Projektfilm: Friedenspreis für Marco Arana

In Peru bauen internationale Konzerne mit rücksichtslosen Methoden wertvolle Bodenschätze ab und machen immense Gewinne. Die Menschen vor Ort erhalten von diesem Reichtum nichts – im Gegenteil: Sie werden vertrieben oder müssen zumindest ohnmächtig hinnehmen, wie ihre Umwelt zerstört und sie selbst vergiftet werden. Doch die Bewohner der betroffenen Gebiete in Cajamarca, La Oroya und anderen Regionen sind inzwischen nicht mehr ganz wehrlos: MISEREOR-Partnerorganisationen klären sie über ihre Rechte auf, befähigen sie dazu, diese auch einzufordern, und unterstützen sie dabei mit gezielter Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit.

„Bisher konnte der Bergbaukonzern hier machen, was er wollte – dabei kommt er nicht einmal aus Peru, sondern aus den USA. Die ganze Landschaft haben sie zerstört“, sagt Pedro wütend und deutet auf die wüstenartige Szenerie um ihn herum. Wo er und seine Nachbarn aus der Bevölkerungsgruppe der Ketschua früher ihre Felder bebaut haben, klafft nun die Yanacocha-Goldmine, mit einer Ausdehnung von 250 Quadratkilometern einer der größten Tagebaue der Welt. „Sie haben uns das Land einfach weggenommen. Zwar haben wir uns bei den Behörden beschwert. Aber die Beamten haben gesagt, der Bergbau sei wichtiger, und haben dem Konzern Recht gegeben – wahrscheinlich waren sie bestochen.“
Die skrupellosen Abbaumethoden der Minenbetreiber erschweren das ohnehin harte Leben der Indios in 3.600 Meter Höhe zusätzlich. Denn durch den Einsatz von Zyanid und Quecksilber zur Goldgewinnung sind Wasser und Boden auch jenseits des Minengebiets vergiftet. Die Regierung allerdings leugnet, dass das mit dem Bergbau zusammenhängt, und verweigert jegliche Hilfe.

Auch in der Region La Oroya und im Mantarotal belasten Bergbauaktivitäten Natur und Menschen schwer: Toxische Ablagerungen des Bergbaus haben den Mantaro-Fluss auf hunderte Kilometer vergiftet. Zusätzlich verpesten die Abgase der Erz verarbeitenden Hochöfen die Luft mit Schwefeldioxid, Arsen und vor allem Blei. Darunter leiden besonders die Kinder: In La Oroya weisen 97 Prozent der unter Zehnjährigen mindestens das Dreifache der als kritisch eingestuften Bleimenge im Blut auf – wie der kleine Ostin: „56 Mikrogramm Blei hat er im Blut, das hat eine Laboruntersuchung ergeben. Höchstens zehn Mikrogramm dürften es sein. Und der Kleine ist jetzt schon in seiner Entwicklung zurückgeblieben“, erzählt seine Mutter Eliana Puente Díaz.
Das peruanische Minenministerium leugnet auch hier die von der Bergbauindustrie verursachten Probleme. Doch mit Pedro Barreto, Bischof der Erzdiözese Huancayo, hat die betroffene Bevölkerung einen engagierten Anwalt. Trotz ständiger Einschüchterungsversuche mobilisieren er und seine Mitarbeiter durch Pressearbeit, Aufklärungsprogramme, Bürgerforen und Fachtagungen die Öffentlichkeit, um Druck auf Regierung und Bergbauunternehmen auszuüben – mit Erfolg: Die Dialogbereitschaft von Politikern und Managern hat sich deutlich erhöht, eine Reihe von Gesprächen haben erste Verbesserungen gebracht. Nun geht es darum, die Bevölkerung weiter zu stärken und den öffentlichen Druck aufrechtzuerhalten. Dann lässt sich das große Ziel – die Respektierung von Menschenrechten und Umweltstandards sowie eine angemessene Beteiligung der Bevölkerung an politischen Entscheidungen – in absehbarer Zeit verwirklichen.
5 Euro kostet die Blutuntersuchung eines Kindes auf Blei.
Für 30 Euro kann ein Ketschua zum Thema Verhandlungsführung mit Konzernen und Behörden geschult werden.
300 Euro kostet ein Workshop zur Aufklärung der betroffenen Kleinbauern über ihre Rechte.
MISEREOR-Zusage: 125.000 Euro
GRUFIDES setzt sich gegenüber Konzernen und Regierung für die Rechte der Kleinbauern in der Region Cajamarca ein und vermittelt gewaltfreie Konfliktlösungsstrategien. GRUFIDES-Gründer Marco Arana erhielt 2010 den Aachener Friedenspreis.
Die Erzdiözese Huancayo organisiert unter der Leitung von Bischof Pedro Barreto Widerstand gegen einen unkontrollierten Bergbau und kämpft für die Einhaltung fundamentaler Menschenrechte.
zum Thema Wirtschaft für die Armen
MISEREOR ist wegen Förderung der Entwicklungszusammenarbeit von der Körperschaftssteuer befreit. Bestätigung zur Vorlage beim Finanzamt (pdf)