferner wird gefordert: Ein Ende der Einmischung der institutionellen katholischen Kirche in Fragen des Privatlebens der Mitarbeiter*innen wie Sexualität, Ehestand, Scheidung und Wiederverheiratung, der Abbau des Klerikalismus und priesterlicher Privilegien, um zukünftigen klerikalen Machtmissbrauch zu verhindern sowie die Überwindung der Diskriminierung von Frauen auf allen Ebenen durch gezielte Förderung und strukturelle Änderungen.

      Abschließend heißt es: „Wir begrüßen die Beschlüsse der dritten Vollversammlung des Synodalen Weges in Bezug auf die Aufhebung des Pflichtzölibats, die Zulassung von Frauen zu Weiheämtern, zur Segnung schwuler und lesbischer Paare sowie zur Beendigung der Sanktionen für kirchliche Angestellte, die geschieden oder homosexuell verheiratet sind“.

      Zurück

      Kontakt

      Weitere Informationen

      Der vollständige Offene Brief kann im Wortlaut über diesen Link nachgelesen werden: www.misereor.de/offener-brief

      Bei MISEREOR, dem Werk für Entwicklungszusammenarbeit, arbeiten derzeit 374 Beschäftigte.