Sehr zum Spott der chinesischen Internet-Nutzer war die nordostchinesische Stadt Changchun die erste, deren Name als „sensibler Begriff“ nicht in chinesische Mikroblogs eingegeben werden durfte. Dabei bedeutet Changchun nichts anderes als „langer Frühling“. Wahrscheinlich sollte das Filterprogramm verhindern, dass sich Internetnutzer über Li Changchun, Mitglied des Ständigen Ausschusses des Politbüros, äußerten. Chinesische Spitzenpolitiker schätzen es nach wie vor nicht, wenn sie in Mikroblogs thematisiert werden. Diesem Misstrauen gegenüber steht die frappierende Zahl von 485 Millionen Internetnutzern und über 300 Millionen Benutzern von Mikroblogs in der Volksrepublik.
In Changchun findet sich aber auch ein Beispiel dafür, welche Bedeutung das Internet mittlerweile für benachteiligte Bevölkerungsgruppen in China hat. Die Glasknochenkranke Yu Haibo hat in dieser Stadt 200 Menschen mit Behinderung ausgebildet und zur Selbstständigkeit verholfen. Via Internet vernetzen sie sich, verdienen Geld und setzen sich für ihre Rechte ein. Das Internet als neue Chance für Entwicklung? Wir sind der Frage in unserem Titelthema nachgegangen. Starke Persönlichkeiten begleiten uns auch in den anderen Beiträgen durch diese Ausgabe von MISEREOR aktuell. Die neunjährige Jade, die nach der Schule arbeitet, um ihre Eltern zu unterstützen, und zum ersten Mal lernt, ihre Rechte einzufordern; die zwei deutschen Frauen, die ohne Rücksicht auf die eigene Sicherheit afghanischen Kindern eine Chance auf körperliche und seelische Heilung geben; der madagassische Freiwillige in Westfalen.
Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre.
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Redakteur: Michael Mondry
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