
AIDS betrifft besonders die ökonomisch aktiven Altersgruppen zwischen 18 und 35 Jahren. In Ländern wie Südafrika, Simbabwe, Mozambique oder Botswana fielen bis zu einem Drittel der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen der Krankheit zum Opfer.. Damit fallen wesentliche Teile gerade der Bevölkerungsgruppen aus dem Wirtschaftsleben heraus, die seine Entwicklung, Dynamik und Kraft prägen. Trotz der neuen medizinischen Möglichkeiten ist die Situation immer noch verheerend.
Für eine Volkswirtschaft bedeutet dies:
HIV-Infizierte können nach Ausbruch der Krankheit nicht mehr ihren Lebensunterhalt erarbeiten. Der Einkommensausfall betrifft nicht nur sie, sondern auch abhängige Familienmitglieder wie Kinder oder die ältere Generation. Der größere Familienverband schließt Infizierte in vielen Gesellschaften Asiens, Lateinamerikas und Afrikas aus, so dass den Betroffenen ohne jede weitere soziale Sicherung ein langer, elender und einsamer Leidensweg bevorsteht. Besonders dramatisch ist die Situation der infizierten Vollwaisen mit einer Lebenserwartung von 3-5 Jahren.
Die Aids-Epidemie stellt Gesellschaften mit schwach entwickeltem Gesundheitssystem vor existentielle Herausforderungen. Durch internationale
Anstrengungen erhalten zwar inzwischen vier Millionen Menschen weltweit
Zugang zu antiretroviraler Aids-Behandlung, die durch eine Medikamentenkombination
die Lebensdauer und Lebensqualität von HIV-Infizierten deutlich erhöht. 9,5 Millionen Menschen benötigen diese Therapie aber aufgrund ihres Virusstatus. Das bedeutet, dass immer noch ungefähr 58 Prozent der Menschen, die die antiretroviralen Medikamente benötigen, keinen Zugang zur Behandlung haben.
2008 haben sich die UN-Mitgliedstaaten auf der UNGASS-Konferenz in New York verpflichtet, allen Menschen dieser Erde den universellen Zugang zu HIV-Prävention,
medizinischer Aids-Behandlung, Pflege und Hilfe zu ermöglichen. Damit das Menschenrecht auf unentbehrliche Medikamente im HIV-Bereich umgesetzt werden kann, sind substantielle Preissenkungen für lebensnotwendige Aids-Medikamente notwendig.
Die Lücken, die die Krankheit reißt, sind in allen Lebensbereichen zu spüren. In Krankenhäusern des südlichen Afrikas fallen Ärzte und Pflegepersonal aus, in den Schulen Lehrerinnen und Lehrer. Prognosen besagen, dass in Afrika rund ein Drittel der Lehrerinnen und Lehrer an Aids sterben könnten. Dadurch steigt die Zahl der Kinder, die nicht zur Schule gehen, weiter an. Wenn sich die derzeitigen Trends fortsetzen, werden es im Jahr 2015 knapp sechzig Millionen afrikanische Kinder im Primarschulalter sein.
Frauen haben aus rein biologischen Gründen ein höheres Risiko, von einem HIV-infizierten Mann angesteckt zu werden als umgekehrt. Dazu kommen kulturelle und ökonomische Faktoren, die Frauen besonders gefährden. Aids stellt für Frauen in Gesellschaften, die das sexuelle Selbstbestimmungsrecht der Frauen gering achten, eine besondere Bedrohung dar. Bei einer Umfrage in Südafrika gab mehr als jede dritte junge Frau an, bereits zu sexuellen Handlungen gezwungen worden zu sein. Die Krankheit macht diese Frauen im doppelten Sinne zu Opfern. Die Folge: Weltweit
sind knapp mehr als 50 Prozent der Infizierten weiblichen Geschlechts. Afrika hat mit knapp 60 Prozent weltweit die höchste Quote von infizierten Frauen. Bei jungen Menschen im Alter von 15-24 Jahren sind sogar 75 Prozent der Infizierten weiblich. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Anteil der HIV-infizierten Frauen insgesamt bei 20 Prozent aller Infizierten, der Anteil der an Aids erkrankten Frauen liegt bei 13 Prozent. Der Frauenanteil ist in anderen Industrieländern ähnlich.
AIDS zerstört das Immunsystem und öffnet so alle Türen für so genannte opportunistische Infektionen. Darunter sind auch hoch-infektiöse – wie zum Beispiel die Tuberkulose. AIDS schafft diesen Krankheiten einen günstigen Nährboden.
Die Krankheit führt zur Zerrüttung sozialer Strukturen. Häufig werden die Betroffenen aus dem Familienverband ausgeschlossen, weil die Menschen aufgrund mangelnder Informationen den Infizierten mit großer Furcht begegnen. Die mit der Krankheit einhergehende Verelendung entzieht den Familien ihre ökonomische Basis.
Über 14 Millionen Kinder haben weltweit einen Elternteil oder beide Eltern durch Aids verloren. mehr