Misereor - Ihr Hilfswerk
Suche schließen
Suchen nach:
    Top-Ergebnisse:
      Suchen in:

      Aachen, 03.09.2019

      Afghanistan: Rechte der Frauen akut in Gefahr

      (Aachen, 3. September 2019) Parallel zu den Verhandlungen über einen Truppenabzug der US-Streitkräfte hat sich in Teilen von Afghanistan die Sicherheitslage dramatisch verschärft. In verschiedenen Regionen wird derzeit zwischen nationalem Militär und den Taliban heftig um die Vorherrschaft über einzelne Orte und Gebiete gekämpft. Das hat auch erhebliche Auswirkungen auf die Arbeit von MISEREOR-Partnerorganisationen.

      Wie die Afghanistan-Referentin des Werks für Entwicklungszusammenarbeit, Anna Dirksmeier, mitteilt, musste der von MISEREOR geförderte Verein "Afghanistan-Schulen" sein Bildungszentrum für die Bezirke Qaramqul und Qurghan vorläufig schließen, weil die genannten Ortschaften aus der Luft beschossen wurden und es weiter Kämpfe am Boden gibt. Hinzu kommt, dass die Taliban derzeit von dem Zentrum regelmäßig "Kriegssteuern" erpressen wollten, so Dirksmeier. Die Taliban hätten sich in den genannten Bezirken festgesetzt und übten starken Druck auf die Bevölkerung aus.

      Rückfall in die späten 90er Jahre?
      Die Afghanistan-Referentin sieht den Vorfall als Alarmsignal für den Bestand fundamentaler Frauenrechte im Land am Hindukusch. Sollten die US-Truppen und in der Folge auch Soldaten aus Deutschland und anderen Nationen Hals über Kopf aus Afghanistan abziehen, ohne dass zuvor Garantien für den Erhalt demokratischer Grundwerte ausgehandelt sind, drohe dort "ein Rückfall in die 90er Jahre", als es unter der Herrschaft der Taliban Ende 1996 bis 2001 Frauen verboten wurde, in die Schule zu gehen oder ohne männliche Begleitung das Haus zu verlassen. "Frauenrechte sind ganz klar Menschenrechte, und es muss unter allen Umständen verhindert werden, dass in Afghanistan die Hälfte der Bevölkerung wieder zu Hause eingesperrt wird", so Dirksmeier.

      Während des Wiederaufbaus des Bildungssystems ab dem Jahr 2001 konnten in Afghanistan für zahlreiche Mädchen neue Bildungschancen eröffnet werden. Dennoch gibt es nach wie vor viele, denen der Schulbesuch verwehrt bleibt und die nur selten Haus und Garten verlassen dürfen und mit zahlreichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Der Verein "Afghanistan-Schulen" setzt genau an dieser Problemlage an und bietet mit Hilfe von MISEREOR Frauen im Alter von 17 bis 35 Jahren Möglichkeiten zur Alphabetisierung und Berufsausbildung, zur Verbesserung ihrer Allgemeinbildung und zur Hilfe bei der Suche nach einem Arbeitsplatz.

      Bundesregierung muss Position beziehen
      "Wir müssen alles tun, damit diese Angebote erhalten bleiben und Frauen in Afghanistan Zugänge zu einem menschenwürdigeren Leben finden können", fordert MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel. "Deshalb erwarten wir von der Bundesregierung eine aktivere diplomatische Rolle bei den laufenden Verhandlungen um die mit dem Abzug internationaler Truppen verbundenen Bedingungen, damit auch in Zukunft Menschenrechte der Frauen in Afghanistan stetig verbessert werden können."

      Angesichts der starken Gefährdung der Zivilbevölkerung sei es unverständlich, dass auch aktuell afghanische Flüchtlinge in ihre Heimat abgeschoben werden. "Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen befindet sich das Land im Kriegszustand, keine Region ist demnach sicher. Daher sind Abschiebungen nach Afghanistan derzeit nicht verantwortbar", betont Spiegel. "Das wird durch die dringende Reisewarnung des Auswärtigen Amtes an die deutsche Bevölkerung noch weiter bestätigt, abgesehen davon, dass die humanitäre Lage im Land sehr schwierig ist und die medizinische Versorgung nur als katastrophal bezeichnet werden kann."

      Zurück

      Kontakt