Gerechtigkeit ist das große Stichwort in der Sommerausgabe von MISEREOR aktuell. Was es heißt, keine Sicherheit für sich und seine Familie zu haben, ständiger Gewalt und Willkür von bewaffneten Kräften und korrupten Politikern ausgesetzt zu sein, davon berichten die Mütter von Soacha in der ersten Reportage. In Kolumbien herrscht seit 40 Jahren ein bewaffneter Konflikt. Die Bürger in dem südamerikanischen Land werden zerrieben zwischen den Fronten aus Militär, Paramilitär und Guerilla. Besonders deutlich wird das, wenn man sich die Praxis der sogenannten außergerichtlichen Hinrichtungen aber auch die hohe Zahl von Binnenvertreibungen vor Augen führt. Mit den Müttern von Soacha kommen die Opfer zu Wort, deren teils minderjährige Kinder umgebracht wurden, um die Kriegsbilanzen von Politikern zu schönen. Die Fälle sind inzwischen bekannt, aber bis heute haben die Angehörigen keine Gerechtigkeit erfahren.

Dass das Thema Landfrage auch in globalen Zusammenhängen eine wachsende Rolle spielt, zeigt die zweite große Reportage. Das Stichwort „land grabbing“ umreißt eine Praxis, die immer mehr zu einer Bedrohung für viele Menschen in den armen Ländern wird. Internationale Agrar- und Finanzinvestoren kaufen in großem Stil fruchtbares Land in Afrika und Asien auf. Riesige Flächen werden gerodet und Nahrungsmittel für den Export produziert. Diese perfide Form der Spekulation mit Land und Lebensmitteln bedroht Existenz und Heimat von Kleinbauern und Ureinwohnern. Die ökologischen Folgen der Landnahme sind heute noch unabsehbar.
Außerdem im neuen Heft: Auf nach Ruanda, Indien oder Mexiko. Im Feature berichten wir über die Ausreise der ersten Freiwilligen mit MISEREOR im neuen „weltwärts“-Programm. Und das Portrait zeigt, warum der peruanische Menschenrechtler Marco Arana den Aachener Friedenpreises erhält.