Weibliche Genitalverstümmelung

"Ich bin beschnitten", sagt Samira Said leise. "Es passierte, als ich gerade neun Jahre alt war." Die junge Ägypterin lebt in einem kleinen Dorf in der Provinz Minia. Sie stammt aus einer armen Bauernfamilie und hatte nie die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Nun nimmt sie an einem landesweiten Grundbildungsprogramm teil, das von MISEREOR unterstützt wird.

Neben Lesen, Schreiben und Rechnen lernen Samira und ihre Klassenkameradinnen auch andere wichtige Dinge wie Erste Hilfe, Umweltschutz und Gesundheitspflege.
Auch über die weibliche Beschneidung hat ihre Lehrerin mit ihnen gesprochen. Ein brisantes Thema, denn Genitalverstümmelung bei Frauen ist in Ägypten weit verbreitet – genau wie in 27 anderen Ländern Afrikas sowie in einigen arabischen und asiatischen Staaten.

Millionen Frauen weltweit betroffen
Weltweit sind mehr als 130 Millionen Frauen Opfer von Beschneidung. Jedes Jahr kommen zwei Millionen Mädchen und Frauen hinzu. In Somalia zum Beispiel sind mindestens 90 Prozent der Frauen beschnitten. Das Gleiche gilt für Dschibuti, Sierra Leone oder den Sudan.

Grausamer Schnitt in Körper und Seele
Der Begriff weibliche Genitalverstümmelung, international "Female Genital Mutilation" (FGM) genannt, bezeichnet unterschiedliche traditionelle Praktiken, bei denen die äußeren weiblichen Geschlechtsorgane wie die Klitoris und die kleinen Schamlippen teilweise oder vollständig entfernt werden. Bei der sogenannten "pharaonischen Beschneidung" wird die Scheide anschließend bis auf eine winzige Öffnung zugenäht. Der Eingriff ist unumkehrbar. Die betroffenen Frauen leiden in der Folge häufig unter psychischen, physischen und sexuellen Problemen.

Unwissen und Aberglaube
Die Gründe für die weibliche Beschneidung sind vielschichtig. Häufig ist FGM Teil eines Reinigungs- oder Initiationsritus, der den Übergang vom Mädchen zur erwachsenen Frau markiert. Befürworter rechtfertigen die Praxis unter anderem mit einer notwendigen Kontrolle der weiblichen Sexualität.  "Unbeschnittene Frauen sind lüstern und laufen den Männern hinterher", hat zum Beispiel auch Samira von den älteren Frauen im Dorf zu hören bekommen. Genauso wie die Warnung, wenn Mädchen nicht beschnitten würden, wachse ihnen ein Penis wie ein Mann. "Ein gefährlicher Aberglaube", weiß sie inzwischen. Und auch über den menschlichen Körper und seine Funktionen ist sie im Unterricht aufgeklärt worden. "Ich bin beschnitten", sagt Samira noch einmal. Doch dann fügt sie mit fester Stimme hinzu: "Aber meine Tochter wird unversehrt aufwachsen. Dafür kämpfe ich."

MISEREOR unterstützt Projekte und Menschen, die sich für eine Beendigung der Beschneidungs-Praxis einsetzen.

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