
Das Attat Hospital, knapp 200 Kilometer südwestlich von Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba in der ländlichen Gegend Guraghe gelegen, ist für 500.000 Menschen das einzige erreichbare Krankenhaus. Und es leistet weit mehr als die Versorgung der medizinischen Notfälle: Von der Aids-Prävention über die häusliche Pflege behinderter Menschen, Kurse zur Gesundheitsbildung und einer gesunden Ernährung bis hin zum Bau von Brunnen für sauberes Trinkwasser erstrecken sich die Aktivitäten des von MISEREOR seit vielen Jahren unterstützten Hospitals.
„Das Krankenhaus ist ein wirklicher Segen für uns: Sie haben meiner Enkelin Mursal das Leben gerettet!“, sagt Hassan, Bewohner eines der umliegenden Dörfer.
Das achtjährige Mädchen hatte sich beim Spielen mit einem rostigen Stück Draht verletzt – keine große Wunde, aber dennoch sehr gefährlich. „Ihre Mutter – meine Tochter – wusste, dass daraus Tetanus entstehen kann. Das hat sie zusammen mit anderen Frauen aus unserem Dorf in dem Gesundheitskurs gelernt, den das Krankenhaus jedes Jahr durchführt. Sie weiß eine Menge über Krankheiten“, sagt Hassan stolz.
„Sie hat die Wunde sofort sorgfältig ausgewaschen – sauberes Wasser haben wir ja nun auch, seit die Leute von Attat zusammen mit den Männern in unserem Dorf einen neuen Brunnen gebohrt haben“, erzählt Hassan. „Anschließend ist sie mit Mursal direkt zum Krankenhaus gegangen, wo die Kleine zwei Spritzen bekommen hat. Sie haben sie dann noch einige Tage zur Beobachtung dabehalten, aber es geht ihr gut. Heute kann ich sie nach Hause mitnehmen“, sagt Hassan glücklich, und auch Mursal kann nach der ganzen Aufregung wieder lachen.
Mursals schnelle Genesung ist ein Erfolg der „integrierten Basisgesundheitsdienste“ – so der Fachausdruck für das ganzheitliche Konzept, das der Arbeit des Attat-Krankenhauses zugrunde liegt. Ziel ist es, die Gesundheitssituation der Menschen dauerhaft zu verbessern. Das Attat Hospital führt deshalb u.a. regelmäßige Impfprogramme durch, betreibt zahlreiche Außenstationen zur Erste-Hilfe-Versorgung, bietet Kurse zur Geburtsvor- und -nachbereitung an, klärt über Aids-Prävention, richtige Ernährung, Infektionskrankheiten und andere wichtige Themen auf und kümmert sich vor Ort um immobile Patienten und Behinderte. Daneben betreibt das Krankenhaus diverse Entwicklungsmaßnahmen wie z.B. den Bau von Tiefbrunnen und die hygienische Überwachung von insgesamt 132 Wasserstellen, damit die Menschen sauberes Trinkwasser in ausreichender Menge zur Verfügung haben. Mit seiner Arbeit hat das Attat Hospital mittlerweile hohes Ansehen und breite Akzeptanz in der Bevölkerung erlangt.

„Früher sind die Menschen hier zum Teil an eigentlich harmlosen Verletzungen oder grundsätzlich heilbaren Krankheiten gestorben, weil sie sie nicht ernst genommen haben oder die Hygiene mangelhaft war. Diese Zeiten sind nun dank unserer breit angelegten Aktivitäten vorbei“, sagt Elise, Mitarbeiterin im Attat Hospital.
Die Erfolgsbilanz des Krankenhauses ist beachtlich: Pro Jahr behandeln seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rund 6.000 Patienten stationär und etwa 70.000 Menschen in ihren Dörfern. Die hervorragende Arbeit des Hospitals zeigt sich auch daran, dass die Kindersterblichkeit im Einzugsgebiet gerade mal ein Viertel und die Erwachsenensterblichkeit sogar nur ein Zehntel der entsprechenden äthiopischen Durchschnittswerte beträgt.
8 Euro sind die durchschnittlichen Kosten für die Behandlung eines Patienten.
73 Euro verdient ein Dorfgesundheitshelfer pro Monat.
MISEREOR-Zusage: 204.500 Euro
Das Attat Hospital ist im Besitz der äthiopischen katholischen Kirche und wird von Mitgliedern der Schwesternkongregation „Medical Mission Sisters“ geleitet.
MISEREOR ist wegen Förderung der Entwicklungszusammenarbeit von der Körperschaftssteuer befreit. Bestätigung zur Vorlage beim Finanzamt (pdf)