Projekt-Nr.: P10002

Nairobi und Dar es Salaam, beide mit rund 2,7 Millionen Einwohnern die größten Städte von Kenia bzw. Tansania, ziehen die in bitterer Armut lebende Landbevölkerung magnetisch an. Auch viele Kinder und Jugendliche treibt die Hoffnung auf Arbeit und ein besseres Leben in die Metropolen. Ihr Traum endet meist sehr schnell: In den Großstädten landen sie in der Regel auf der Straße, müssen sich in einer Welt voller Gewalt, Hunger, Krankheit und Not durchschlagen, der sie ohne Hilfe kaum entkommen können. Besonders hart ist das Schicksal der Mädchen: Sie sind stets gefährdet, in die Prostitution abzurutschen. MISEREOR-Spenden unterstützen Projekte, die diese Kinder und Jugendlichen auffangen und ihnen neue Perspektiven eröffnen.

„Zwei Jahre lang habe ich auf der Straße gebettelt, um zu überleben. Wir haben auch Müll gesammelt und verkauft, um ein bisschen Geld für Essen zu bekommen. Es war eine harte Zeit, ich hatte immer Angst vor den älteren Jungen und vor der Polizei“, erzählt Anyango. Mit elf war das Mädchen von zu Hause weggelaufen, weil die Mutter nach dem Tod ihres Mannes kein Geld mehr hatte und die Familie hungern musste – ein typisches Schicksal, das aus Kindern Straßenkinder macht. Denn die Gründe, aus denen Mädchen und Jungen ihre Familien auf dem Land verlassen und in die Großstadt fliehen, sind immer die gleichen: Die Eltern sind verstorben, die Verwandten bzw. die Großfamilie haben sie verstoßen, sie wurden zu Hause geschlagen und misshandelt oder sehen schlicht keine Perspektive in den ländlichen Regionen.
Nach zwei Jahren auf der Straße war Anyango schließlich so verzweifelt, dass sie nicht mehr weiterwusste. Zu ihrem Glück traf sie eine Sozialarbeiterin des von MISEREOR unterstützten „Rescue Dada Centre“. Sie überzeugte das Mädchen, Hilfe anzunehmen. Im Rehabilitationszentrum konnte sie sich satt essen, erhielt ein Bett zum Schlafen und lernte erstmals Menschen kennen, denen ihr Schicksal nicht egal war. „Die kümmern sich wirklich um mich “, sagt Anyango glücklich.

Neben der sozialpsychologischen Arbeit führt das Team des „Rescue Dada Centre“ die Mädchen an ein geordnetes Leben heran: z.B. durch Körperhygiene, Ordnung und einen geregelten Tagesablauf, aber auch durch die Vermittlung gegenseitigen Respekts und der Fähigkeit, Konflikte gewaltfrei zu lösen. Haben sich die Mädchen an ein geregeltes Leben gewöhnt, lernen sie Lesen, Schreiben und Rechnen und erwerben so die Grundlage für eine spätere Berufsausbildung, die sie ebenfalls im „Rescue Dada Centre“ absolvieren können: Die Organisation bietet Ausbildungen zur Friseurin, Kosmetikerin oder Sekretärin an – für viele der Einstieg in eine bessere Zukunft.

Auch in der tansanischen Großstadt Dar es Salaam prägen tausende Straßenkinder das Stadtbild. Hier fördert MISEREOR mit „Springs of Hope“ ein Projekt, das bereits ansetzt, bevor Mädchen und Jungen überhaupt zu Straßenkindern werden. Die Mitarbeiter der Initiative besuchen Kinder und ihre Familien in den Dörfern rund um Dar es Salaam und klären sie über die grundlegenden Kinderrechte auf: das Recht auf Leben, auf Entwicklung, auf Teilhabe und auf Schutz.
In „Kinderparlamenten“, anhand von Straßentheateraufführungen und mit Hilfe weiterer Aktionen lernen die Mädchen und Jungen, ihre Probleme zu erkennen und sich bei Missachtung für ihre Rechte einzusetzen; zugleich baut die Initiative gemeinsam mit den Dorfbewohnern Komitees auf, die die Einhaltung dieser Rechte vor Ort beobachten. Daneben vermitteln die Mitarbeiter den Kindern und Jugendlichen auch Pflichten und Werte wie etwa gegenseitigen Respekt. Auf diese Weise schützt die Arbeit von „Springs of Hope“ die Kinder vor Missbrauch und häuslicher Gewalt und lässt sie gleichzeitig von klein auf das Selbstvertrauen und die Zuversicht entwickeln, die sie vor einer Flucht in die Stadt und einem Leben auf der Straße bewahren können.
MISEREOR ist wegen Förderung der Entwicklungszusammenarbeit von der Körperschaftssteuer befreit.
14 Euro kostet das Schulmaterial für ein ehemaliges Straßenkind pro Jahr.
Auf 40 Euro belaufen sich die monatlichen Unterrichtskosten für ein Kind.
57 Euro pro Jahr kostet die Kleidung für ein ehemaliges Straßenmädchen.
MISEREOR-Zusage: 200.000 Euro
Ein Dritteln der Straßenkinder in Nairobi sind Mädchen. Sie gehören in den Elendsvierteln zu den Schwächsten. Das "Rescue Dada Centre" gibt diesen Mädchen ein Zuhause.
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Das „Rescue Dada Centre“ wurde 1992 von der Erzdiözese Nairobi gegründet. Die Organisation, bei der 16 Fachkräfte und sechs Ehrenamtler mitarbeiten, kümmert sich explizit um Straßenmädchen und junge Mütter und ist die einzige in Nairobi, die Straßenarbeit leistet.
Das Projekt „Springs of Hope“ wird von den Daughters of St. Mary in enger Zusammenarbeit mit der Erzdiözese Dar es Salaam umgesetzt.