
Aids tötet nicht nur viele Menschen, sondern verursacht auch darüber hinaus auf vielen Ebenen enorme Schäden – vom familiären Umfeld bis zur gesamten Volkswirtschaft. Vielerorts stecken sich besonders junge Erwachsene zwischen 18 und 35 Jahren an. In Ländern wie Südafrika, Simbabwe, Mozambique oder Botswana fiel der Krankheit teilweise jede dritte Arbeitskraft zum Opfer. Hohe Krankenstände und Fach- kräftemangel verschlechtern die Produktivität, verschrecken ausländische Investoren und werfen ganze Länder in ihrer Entwicklung zurück.
Wer an Aids erkrankt, kann nicht mehr für seinen Lebensunterhalt sorgen. Dies trifft auch abhängige Angehörige, also Kinder und Senioren. Da Infizierte in vielen Gesellschaften Asiens, Lateinamerikas und Afrikas von ihren Familien ausge- schlossen werden, stehen sie vor dem Nichts.
Frauen haben aus biologischen Gründen ein höheres Ansteckungsrisiko. Zugleich sind sie aus kulturellen und ökonomischen Gründen stärker gefährdet: Laut Umfragen unter jungen Südafrikanerinnen wurde über ein Drittel schon einmal Opfer sexueller Gewalt. Die Folge: Weltweit ist mehr als die Hälfte der Infizierten weiblich. Während in Deutschland nur 20 Prozent der Infizierten Frauen sind, sind es in Afrika fast 60 Prozent; in der Gruppe der 15- bis 24-Jährigen gar 75 Prozent.
Weltweit haben über 14 Millionen Kinder einen Elternteil oder Vater und Mutter durch Aids verloren. Rund 2,2 Millionen Kinder unter 15 Jahren sind selbst infiziert. In Afrika werden Waisen traditionell von Verwandten oder Nachbarn aufgenommen. Doch die Wucht der Aidsepidemie zerstört zunehmend die wichtigen Strukturen der Großfamilien. Allein in Uganda kommen auf 26 Millionen Einwohner zwei Millionen Aidswaisen, in Simbabwe sind es knapp eine Million. Südlich der Sahara ist bereits jedes zehnte Kind verwaist. Hunderttausende dieser Aidswaisen sind komplett auf sich allein gestellt und schlagen sich auf der Straße durch. Da viele für jüngere Geschwister sorgen müssen, haben sie keine Chance auf eine Schul- oder Ausbildung.
Die Aidsepidemie stellt die Gesundheitssysteme armer Länder vor existenzielle Herausforderungen. So fallen in den Krankenhäusern des südlichen Afrikas massenhaft Ärzte und Pflegepersonal aus, da diese selbst betroffen sind. Außerdem begünstigt Aids durch die Zerstörung des Immunsystems die Ausbreitung anderer Krankheiten wie Tuberkulose.
Eine Überforderung sind auch die Behandlungskosten durch Aids. Dank inter- nationaler Anstrengungen erhalten zwar inzwischen vier Millionen Menschen weltweit eine antiretrovirale Aids-Behandlung, die ihre Lebensdauer und Lebens- qualität deutlich erhöht. Tatsächlich benötigen aber 9,5 Millionen Menschen diese Therapie. 2008 verpflichteten sich die UN-Mitgliedstaaten auf der UNGASS-Konferenz in New York, allen Aidskranken den Zugang zu Therapie und Pflege zu ermöglichen. Dieses Versprechen lässt sich allerdings nur einlösen, wenn die Preise für lebensnotwendige Aidsmedikamente deutlich gesenkt werden.
Die Lücken, die Aids reißt, sind in Entwicklungsländern in allen Lebensbereichen zu spüren. Laut Prognosen könnte im südlichen Afrika rund ein Drittel der Lehrerinnen und Lehrer an Aids sterben. 2015 bleiben daher wohl sechzig Millionen afrikanische Kinder im Primarschulalter ohne Zugang zu Bildung.