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Auf Visite im Township

Freiwillige Helfer, die Hoffnung bringen

von Peter Beyer

Kleinskool – ein Township in der südafrikanischen Provinz Eastern Cape: Armut, Gewalt und AIDS prägen hier den Alltag. Inmitten einer trostlosen Umgebung und ungeachtet der allgegenwärtigen Gefahren kümmern sich ehrenamtliche Helferinnen um AIDS-Waisen und ihre Familien.

Es ist mitten in der Nacht und das Leben der kleinen Jasmin droht zu enden, bevor es richtig begonnen hat: Bei Jasmins Mutter Kalla haben die Wehen eingesetzt. Plötzlich treten Komplikationen auf. Kalla bekommt starke Blutungen, ein Arzt müsste bei der Geburt helfen. Aber den gibt es nicht in Kleinskool. Retterin in der Not wird Zelda Williams. Sie arbeitet ehrenamtlich für den MISEREOR-Partner Care Ministry. Freiwillige wie sie besuchen von AIDS betroffene Kinder und ihre Familien im Township. Sie pflegen sie in ihrem Zuhause, beraten sie in Fragen der Gesundheit und Hygiene und helfen bei allerlei Alltagsproblemen. Jeder Fünfte in Südafrika ist HIV-positiv. In der Provinz Eastern Cape beträgt die Rate sogar über 32 Prozent. Anders als in Europa übertragen in Südafrika die Mütter meist früher oder später den Virus auf ihr Kind. Zu den verheerenden Folgen der Epidemie zählen 1,2 Millionen AIDS-Waisen.

Respekt für die Care Minister

Zelda wohnt selbst in einer der ärmlichen Hütten von Kleinskool. Dreimal in der Woche zieht die gelernte Altenpflegerin für Care Ministry durch ihren Township. Er liegt in der Region Uitenhagen, im Einzugsgebiet der Millionenstadt Port Elizabeth. Heute hat sie Gesellschaft: Siobhan Dooley, die Projektleiterin der seit 1994 tätigen Hilfsorganisation, begleitet Zelda auf ihrem Rundgang über die schäbigen, mit Unrat übersäten Wege. Siobhan koordiniert und organisiert die Hausbesuche der derzeit 109 ehrenamtlichen Mitarbeiter von Care Ministry bei den Ärmsten der Armen. Die Freiwilligen sind im gesamten Township hoch angesehen. „Unsere Helferinnen sind häufig allein erziehende, engagierte Mütter oder Mitglieder aus religiösen Vereinigungen“, berichtet Siobhan. „Nicht selten ist in ihrer Familie gerade jemand an AIDS gestorben. Der Todesfall motiviert Angehörige, für andere Betroffene Hilfe zu leisten, nachdem sie zuvor nur ohnmächtige Zuschauer waren“, fügt sie hinzu.

Die Vorschule hilft beim Überleben

Auch für Ehrenamtlerin Babalwa ist es selbstverständlich sich in ihrem Township zu engagieren.  Sie sitzt in der Sophakama Pre-School am Rande des Townships in einem großen, hell gestrichenen Klassenraum mit einer Schar von AIDS-Waisen um sich. Mit großen Augen lauschen die Vier- bis Fünfjährigen den Worten und Reimen der freiwilligen Helferin. Es geht darum, nicht mit dem Blut anderer in Berührung zu kommen, um Sauberkeit, um Hygiene beim Essen, um Hände waschen. Weil  in den Townships auch Tuberkulose und durch Ernährungsfehler bedingte Krankheiten grassieren, ist Aufklärung wichtig. „Wenn die Kleinen mittags zu ihren Zieheltern nach Hause gehen, sind sie jeden Tag ein bisschen schlauer!“, sagt Babalwa stolz. Bis zu 90 Kinder unterrichtet sie in dieser Vorschule.

Nächste Station auf Siobhans Rundgang ist der 13-jährige Phumzile. Er hat seine Mutter durch AIDS verloren, seinen Vater kennt er nicht. Seine gebrechliche Oma füttert ihn mit ihrer kargen Rente mit durch. Die 78-Jährige wäscht den Jungen und hält das Haus sauber. Zu allem Übel wurde Phumzile im vergangenen Jahr von einem alkoholisierten Autofahrer angefahren und schwer verletzt. Die medizinische Betreuung war mangelhaft, dem Jungen fiel das Fortbewegen immer schwerer. Seit kurzem hat er wenigstens einen Rollstuhl. Nachbarn oder, wie heute, Ncumisa helfen Phumziles Oma, ihren Enkel in den Rollstuhl zu hieven. Das schafft sie nicht mehr. Ncumisa ist seit fünf Jahren ehrenamtliche Helferin von Care Ministry. Sie besucht den Jungen jeden Tag.

Gefährliche Dunkelheit

Allmählich dämmert es – und dann kann es in dieser Gegend gefährlich werden. Folglich kommt Eile auf. Mit dem Auto bringen Siobhan und die freiwilligen Helfer von Care Ministry sich nach dem letzten Hausbesuch in Sicherheit. Denn die Dunkelheit rückt bedrohlich näher. Finster im übertragenen Sinne ist und bleibt es für viele Benachteiligte in den Townships. Und doch werden Zelda, Babalwa, Ncumisa und ihre mutigen Kolleginnen von Care Ministry nicht damit aufhören, Tag für Tag kleine Hoffnungsschimmer in das Dunkel zu bringen.

 

Kontoinformationen
Konto 10 10 10 MISEREOR
BLZ 370 601 93 PAX-Bank

Überlebensstrategien

Überlebensstrategien

Weil sich viele Township-Bewohner einen Markteinkauf nicht leisten können, bauen sie Gemüse am Rande der Slums an.