Über 14 Millionen Kinder haben weltweit einen Elternteil oder beide Eltern durch Aids verloren. Rund 2,2 Millionen Kinder unter 15 Jahren leben zur Zeit mit HIV/Aids. In vielen Teilen Schwarzafrikas zerfällt durch Aids die für das Leben der Menschen entscheidende Großfamilie. Allein in Uganda kommen auf eine Bevölkerung von 26 Millionen zwei Millionen Aids-Waisen, in Simbabwe knapp eine Million. In den Ländern des südlichen Afrika ist bereits jedes zehnte Kind verwaist. Da in vielen Regionen die
familiären Versorgungsstrukturen durch Großeltern oder andere Verwandte längst ausgeschöpft und überfordert sind, bleiben Hunderttausende der Aids-Waisen auf sich allein gestellt, schlagen sich auf der Straße durch, müssen für jüngere Geschwister sorgen, verlieren jede Chance auf ein Schulbildung und Ausbildung.

Eine Minderheit unter ihnen ist selbst mit dem Virus infiziert. Da die Kinder während der Geburt mit dem Blut der Mutter in Berührung kommen oder sich während der Stillphase infizieren, besteht höchste Ansteckungsgefahr. Die große Zahl dieser Kinder übersteigt die Möglichkeiten der traditionellen Waisensorge erheblich. In Afrika werden sie herkömmlich in aller Regel von Verwandten oder Nachbarn aufgenommen.
Die MISEREOR-Partner in den Armutsregionen - z.B. Selbsthilfeinitiativen, Pfarrgemeinden oder Ordensgemeinschaften - haben angepasste Lösungen entwickelt, wie diese Kinder ein Zuhause finden:
Ziel dieser Lösungen ist also eine ortsnahe, integrierte Versorgung der AIDS-Waisen. Sie in Heimen oder Kinderdörfern unterzubringen, vermeiden wir.
Meist unterstützen wir die Menschen in den folgenden Schritten:
Die Menschen, häufig Analphabeten, brauchen umfassende Informationen über AIDS. Ziel ist, Vorurteile, Ängste und Gerüchte zu überwinden, damit die Erkrankten nicht aus der Gemeinschaft ihrer Familien, Dörfer oder Stadtviertel ausgestoßen werden.
Die Initiativen müssen sich organisieren, um ein Netz freiwilliger Helferinnen und Helfer zusammenzuführen. In solchen Netzwerken arbeiten nicht selten 1.000 bis 2.000 Personen zusammen. Sie nehmen sich der Kinder an und suchen nach Möglichkeiten, sie in bestehenden Familien unterzubringen.
Die ehrenamtlichen Frauen und Männer bringen in aller Regel keine pädagogischen Kenntnisse mit. In angepassten Fortbildungsmaßnahmen werden sie ausgebildet, um die besondere Situation der Kinder zu verstehen. Sie haben das langsame Sterben ihrer Eltern erlebt und brauchen besonders viel Zuwendung, um dieses Geschehen zu verarbeiten. Soweit die Kinder selbst HIV-infiziert sind, brauchen die aufnehmenden Familien Rat und Unterstützung, um die Kinder sachgemäß pflegen zu können.
Auch für diese aufnehmenden Familien stellt MISEREOR Mittel bereit - häufig in Form eines lokal verwalteten Fonds - mit deren Hilfe entsprechende Notwendigkeiten beschafft werden können.
Immer häufiger gelingt die integrierte Versorgung von Waisen. Dies ist ein ermutigendes Zeichen für die Zukunft. Die Menschen in den Armutsregionen stellen sich der Krankheit AIDS und entwickeln i h r e Wege, dem Virus die Stirn zu bieten. Damit muss AIDS nicht in eine neue Abhängigkeit führen.
Die Kinder wachsen nicht als Fremdkörper heran. Sie gehören selbstverständlich dazu. Sie leben in Familien und finden in ihr Leben hinein wie alle anderen Kinder auch.
Die Kinder finden Geborgenheit und Rückhalt der Familien. Sie können auch nach dem Tod ihrer leiblichen Eltern zu jemandem "Vater" und "Mutter" sagen.